Schuldenkrise Commerzbank erwägt Verkauf der Eurohypo

Einem Medienbericht zufolge erwägt die Commerzbank den Verkauf der Eurohypo an den Staat. Ziel ist es, den Immobilienfinanzierer mit großen Verlusten abzutreten, damit die Wettbewerbshüter nicht einschreiten müssen.
Update: 29.11.2011 - 12:47 Uhr 4 Kommentare
Der Star am Commerzbank-Himmel ist die Eurohypo schon lange nicht mehr. Quelle: Reuters

Der Star am Commerzbank-Himmel ist die Eurohypo schon lange nicht mehr.

(Foto: Reuters)

FrankfurtFür die Commerzbank wird die Krisentochter Eurohypo zum Dreh- und Angelpunkt bei der Lösung der wachsenden Kapitalprobleme. Bekäme das zweitgrößte deutsche Geldhaus den Staats- und Immobilienfinanzierer in den nächsten Monaten aus den Büchern, wären die schärferen Auflagen der europäischen Aufseher EBA kein Thema mehr.

Doch die Eurohypo mit ihren Milliardensummen an Staatsanleihen aus den Euro-Schuldenstaaten im Portfolio ist aktuell unverkäuflich - das hat vor einigen Monaten sogar Finanzchef Eric Strutz zugegeben. Daher arbeiten die Experten in der Strategieabteilung der teilverstaatlichten Bank Finanzkreisen zufolge mit Hochdruck an Alternativen.

„Die Auslagerung toxischer Papiere in eine staatliche Bad Bank ist dabei eine der Optionen, die geprüft wird“, sagte eine Person, die mit den Plänen vertraut ist, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei gehe es vor allem um das Staatsfinanzierungsgeschäft und faule Immobilienkredite, sagte ein weiterer Insider. Am Freitag berät der Aufsichtsrat über den nach seiner Ansicht besten Weg aus der Krise.

Eigentlich hat Bankchef Martin Blessing neuerliche Staatshilfe für sein Haus ausgeschlossen. „Ich gehe da nicht nochmal hin“, hatte er Ende Oktober klar gemacht. Vor drei Jahren musste die Bank inmitten der Finanzkrise schon einmal mit 18 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalspritzen gerettet werden - das ging mit Gehaltsauflagen und Dividendenkürzungen einher. Eine Auslagerung von Teilen der Eurohypo in eine Bad Bank wäre auch eine Form staatlicher Hilfe. „Ob Blessing eine andere Wahl bleibt, ist sehr fraglich“, sagte ein Insider. Die Bank selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

Auslöser für die neue Kapitallücke ist der aktuelle Blitz-Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA. Die Regulierer untersuchen, welcher Kapitalbedarf sich für die Institute ergibt, wenn sie die Staatsanleihen der Euro-Länder zu den teils stark gesunkenen Marktpreisen bewerten. Bei der Commerzbank kommt die EBA auf Basis der Zahlen des dritten Quartals Finanzkreisen zufolge auf ein Loch von fünf Milliarden Euro, das das Geldhaus Analysten zufolge aus eigener Kraft kaum stopfen kann. Sie setzt vor allem auf den Abbau von Bilanzrisiken, um Kapital frei zu setzen, da eine Kapitalerhöhung bei einem Aktienkurs von 1,33 Euro kaum mehr möglich ist. So stellte die Verluste schreibende Tochter Eurohypo das Neugeschäft bereits komplett ein. „Eine Loslösung von toxischen Eurohypo-Teilen wäre ein Befreiungsschlag für die Commerzbank“, sagte ein Banker. Hoffnungen auf eine solche Lösung trieben am Dienstag die Aktien der Bank um 2,7 Prozent nach oben - stärker als der Markttrend.

In der Bundesregierung dürfte sich die Begeisterung für eine erneute Bankenhilfe in Grenzen halten. Das Finanzministerium äußerte sich zwar zunächst nicht, aber aus der Regierungspartei FDP kam prompt Widerstand: „Der Staat ist nicht die Resterampe der Privatwirtschaft“, erklärte FDP-Fraktionsvize Volker Wissing. Die Commerzbank solle selbst einen privaten Investor für die Eurohypo finden, forderte der finanzpolitische Sprecher der Partei.

Wert massiv gedrückt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Schuldenkrise - Commerzbank erwägt Verkauf der Eurohypo

4 Kommentare zu "Schuldenkrise: Commerzbank erwägt Verkauf der Eurohypo"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • das war keine fehlgeschlagene Strategie sondern sehr wohl überlegt und sehr erfolgreich. Alles lukrative inkl. der Branchensoftware für Banken gingen zur Commerzbank, die faulen Fonds von der Commerzbank in die Eurohypo und siehe da, keiner will eine Müllhalte kaufen, wen wunderts. Und damit ist der Weg frei, den Müll über den Steuerzaher abzuwickeln. Das war der Commerzbank schon beim Kauf der Eurohypo klar, da war auch der Kauf der Dresdner Bank längst geplant. Schade dass die Leute die Augen verschliessen und diesen Betrug dulden.

  • na hat der staat wieder so schlecht gewirtschaftet,daß er die pleitekandidaten unsrer exzellenzen,bonitäten und managementeliten aus allianz,man und commerzbank retten darf.

    die pleitekandidaten MANroland und EUROHYPO werte BDI und BDA herren keitel und hundt bezahlt ihr doch aus der portokasse

    reine ehrensache,oder?

  • Früher musste man unrentable Geschäfte schließen, heute verkauft man diese an den "Dummen".

  • Leider muss der Steuerzahler wieder für die fehlgeschlagene Strategie von Klaus Peter Müller und Martin Blessing bluten. Wie definiert eigentlich der Commerzbank Vorstand staatliche Hilfe? Keine direkte Gelder annehmen, aber Probleme und otxische Papiere ebi dem Staat abladen. Diese Herren sind Weltmeister in "window dressing".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%