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Sal.-Oppenheim-Prozess Das Schweigen des Thomas Middelhoff

Im Untreue-Prozess gegen ehemalige Sal.-Oppenheim-Banker wird Ex-Arcandor-Chef Middelhoff vorerst nicht für Aufklärung sorgen. Als Grund nennt er einen Medienbericht – die Staatsanwaltschaft reagiert fassungslos.
Update: 05.05.2014 - 11:49 Uhr 4 Kommentare
Prozesswoche für Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef sollte im Sal.-Oppenheim-Prozess als Zeuge aussagen. Ab Dienstag geht es in Essen um die Arcandor-Pleite. Quelle: dpa

Prozesswoche für Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef sollte im Sal.-Oppenheim-Prozess als Zeuge aussagen. Ab Dienstag geht es in Essen um die Arcandor-Pleite.

(Foto: dpa)

Köln Gut gebräunt, bestens gelaunt – bei seinem Auftritt im Saal 210 des Kölner Landgerichts genießt Thomas Middelhoff, einst einer der wichtigsten Wirtschaftsführer der Republik, sichtlich das Blitzlicht der Kameras. Nur sagen will der damalige Arcandorchef nicht viel. Eigentlich sollte er Licht ins Dunkel bringen und dem Gericht Fragen zur Pleite des Handelsriesen im Jahr 2009 und der Rolle der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim beantworten.

Die Spitzenbanker des Instituts, das durch den Niedergang von Arcandor fast mit in die Pleite gerutscht wäre, müssen sich vor dem Gericht wegen Untreue verantworten. Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, Dieter Pfundt und der Immobilienentwickler Josef Esch sollen jahrelang ihre eigenen Interessen mit denen der Bank vermischt haben. Mit der Vergabe eines rettenden Kredits für Arcandor im Jahr 2009 war der Bank ein Schaden von 80 Millionen Euro entstanden, so beziffert ihn jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Am Ende musste die einst stolze Privatbank durch die Deutsche Bank gerettet werden.

Doch kurz bevor Middelhoff seine Zeugenaussage machen kann, überraschen seine Anwälte die rund zwei Dutzend anwesenden Juristen und etliche Pressevertreter mit einer Erklärung: Man wolle umfassend vom Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraph 55 Strafprozessordnung Gebrauch machen, kündigte sein Anwalt Winfried Holtermüller an.

Ein Bericht des „Focus“ vom Sonntag erhebe Vorwürfe gegen seinen Mandanten, die in einem Verfahren gegen Middelhoff relevant sein könnte. Es geht um Insolvenzverschleppung. Am Dienstag steht der ehemalige Arcandor-Chef selbst wegen Untreueverdachts vor einem Essener Gericht.

Richterin Sabine Grobecker reagierte überrascht: Bei der Terminabstimmung im Vorfeld habe man immer betont, eine Aussage zu machen. Staatsanwalt Torsten Elschenbroich findet deutlichere Worte: „Was Sie heute hier machen, lässt jeden Respekt gegenüber Gericht, der Staatsanwaltschaft und Ihrem Mandanten vermissen“. Die Aussage zu verweigern, sei zwar berechtigt. Doch es sei „erbärmlich und unglaubwürdig“ sich wegen eines Zeitungsberichts erst am Tag der Aussage auf diese Möglichkeit zurückzuziehen. „Schade, dass es keine Missbrauchsgebühr gibt“, so Elschenbroich weiter.

„Am Mittwoch/Donnerstag geht das Geld aus“

Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin versucht, den Arcandor-Chef trotzdem zum Innenverhältnis der Bank und Middelhoffs Rolle zu befragen. Doch zu fast allen Fragen verweigerte Middelhoff die Aussage.

Dabei hätte er aufklären sollen über die bangen Stunden als im Sommer 2008, in denen klar wurde, dass Arcandor das Geld ausgehen würde. Die Royal Bank of Scotland hatte ein Konsortium verlassen, das dem Konzern eigentlich die Einkäufe für das wichtige Weihnachtsgeschäft finanzieren sollte. Nach Informationen des „Focus“ hatte Finanzvorstand Peter Diesch am 20. September an Middelhoff geschrieben: „Am Mittwoch/Donnerstag geht das Geld aus.“ Middelhoff selbst soll sich daraufhin sechs Tage später in der eigenen Rechtsabteilung nach der Möglichkeit eines Insolvenzantrags in Eigenregie erkundigt haben.

Wäre die Finanzlücke nicht durch Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz geschlossen worden, hätte Middelhoff mit Arcandor wohl schon frühzeitig den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen, ein entsprechender Insolvenzvertrag habe bereits in der Schublade gelegen, so das Magazin weiter. Erst im Juni 2009 stellte Arcandor schließlich Insolvenzantrag.

Für die Kammer erschließe sich der Zusammenhang zwischen dem neuen „Focus“-Bericht zum anhängigen Verfahren in Bochum dagegen nicht, so Richterin Grobecker. Den Gebrauch des Zeugnisverweigerungsrechts hätte man vorher mitteilen können, dann hätte man Middelhoff zu einem anderen Termin geladen.

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4 Kommentare zu "Sal.-Oppenheim-Prozess: Das Schweigen des Thomas Middelhoff"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Unabhängig von der aktuellen Diskussion stört mich folgendes:

    Ausschließlich Middelhoff wird von den Medien an den Pranger gestellt. Man stelle sich bitte folgendes vor:

    In der Fussball-Bundesliga schmeißt ein von einer inkompetenten und strunzdummen Inhaberin (Milliardärin) geführter Verein zum fünften Mal in der laufenden Saison seinen Trainer raus und steht mit großem Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz an letzter Stelle der Tabelle. Fünf Spieltage vor Saisonende soll nun der neue Trainer den Verein retten. Die Chancen stehen 1:10. Es gelingt ihm nicht. Daraufhin erhält der Verein aufgrund katastrophaler Finanzlage und vielen Lügen in den Billanzen usw. auch keine Lizenz mehr für den Profi-Fussball und muss in die vierte Liga absteigen.
    Für alles wird nun der letzte Trainer in Verantwortung genommen...

    Und: die vorherigen Trainer kamen zu dem Trainerjob, weil sie Liebhaber der Milliarden-schweren Präsidentin und Inhaberin waren. Und im Verein selbst herrscht ein von Bücklingen, Schmarotzern und Lügnern bestimmtes Geschäfts- und Stimmungs-Klima.

    Wenn man dem letzten Trainer also einen Vorwurf machen kann, dann wohl nur den, in so einem Scheiß-Verein angeheuert zu haben. Es sei denn die Kohle hat gestimmt... Tja, und das hat sie wohl...

  • Der alte Geldvernichter ist an Arroganz nicht zu überbieten. Gibt es nicht die Beugehaft ?

  • Bitte nochmal den Artikel lesen! Ausdrücklich wird NICHT die Berufung auf das Zeugnisverweigerungsrecht an sich kritisiert. Sondern nur, daß Middelhoff das nicht schon früher getan hat und sogar ausdrücklich erklärt hatte, aussagen zu wollen. Durch sein Verhalten verlieren viele Menschen einen ganzen Tag, an dem sie Sicher Besseres zu tun gehabt hätten.

  • " Es sei „erbärmlich und unglaubwürdig“ und „eine Unverschämtheit hierher zu kommen, und sich auf Paragraph 55 zu beziehen“, so der Staatsanwalt. „Schade, dass es keine Missbrauchsgebühr gibt.“"

    Erstaunlich was der Staatsanwalt da von sich gibt.

    Paragraph 55, auf den sich Herr Middlehoff bezieht, wurde doch nicht von ihm erlassen und der Staatsanwalt will ihm die Anwendung des Rechts verweigern?

    Sonderbar, mehr als sonderbar!

    Was ist eigentlich in der Justiz los? Es muss nicht immer so dick kommen wie im Fall Mollath. Aber einen Rechtsstaat scheinen wir nicht mehr zu haben.

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