R+V Versicherung Der Kundenversteher aus Wiesbaden

Der neue Vorstandschef der R+V Versicherung Norbert Rollinger will sein Haus stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Doch ausgerechnet der Erfolg der Wiesbadener macht die Kehrtwende nicht einfacher.
Update: 25.04.2017 - 14:58 Uhr Kommentieren
Die R+V ist der Erstversicherer der Genossenschaftsbanken. Quelle: dpa
R+V Versicherung

Die R+V ist der Erstversicherer der Genossenschaftsbanken.

(Foto: dpa)

WiesbadenNorbert Rollinger kann sehr bestimmt sein. Vor dem Osterfest übte sich der drahtige Vorstandschef der R+V Versicherung im Fasten und mied wochenlang jeden Tropfen Alkohol – selbst bei wichtigen Geschäftsessen. Doch der 52-Jährige ist nicht nur privat sehr diszipliniert, auch beruflich hat der neue Mann an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem deutscher Schaden- und Unfallversicherer klare Vorstellungen.

Vier Monate nach seinem Start legt der promovierte Jurist ein neues Programm namens „Wachstum durch Wandel“ für den Konzern auf, dessen Fokus auf umfassender Digitalisierung und nachhaltiger Kundenzufriedenheit liegen soll. Mit dem Programm wolle das Unternehmen seinen Geschäftserfolg auch „in Zeiten eines sich rasant verändernden Umfeldes“ fortsetzen, sagte Rollinger am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Wiesbaden.

Der neue Chef verbindet das zugleich mit konkreten Wachstumszielen: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, zum 100-jährigen Jubiläum von R+V im Jahr 2022 unsere Beitragseinnahmen auf 20 Milliarden Euro zu steigern“, gibt der neue Chef als Losung aus. 2016 lag die Ziffer auf der Rekordhöhe von 14,8 Milliarden Euro. Entscheidend werde es sein, das Interesse der Kunden mehr in den Mittelpunkt zu stellen, so Rollinger.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Der genossenschaftliche Versicherer folgt damit den Spuren von Branchengrößen wie der Allianz, die bereits seit längerem mit hohem Druck die Digitalisierung vorantreibt und den Mitarbeitern eine neue Mentalität einimpfen will. Es ist eine späte Wende in der Branche, doch nun kommt sie mit Macht. Wer als Versicherer auch in Zukunft vorne mitspielen will, der muss die Bedürfnisse seiner Kunden kennen, lautet die Devise.

„Wir sehen die Digitalisierung vor allem als Wachstumschance – und nicht als Rationalisierungsmaßnahme“, betonte Rollinger. So sei kein breiter Stellenabbau geplant. Mehr als 100 Millionen wird die R+V künftig pro Jahr stattdessen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens investieren. So planen die Wiesbadener mehr Applikationen für das Smartphone, Online-Angebote und eine bessere Erreichbarkeit.

Denn der Druck auf die Branche steigt. Immer mehr Kunden schließen Policen über Computer, Tablet und Smartphone ab. Laut einer aktuellen Studie der Münchner Beratung Bain & Company informieren sich bereits 33 Prozent aller Befragten über Sachversicherungen auf digitalen Kanälen, 22 Prozent schließen die Versicherung auch online ab. Selbst bei komplizierteren Produkten wie Lebensversicherungen erkundigen sich 21 Prozent der Befragten digital, 13 Prozent zeichnen die Police online.

Wie also umgehen mit der wachsenden Konkurrenz aus Start-ups und der digitalen Konkurrenz, auch Insurtechs genannt? Rollinger hat darauf eine simple und frappierende Antwort. „Notfalls werden wir sie kopieren“, sagt der Vorstandschef vor wenigen Wochen bei einer Diskussion in Frankfurt. „Im Kopieren war die Versicherungsindustrie schon immer gut.“ So dauere es im besten Fall nur wenige Monate, bis das Unternehmen selbst mit seinen Programmierern bestimmte Applikationen und Angebote mancher junger Wettbewerber mit eigenen Produkten kontern könnte. „Wenn wir wollen, können wir auch schnell“, lautet seine Kampfansage. Damit sorgen vor allem die Insurtechs, junge Unternehmen, die sich auf digitale Versicherungslösungen spezialisiert haben, für frischen Wind in der Branche.

Branchenführer Allianz als Vorbild
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