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Schweizer Großbank Credit Suisse hat nun drei Frauen im Vorstand – Warum das für Banken so außergewöhnlich ist

Credit Suisse steigert den Frauenanteil in der Chefetage auf ein Viertel – eine Besonderheit. Warum Banken sich mit der Gleichberechtigung schwertun.
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Die schweizerische Bank befördert zwei Managerinnen in den Vorstand. Quelle: Reuters
Credit Suisse

Die schweizerische Bank befördert zwei Managerinnen in den Vorstand.

(Foto: Reuters)

Zürich, Frankfurt Dass eine Bank gleich zwei Frauen auf einmal in den Vorstand befördert, sollte nichts Besonderes sein – und doch hat die jüngste Personalrochade der Credit Suisse in der Finanzbranche echten Seltenheitswert.

Die Großbank macht die Schweizerin Antoinette Poschung zur Personalchefin, die Amerikanerin Lydie Hudson wird Compliance-Chefin. Lara Warner, die bisher die Einhaltung der Unternehmensrichtlinien verantwortete, übernimmt den Posten der Risiko-Chefin. Damit sind im zwölfköpfigen Vorstand des Instituts nun drei Managerinnen vertreten.

Von der Geschlechterparität ist Credit Suisse damit zwar noch weit entfernt, aber immerhin rückt sie ein Stück näher als viele Konkurrenten. In der Finanzbranche sind Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Experten führen für dieses Ungleichgewicht eine Vielzahl von Gründen an – und fordern ein Umdenken in der Branche.

Derzeit bilden Managerinnen auch in den Chefetagen deutscher Banken die Ausnahme. Bei der Deutschen Bank steht mit Sylvie Matherat nur eine Frau mit an der operativen Spitze, ebenso bei der Commerzbank mit Bettina Orlopp. Die größte deutsche Sparkasse Haspa und das Spitzenhaus der Genossen, die DZ Bank, weisen mit Bettina Poullain und Ulrike Brouzi ebenfalls je eine Frau vor. Und bei der HSBC ist Carola Gräfin von Schmettow zwar Vorstandssprecherin, doch umgeben ist sie von männlichen Kollegen.

„Frauen sind in deutschen Vorständen immer noch eine Seltenheit“, sagt Ulrike Hasbargen, Leiterin des Bereichs People Advisory Services bei EY. Das gelte nicht nur für Banken: Die Topetagen der meisten Konzerne blieben bis auf Weiteres in Männerhand. Die Finanzbranche steht laut EY mit einem Frauenanteil von 13 Prozent sogar vergleichsweise gut da – im Handel liegt der Anteil bei gerade einmal drei Prozent.

Männerdominanz ist ein internationales Problem

Die Männerdominanz ist ein internationales Problem. In US-Finanzunternehmen sind nur 19 Prozent der Vorstände weiblich, wie aus einer Studie von McKinsey und LeanIn hervorgeht, für die 39 solcher Firmen analysiert wurden. Frauen werden demnach auf allen Stufen seltener befördert als Männer. Unter den befragten Mitarbeiterinnen glaubt über die Hälfte, wegen ihres Geschlechts im Laufe ihrer Karriere schlechtere Chancen gehabt zu haben. Bei den Männern denken dies dagegen nur zehn Prozent.

Hinter solchen Befunden stecken laut der Unternehmensberatung KPMG mehrere Gründe. So mangelt es einer Umfrage unter deutschen und internationalen Vermögensverwaltern aus dem Jahr 2018 zufolge nicht an der Qualifikation von Frauen, auch wenn einige Firmen dies immer wieder angeben.

Die drei Frauen im Vorstand der Credit Suisse
Lydie Hudson
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Die Amerikanerin arbeitete bislang in der Handelssparte der Bank. Jetzt steigt sie zur Compliance-Chefin auf.

(Foto: Credit Suisse)
Antoinette Poschung
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Die Schweizer Personalchefin arbeitet seit 2008 für das Institut.

Lara Warner
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Die Managerin verantwortete bislang die Compliance-Abteilung und wird nun Risk-Chefin.

(Foto: Credit Suisse)

Die Umfrage zeige, dass „Frauen, die wollen, schon in die Firmen hineinkommen, dann aber offenbar nicht gefördert werden“, sagt Elmar Schobel, Partner bei KPMG. Den Vorstandsumbau bei der Credit Suisse nennt er „bemerkenswert“ in einem Umfeld, in dem ansonsten allenfalls eine Frau im Vorstand zu finden sei.

Doch weshalb werden die Frauen nicht befördert? Die Firmen verweisen in der Umfrage auf „Kulturunterschiede“. Auch heißt es, „die Frauen“ hätten offenbar „andere Karriereambitionen“. Schobel interpretiert das so, dass Frauen „als homogene Gruppe und nicht in ihrer Individualität“ wahrgenommen würden.

Kein Mangel an fachlicher Kompetenz

Helfen könne, den Begriff Qualifikation zu „weiten“ und gezielt Führungskompetenz, Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsfreudigkeit von Frauen zu fördern. An fachlicher Kompetenz fehle es dagegen nicht.

Für den Frauenmangel an der Spitze sieht der Berater mehrere Gründe. Einer lautet, dass die Probleme schon deutlich früher anfangen. So sind Frauen laut KPMG in vielen Kernsparten der Finanzbranche grundsätzlich unterrepräsentiert. Das zeigen KPMG-Zahlen aus der Fondsbranche.

Dort arbeiten im Handel gerade einmal 17 Prozent Frauen, im Fondsmanagement, IT und Vertrieb rund ein Viertel – und damit deutlich weniger als etwa im Personalbereich, Marketing, Controlling oder in der Buchhaltung. In den Bereichen, die „Katalysator für Karrieren sein können“, seien wenige Frauen, moniert Schobel.

Ähnlich bei der Credit Suisse: Kernbereiche wie Vermögensverwaltung und Investmentbank werden weiter von Männern geführt. Die drei Managerinnen übernehmen dagegen Gruppenfunktionen wie das Personal und die Compliance. Bankchef Tidjane Thiam unterstrich deren Bedeutung für das Geschäft. So sei die Compliance, die bislang von Lara Warner verantwortet wurde, für das Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank eine „Top-Priorität“.

Thiam unterstrich die Bedeutung des Vorstandsumbaus für die Bank, die eine dreijährige Restrukturierung hinter sich hat. Weitere Rochaden soll es erst einmal nicht geben: „Wir sind damit zufrieden, wie das Team aufgestellt ist“, sagte Thiam. Das Motto laute: „Evolution statt Revolution“.

Schub für den Aktienkurs

Derweil kommt die Evolution in Geschlechterfragen bei den meisten Firmen im Schneckentempo voran. „Wir sehen zwar Fortschritte“, sagt EY-Beraterin Hasbargen, „aber der Wandel vollzieht sich sehr langsam.“ Hasbargen rechnet vor, dass es beim derzeitigen Tempo bis zum Jahr 2034 dauern würde, bis zumindest ein Drittel der deutschen Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist.

Sie macht sich nicht nur für bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark. „Ebenso wichtig ist ein Umdenken in den Unternehmen und im meist männlich besetzten Topmanagement.“

Dabei könnten es sich die Firmen eigentlich „nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten“, schlussfolgert KPMG-Experte Schobel. Untersuchungen zeigen, dass sich der Aktienkurs von Unternehmen mit einer nach Geschlechtern ausgewogenen Mitarbeiterstruktur deutlich besser entwickelt.

Ob sich dieser Effekt wohl auch bei der Credit Suisse einstellt? Die Anteilseigner würden sich wohl freuen – denn sie waren mit der zuletzt mauen Performance des Aktienkurses alles andere als zufrieden.

Mehr: Frauen in den Vorständen von Banken sind noch immer eine Seltenheit. Warum sich das dringend ändern sollte, begründet Handelsblatt-Autorin Lilian Fiala in einem Kommentar.

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