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Schufa Kredit-Kompass Junge Erwachsene sind vorbildlich bei der Rückzahlung von Krediten

Eine Studie zeigt: Die Deutschen schließen höhere Ratenkredite ab und vergleichen auch Kreditkonditionen intensiver als früher. Die Verschuldungsgefahr ist regional sehr unterschiedlich.
Update: 05.07.2019 - 11:08 Uhr Kommentieren
Die Rückzahlquote von fast 98 Prozent belegt laut Schufa, dass das Kreditsystem in Deutschland funktioniert Quelle: dpa
Konsumentenkredite

Die Rückzahlquote von fast 98 Prozent belegt laut Schufa, dass das Kreditsystem in Deutschland funktioniert

(Foto: dpa)

Frankfurt/Wiesbaden Wer ein Sofa, einen Fernseher oder eine Waschmaschinen kauft, nutzt dafür häufig einen Ratenkredit. Dabei schließen die Deutschen immer höhere Kredite mit längeren Laufzeiten ab. Zugleich informieren sie sich aber auch vor Vertragsabschluss vermehrt über die Konditionen und vergleichen die verschiedenen Angebote.

Das geht aus dem Schufa Kredit-Kompass 2019 hervor, den die Wirtschaftsauskunftei am Freitag veröffentlicht hat. Entgegen vieler Vorurteile sind gerade die jüngsten Kreditnehmer am vorbildlichsten, was die Rückzahlung betrifft.

Auffällig ist, dass die Zahl der Konditionenanfragen vor dem Abschluss eines Kreditvertrags im vergangenen Jahr deutlich gestiegen ist, und zwar um rund 28 Prozent. Die Zahl der Anfragen erreichte 2018 mit über 34 Millionen Stück einen neuen Höchststand. Das zeigt, dass die Verbraucher sehr überlegt handeln und die Bedingungen sehr genau vergleichen, bevor sie einen Kreditvertrag abschließen.

Im Schnitt holten sie im vergangenen Jahr rund 2,7 Angebote ein, davor waren es 2,1 und 2016 sogar nur 1,8 Angebote gewesen. Den Anstieg führt die Schufa auch darauf zurück, dass Internetportale die Konditionenanfrage mittlerweile stark vereinfacht hätten.

Insgesamt haben die Verbraucher 2018 fast 7,9 Millionen neue Kreditverträge abgeschlossen, etwas weniger als im Vorjahr. Die Zahl der insgesamt laufenden Ratenkredite stieg dennoch auf rund 18,4 Millionen. Die durchschnittliche Höhe eines 2018 neu abgeschlossenen Kredits lag bei 11 140 Euro, eine Zunahme von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Laufzeit der Ratenkredite verlängerte sich im Schnitt auf über 50 Monate.

Die meisten Deutschen gelten als zuverlässige Schuldner. Insgesamt haben die Kreditnehmer im vergangenen Jahr 97,9 Prozent der im Schufa-Datenbestand gespeicherten Ratenkredite vertragsgemäß bedient. „Dies zeigt, dass Deutschlands Verbraucher in Geldangelegenheiten sehr verantwortungsvoll handeln“, sagt Michael Freytag, Vorstandsvorsitzender der Schufa Holding. Der Anteil der ordnungsgemäß zurückgezahlten Kredite habe sich gegenüber dem Vorjahr erneut verbessert. Regional betrachtet zeigt sich, dass vor allem Verbraucher im Osten Deutschlands ihre Ratenkredite zuverlässig bedienen.

Überraschenderweise liegt die Rückzahlungsquote bei den jüngsten Kreditnehmern zwischen 18 und 19 Jahren bei überdurchschnittlichen 98,3 Prozent. Allerdings ist der Kreditbestand in dieser Altersgruppe auch vergleichsweise gering. Leicht höher liegt die Rückzahlungsquote dennoch nur bei Menschen zwischen 50 und 74 Jahren. Das widerlegt das gängige Vorurteil, sehr junge Menschen könnten nicht mit Kreditverpflichtungen umgehen. Etwas nachlässiger bei der Bedienung ihrer Kredite werden die Verbraucher dann allerdings zwischen 20 und 39 Jahren. Deren Rückzahlungsquoten liegen unter dem Schnitt.

Eine Überschuldungsgefahr in Deutschland sieht die Schufa jedoch nicht. Diese sei zuletzt sogar rückläufig gewesen, da das Unternehmen über die überwiegende Mehrheit der Verbraucher nur positive Daten gespeichert hat. Im Länder-Vergleich gibt es in Bayern und Baden-Württemberg die wenigsten Verbraucher, über die die Schufa wenigstens ein Negativmerkmal wie etwa eine überfällige Zahlung gespeichert hat. In Berlin und Bremen ist der Anteil der Personen, die Zahlungsschwierigkeiten haben, dagegen am höchsten.

Der von der Schufa entwickelte Privatverschuldungsindex (PVI) zeigt zudem auf, wie stark kritische Anzeichen der Überschuldung in einzelnen Regionen Deutschlands ausgeprägt sind. Um diesen zu berechnen, zieht das Unternehmen eine Fülle von Einzelindikatoren heran. Bundesweit zeigt der PVI im Zeitraum von 2017 bis 2019 eine jährliche Verbesserung an - ein gutes Zeichen. Doch es gibt auch hier ein deutliches Nord-Süd-Gefälle

Der detaillierte Blick auf Landkreise und kreisfreie Städte deckt auf: In den bayerischen Landkreisen Eichstätt, Erlangen-Höchstadt und Starnberg ist die Überschuldungsgefahr am niedrigsten. Am höchsten ist sie dagegen in Bremerhaven, Duisburg und Gelsenkirchen.

Im Rahmen der Schufa-Studie hat das Marktforschungsinstitut Forsa eine Verbraucherumfrage zu digitalen Finanzdienstleistungen durchgeführt. Demnach kennen 99 Prozent der Befragten die Möglichkeiten des Online Bankings, und eine große Mehrheit von 84 Prozent nutzt es auch für ihre Bankgeschäfte. Bei einer GfK-Umfrage aus dem vergangenen Jahr kam heraus, dass ungefähr jeder Vierte einen Ratenkredit aufgenommen hat.

Demnach wurden allerdings nur zwei Prozent aller Ratenkredite ausschließlich online beantragt und abgeschlossen. Hier kamen beispielsweise Video-Ident-Verfahren zum Einsatz. Immerhin 37 Prozent aller Ratenkredite kamen aber teilweise über das Internet zustande. Sie wurden online beantragt und dann persönlich oder per Post abgeschlossen.

Weitere digitale Angebote im Finanzbereich kommen laut Forsa-Umfrage dagegen bislang wenig zum Einsatz. Nur 36 Prozent der Befragten gaben an, für das Banking eine App auf dem Smartphone zu verwenden. Weniger als die Hälfte nutzt Online-Zahlungsdienste. Auf eine Online-Vermögensverwaltung greifen gar nur acht Prozent der Befragten zurück, und nur fünf Prozent verwalten ihre Bankkonten in einer App.

Interessanterweise wissen mehr als ein Fünftel der Befragten, dass Kreditinstitute nach der neuen Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 dazu verpflichtet sind, Dritten nach Einwilligung des Kontoinhabers Einblick in dessen Kontodaten zu geben. Fast jeder Zehnte gibt an, dieses Verfahren bereits genutzt und also anderen Serviceanbietern erlaubt zu haben, Kontodaten einzusehen, um beispielsweise einen Bezahlvorgang auszulösen.

Am ehesten bereit sind die Verbraucher, anderen Anbietern Einblicke in ihre Daten zu geben, wenn sie einen Kontowechselservice nutzen wollen. Mittlerweile arbeiten viele Banken mit diversen Finanztechnologiefirmen zusammen, die einen digitalen Kontowechsel schnell und unkompliziert anbieten.

Beim Online-Shopping bleibt der Kauf auf Rechnung, bei dem Kunden erst die Ware erhalten und später bezahlen, die beliebteste Bezahlart. 88 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen den Rechnungskauf ohne Vorbehalte. Gut die Hälfte nutzt den Online-Bezahldienst Paypal ohne Bedenken. Die Bezahlung per Kryptowährung kommt hingegen für viele Menschen nicht in Frage.

Der Schutz der persönlichen Daten ist vielen Menschen beim Online-Bezahlen wichtig. „Die Umfrage zeigt, dass Verbraucher hier durchaus sensibel sind“, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. Viele Konsumenten nutzen daher verschiedene Passwörter für unterschiedliche Online-Nutzerkonten.

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