Scalable Capital Erster Robo-Advisor sammelt mehr als eine Milliarde Euro Kundengelder ein

Die Branche der digitalen Vermögensverwalter („Robo-Advisor“) wächst in Deutschland rasant. Doch die US-Konkurrenz liegt weit vorne.
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Florian Prucker, Erik Podzuweit Stefan Mittnik (von links).
Die Gründer von Scalable Capital

Florian Prucker, Erik Podzuweit Stefan Mittnik (von links).

FrankfurtEs ist ein Wachstum, von dem die Konkurrenz nur träumen kann: Dem digitalen Vermögensverwalter Scalable Capital haben innerhalb von 28 Monaten mehr als 30.000 Kunden insgesamt eine Milliarde Euro anvertraut. Mehr als die Hälfte des verwalteten Vermögens kam von Kunden der Direktbank ING-Diba, die seit vergangenem September mit dem jungen Unternehmen aus München kooperiert.

Insgesamt dürften die Robo-Advisor, das heißt digitale Vermögensverwalter, bei denen ein Großteil der Arbeit von Algorithmen erledigt wird, in Deutschland nun mehr als zwei Milliarden Euro verwalten. Die Zahlen zeigen einerseits, dass das Kundeninteresse an digitaler Vermögensverwaltung steigt. Andererseits brauchen junge Unternehmen starke Partner, um mit Geldanlageprodukten schnell zu wachsen.

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 20 digitale Vermögensverwalter, auf die private Kunden direkt zugreifen können. Die ersten sind seit 2013 aktiv und folgten damals dem Beispiel der amerikanischen Pioniere Betterment und Wealthfront, die 2008 gegründet wurden und zusammen inzwischen rund 24 Milliarden Dollar verwalten.

Anders als bei herkömmlichen Vermögensverwaltern läuft das Kennenlernen zwischen Robo-Anbieter und Kunde meist komplett per Internet. Die Anleger klicken sich durch einen Fragenkatalog und erhalten dann automatisch einen Anlagevorschlag für ein Portfolio, das sich meist aus kostengünstigen Indexfonds (ETFs) zusammensetzt. Auch die zwischenzeitliche Anpassung der Portfolios läuft automatisiert. Dadurch sparen die Verwalter Kosten und bieten ihr Angebot häufig schon für eine Gebühr von weniger als einem Prozent pro Jahr an.

Wichtige Partnersuche

Ein gutes Angebot alleine reicht aber nicht. „Für junge, unbekannte Unternehmen ist es schwer, Privatanleger als Kunden zu gewinnen“, sagt Matthias Hübner, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Die Kooperation mit einer Bank, die einen großen Kundenstamm und eine bekannte Marke hat, ist deshalb eine erfolgversprechende Strategie.“

Im Falle von Scalable Capital sei die ING-Diba ein besonders attraktiver Partner, weil ihre Kunden viel Geld auf Tagesgeldkonten parkten. Neben den Münchenern setzen auch einige andere Anbieter auf Kooperationen: So arbeitet beispielsweise der Frankfurter Anbieter Vaamo mit der Smartphone-Bank N26 zusammen, und Investify kooperiert mit der Hamburger Sparkasse (Haspa).

Erik Podzuweit, Geschäftsführer und Co-Gründer von Scalable Capital, freut sich über den wichtigen Meilenstein der ersten Milliarde. „Mit der ING-Diba haben wir einen tollen Partner gewonnen, der das Thema digitale Vermögensverwaltung ernst nimmt und intensiv für unser gemeinsames Angebot wirbt“, sagt Podzuweit dem Handelsblatt. Abhängig fühle er sich von der Bank aber nicht, obwohl in den vergangenen acht Monaten drei Viertel des verwalteten Vermögens von ING-Diba-Kunden kamen.

„Wir hatten auch schon vor der Kooperation viele Kunden der ING-Diba“, erklärt Podzuweit. Diese können sich nun direkt mit ihren Kundendaten der Bank bei dem Robo-Advisor registrieren – eine erneute Identifikation entfällt. Auch die Depotführung läuft bei ihnen über die ING-Diba, während das für andere Scalable-Capital-Kunden die Baader Bank übernimmt.

Die meisten anderen deutschen Robo-Advisor schweigen zu ihrem verwalteten Vermögen. Der Anbieter Liqid, der mit der Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt zusammenarbeitet, bestätigte dem Handelsblatt eine Summe von 250 Millionen Euro. Quirion, der Robo der Quirin-Bank, hat in seinem letzten Geschäftsbericht „mehr als 100 Millionen Euro“ vermeldet.

Und über das Comdirect-Angebot Cominvest sollen Anleger bisher 300 Millionen Euro angelegt haben – wobei davon laut einem Sprecher „etwa die Hälfte“ auf die Vermögensverwaltung entfällt, der Rest bezieht sich auf andere Bereiche dieses Angebots wie die Anlagevermittlung. Auch die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr mit „Robin“ ein eigenes Produkt gestartet. Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht. „Robin läuft gut an“, sagt ein Sprecher der Bank. Ziel sei es, bis Ende 2018 einen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen.

Starke US-Konkurrenz

Michael Mellinghoff Geschäftsführer der Fintech-Beratungsfirma Techfluence, hat sich auch einige weitere Anbieter auf dem deutschen Markt angeschaut und schätzt, dass die deutschen Robo-Advisor insgesamt inzwischen rund zwei Milliarden Euro verwalten. Die Zahlen in den USA sind deutlich höher. Nicht nur, dass Betterment und Wealthfront rund 24 Milliarden Dollar verwalten, sondern auch das Wachstum von etablierten Finanzhäusern, die ein Digitalangebot gestartet haben.

Wie eine Übersicht von Techfluence zeigt, verwaltet Charles Schwab aktuell 30,6 Milliarden Dollar und Vanguard schon 106 Milliarden Dollar. „Gerade bei Letztem sind sicherlich einige Kunden aus teureren Vanguard-Fonds in das günstigere Robo-Angebot gewechselt, dennoch ist das Wachstum beachtlich“, meint Mellinghoff. „Das dürfte auch die Erwartungen bei den traditionellen Finanzinstituten in Europa beflügeln“, so der Berater.

Mellinghoff empfiehlt den Banken „Mut zum Risiko“. So seien die Margen für die Bank bei einem kundenfreundlich gestalteten Robo-Advisor zwar geringer als bei aktiven Investmentfonds, „doch sie sind ein exzellentes Kundenbindungstool“, so der Berater. Ob es für Banken nun besser ist, eine eigene digitale Vermögensverwaltung aufzubauen oder sich einen Kooperationspartner zu suchen, hängt nach Ansicht von Matthias Hübner vom Einzelfall ab.

„Wer große Erträge erwartet, kann auch die Investition in ein eigenes Angebot stemmen“, so der Berater. Das allerdings koste Zeit. Einen externen Robo an Bord zu holen, funktioniere schneller – aber dann muss die Bank sich auch die Gebühren mit ihm teilen. „Bis Ende des Jahres werden sich sicherlich alle großen und mittleren Banken für eine Variante entschieden haben“, so Hübner.

Scalable Capital will in Deutschland keine weitere Kooperation eingehen, bei der zugleich die Marke der Bank als auch die Marke von Scalable Capital gezeigt werden, berichtet Podzuweit. Möglich sei eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit der ING in anderen Ländern. Schon kurz nach Beginn der Partnerschaft hatte die Bank verkündet, dass Deutschland in Sachen digitale Vermögensverwaltung „der Vorreiter für die gesamte ING-Gruppe“ sei. Auf Nachfrage sagte ein Sprecher der ING-Diba, dass es aktuell noch keine konkreten Pläne für andere Länder gebe.

Scalable arbeitet derweil an White-Label-Angeboten. Dabei stellen sie Banken ihre Technologie zur Verfügung, treten aber mit ihrer Marke nicht in Erscheinung. „Das wird ein weiteres Standbein für uns, und wir arbeiten gerade schon mit Partnern an der Umsetzung“, so Podzuweit.

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