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Schwache Unternehmen gefährdet Wegfall der Steuervorteile bringt Lebensversicher unter Druck

Eine Branche bibbert: Die Vertriebsleute sehen ihre Provisionen wegbrechen. Zumal die Kunden auf Dauer mit niedrigen Zinsen für ihr Geld rechnen müssen.
  • RITA LANSCH

DÜSSELDORF. Die von der Regierung angekündigte Streichung der Steuerfreiheit von Lebensversicherungen trifft die Branche ins Mark. Zwar hat sie mit der Erholung der Börsen ihre schlimmste Krise hinter sich gebracht. Auf den Vorstandsetagen herrscht aber tiefe Verunsicherung wegen des künftigen Kapitalbedarfs im Zusammenhang mit neuen internationalen Vorschriften, wegen des niedrigen Zinsniveaus sowie der weiter steigenden Lebenserwartung der Kunden.

Die Folge: Die Branche gerät finanziell unter Druck. Das gefährdet schwache Unternehmen, wird aber auch für die Kunden zu spüren sein. Die in den letzten Jahren mehrfach herabgesetzten Verzinsungen der Sparpolicen dürften so bald nicht wieder steigen. Hinzu kommt: Auch für die Vertriebsleute wird das Geld knapp – die klassische Lebensversicherung ist bisher eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen.

Die Bundesregierung plant im Rahmen der Änderung des Alterseinkünftegesetzes, nur noch streng definierte Formen von privaten Rentenversicherungen (Rürup-Rente) steuerlich zu fördern. Dazu zählen beispielsweise Rentenpolicen ohne jegliche Vererbbarkeit im Todesfall. Demgegenüber sollen Kapital-Policen bei Auszahlung voll versteuert werden, obwohl in der Regel schon die Beiträge aus versteuertem Einkommen stammen. In dieser Doppelbesteuerung sehen die Versicherer eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber Fonds und anderen Sparanlagen. Am Freitag geht das Gesetz in seine abschließende Lesung. Änderungen werden kaum erwartet.

„Wenn es nicht gelingt, Wettbewerbsgleichheit herzustellen, kann die Kapital bildende Lebensversicherung nicht überleben“, warnt Günter Schlatter, Steuerexperte und Chef der Rheinischen Provinzial- Gruppe. Der Gesamtverband der Versicherer ist ebenso „tief besorgt“, dass die Koalition „die praktikabelste und wirksamste Vorsorgeform“ behindere. Die Änderung soll für Abschlüsse ab 2005 gelten.

Die Erfahrungen früherer Versuche der Steueränderung zeigen, dass die Versicherer in diesem Jahr noch auf eine Art Schlussverkaufs-Boom hoffen dürfen. Die Kehrseite: Hohe Kosten für Vermittlungsprovisionen belasten die Ergebnisse – und die Einnahmen können nur zu den heutigen unattraktiven Zinssätzen angelegt werden.

Ab 2005 bekommen auch die Vermittler ein massives Problem. Laut Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), der Interessenvertretung der selbstständigen Vertreter, machen die Einnahmen aus Provisionen für Lebensversicherungen im Schnitt ein Sechstel ihrer gesamten Provisionserlöse aus. „Das ist oft der entscheidende Anteil, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können“, sagt BVK-Vizepräsident Ulrich Brock. Er sieht mit dem Wegfall dieses Geschäfts einen erheblichen Erwerbszweig wegbrechen. Nur finanzstarke Versicherer können diesen Einbruch bei ihren Verkäufern auszugleichen.

An der Finanzkraft der Lebensversicherungsunternehmen scheidet sich nach Meinung von Experten in nächster Zukunft die Spreu vom Weizen. International steigen die Anforderungen an die Sicherheitsmittel (Solvency II). Die Gesellschaften bereiten sich darauf vor, ihr Kapital aufzustocken. Erkennbar ist das an der schleichenden Veränderung der Gewinnverteilung zu Lasten der Kunden. Mindestens 90 Prozent der Kapitalerträge stehen laut Gesetz den Kunden zu. In der Praxis sind es bis 2001 weit mehr als 95 Prozent gewesen. Der Rest war für die Aktionäre trotzdem auskömmlich, weil die finanzielle Basis stimmte. Doch das anhaltend niedrige Zinsniveau und die Aktienkrise haben den zu verteilenden Gewinn drastisch geschmälert. Deshalb gehen die Gesellschaften dazu über, das Verhältnis zu Gunsten der Eigentümer zu verbessern.

Geld brauchen die Lebensversicherer zudem für die kommende Anpassung ihrer Bestände an die steigende Lebenserwartung: Wer länger lebt, bezieht länger Rente. „Notwendige Anpassungen werden die Ergebnisse der nächsten Jahre belasten“, befürchtet daher Wilhelm Schneemeier, Aktuar der Geschäftsleitung der deutschen Swiss Life.

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