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Schuldenkrise Griechenlands Banken erholen sich

Die Geldhäuser melden steigende Gewinne. Dazu trägt nicht zuletzt die Rally der hellenischen Staatsanleihen bei.
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Die Banken haben eine lange Durststrecke hinter sich. Während der Krisenjahre mussten sie dreimal mit öffentlichen und privaten Geldern rekapitalisiert werden. Quelle: dpa
Griechenland Flagge

Die Banken haben eine lange Durststrecke hinter sich. Während der Krisenjahre mussten sie dreimal mit öffentlichen und privaten Geldern rekapitalisiert werden.

(Foto: dpa)

Athen Die vier großen griechischen Banken lassen die Krise allmählich hinter sich. Der seit Anfang Juli amtierende konservativ-liberale Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis tritt mit einem betont wirtschaftsfreundlichen Programm an. Er will mit Strukturreformen, Privatisierungen und Steuersenkungen die Konjunktur in Schwung bringen. Davon profitieren die Banken. Nach der Anfang September vollzogenen Aufhebung der letzten verbliebenen Kapitalkontrollen erwarten die Geldinstitute eine weitere Stärkung ihrer Einlagen und eine verbesserte Liquidität. Auch beim Abbau der Kreditrisiken melden sie Fortschritte.

Die Banken haben eine lange Durststrecke hinter sich. Während der Krisenjahre mussten sie dreimal mit öffentlichen und privaten Geldern rekapitalisiert werden. Die Institute verloren zeitweilig 99 Prozent ihres Börsenwerts. Inzwischen sind die Banken mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von knapp 16 Prozent im Branchendurchschnitt wieder recht solide aufgestellt.

Die jüngsten Geschäftsergebnisse zeigen außerdem eine deutliche Verbesserung der Ertragslage. Die National Bank of Greece (NBG) meldete für das erste Halbjahr einen Betriebsgewinn von 258 Millionen Euro, nach 70 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Alpha Bank konnte ihren Nettogewinn von 12,7 auf 86,9 Millionen Euro steigern. Bei der Eurobank verbesserte sich das Ergebnis von 90 auf 113 Millionen. Die Piraeus Bank, die noch im ersten Halbjahr 2018 einen Nettoverlust von 287 Millionen verzeichnete, meldete jetzt einen Gewinn von 19 Millionen Euro.

Profitiert haben die Banken im ersten Halbjahr nicht zuletzt von den stark gestiegenen Kursen der griechischen Staatsanleihen. Der Kurs der zehnjährigen griechischen Anleihe stieg seit Anfang Januar von 83,5 auf 122,5 Prozent, die Rendite fiel entsprechend von 4,4 auf 1,6 Prozent. Allein die Alpha Bank konnte mit ihren Beständen griechischer Bonds im ersten Halbjahr Kursgewinne von 209,3 Millionen Euro verbuchen.

Die verbesserten Ergebnisse spiegeln aber auch die Bemühungen der Banken, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Die Institute schließen Zweigstellen und bauen Personal ab. Nachdem die vier großen Banken 2018 mit Vorruhestandsregelungen und Abfindungen bereits 2 582 Stellen streichen konnten, sollen in diesem Jahr weitere 4 000 Arbeitsplätze wegfallen. Das wäre fast jede zehnte Stelle.

Weniger Problemkredite

Der Kostendruck wächst, weil die Banken die Kreditrisiken in ihren Bilanzen bereinigen müssen. Branchenexperten schätzen, dass infolge des Abbaus von Problemkrediten die kumulierte Bilanzsumme der vier systemischen Institute von 225 Milliarden Euro im Jahr 2018 bis 2023 um rund 50 Milliarden zurückgehen wird. Die Banken müssen ihre Kosten entsprechend anpassen.

Bei der Reduzierung der faulen Kredite meldeten die Banken im ersten Halbjahr gute Fortschritte. Die Summe der notleidenden Forderungen (NPEs) ging Ende Juni gegenüber dem Vorjahr von 94,1 auf 78,8 Milliarden Euro zurück. Die Alpha Bank reduzierte ihre NPEs durch Verkäufe an Kreditverwerter und Abschreibungen von 28,8 auf 24,7 Milliarden, die NBG von 17 auf 13,7 Milliarden. Die größten Fortschritte meldete die Eurobank mit einem Abbau der NPEs um 24,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Quote der notleidenden Forderungen ging dadurch von 40,7 auf 32,8 Prozent der ausgereichten Kredite zurück.

Die Eurobank hat ehrgeizige Ziele: Sie will bis zum Ende dieses Jahres die Quote auf 16 Prozent und bis Ende 2021 unter zehn Prozent drücken. Den längsten Weg hat noch die Piraeus Bank vor sich. Durch Übernahmen kleinerer Institute stieg Piraeus in der Krise zu Griechenlands größter Bank auf, häufte aber auch den höchsten Berg fauler Kredite an. Trotz eines Rückgangs der Problemkredite von 29,4 auf 26,1 Milliarden im ersten Halbjahr liegt die Quote immer noch bei 51,4 Prozent. Im Branchendurchschnitt beträgt sie 44 Prozent.

Unter dem Strich wollen die vier systemrelevanten Banken die Summe der Problemkredite bis Ende 2021 auf 25 Milliarden Euro drücken. Helfen soll dabei ein neuer Rechtsrahmen, der die Übertragung notleidender Forderungen an eine Art Bad Bank und staatliche Bürgschaften für deren Verbriefung vorsieht. „Wir arbeiten an einer systemischen Lösung, um den Abbau der Problemkredite zu beschleunigen“, sagte der neue Finanzminister Christos Staikouras kürzlich im Handelsblatt-Interview. Das Konzept liegt derzeit den EU-Wettbewerbshütern zur Prüfung vor. Mit einer Entscheidung wird in den nächsten Wochen gerechnet. Finanzminister Staikouras: „Unser Ziel ist, die Banken wieder als Wachstumsinstrumente zu etablieren, die Haushalte und Unternehmen finanzieren.“

Diese Rolle können die Institute wegen mangelnder Liquidität bisher nur sehr begrenzt wahrnehmen. Ende Juni lag die Summe der ausgereichten Kredite knapp zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. Jetzt soll das Ende der Kapitalkontrollen für mehr Liquidität sorgen. Sie waren im Juni 2015 eingeführt worden, als der damalige Premier Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis mit ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber den Gläubigern eine massive Kapitalflucht ausgelöst und das griechische Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt hatten.

Von der Aufhebung der letzten Kontrollen, die Auslandstransfers betrafen, versprechen sich die Banken einen Rückfluss abgezogener Mittel. Sie hatten im ersten Halbjahr 2015 knapp 44 Milliarden Euro und damit mehr als ein Viertel ihrer Einlagen verloren. Ein Teil davon ist zwar inzwischen zurückgekehrt. Die Depositen stiegen Ende Juni auf 168,4 Milliarden Euro, gegenüber 156 Milliarden im Vorjahr. Nach Schätzungen in Bankenkreisen bunkern aber Firmen- und Privatkunden immer noch mindestens zwölf Milliarden Euro auf Auslandskonten.

Mehr: Vom Grexit spricht heute niemand mehr. Doch auch wenn es dem neuen Premier gelingt für mehr Wachstum zu sorgen, werden die Folgen der Krise das Land noch begleiten.

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