Schweizer Großbank UBS geht Vergewaltigungsvorwurf in Londoner Investment-Sparte nach

Eine ehemalige Mitarbeiterin der Großbank beschuldigt einen Kollegen der Vergewaltigung. Die UBS geht dem nach, das Opfer fühlt sich allein gelassen.
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Bei der UBS heißt es, man wende eine „strikte Null-Toleranz-Regel“ gegenüber sexuellem Missbrauch und Belästigungen an. Quelle: Reuters
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Bei der UBS heißt es, man wende eine „strikte Null-Toleranz-Regel“ gegenüber sexuellem Missbrauch und Belästigungen an.

(Foto: Reuters)

ZürichDie schweizerische Großbank UBS überprüft ihren Umgang mit sexuellen Übergriffen, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin gegen einen Kollegen Missbrauchsvorwürfe erhoben hat. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg und die „Financial Times“ berichten, wirft die Frau dem Mann vor, sie im Herbst in seiner Privatwohnung vergewaltigt zu haben.

Er habe mit beruflichen Konsequenzen gedroht, falls sie die Vorwürfe publik macht. Die Frau, die als Trainee in der Investmentbank arbeitete, meldete die Vorgänge bei der Bank, fühlte sich aber offenbar unzureichend unterstützt. Das wirft ein Schlaglicht auf den Umgang der Branche mit sexuellen Übergriffen. Die UBS hat angekündigt, ihre Regeln erneut auf den Prüfstand zu stellen.

Das Opfer und der mutmaßliche Täter waren bei der Investmentbanking-Sparte der UBS in London beschäftigt. Der Mann soll seinen Job bei der Investmentbank im März gekündigt haben, nachdem er zunächst von der Bank suspendiert worden war.

Auch die Mitarbeiterin ist inzwischen nicht mehr für die UBS tätig. In einem Brief an Investmentbank-Chef Andrea Orcel beklagt die Frau, dass sie sich von der Personalabteilung der Bank im Stich gelassen fühlt. Obwohl sie die Bank über den Vorfall informiert habe, sei sie nicht über die Untersuchung auf dem Laufenden gehalten worden. Auch habe sie weiter im selben Büro mit dem Beschuldigten arbeiten müssen.

Bei der UBS heißt es, man wende eine „strikte Null-Toleranz-Regel“ gegenüber sexuellem Missbrauch und Belästigungen an und untersuche sämtliche Anschuldigungen „sofort und konsequent“. „Dieser Fall hat uns sehr betroffen gemacht“, sagte ein Sprecher. Doch könne man ihn aufgrund der Vertraulichkeit gegenüber den Mitarbeitern nicht kommentieren.

Für die Bank habe es „höchste Priorität, unsere Mitarbeiter vollumfänglich zu unterstützten und ein sicheres Umfeld zu garantieren, in dem sie jegliche Form von Missbrauch melden können“. Nach signifikanten Vorfällen führe man eine Untersuchung durch, um die bestehenden Prozesse zu verbessern. Die Bank legt jedoch Wert darauf, „dass bestimmte kriminelle Anschuldigungen grundsätzlich von der Polizei untersucht werden müssen“.

Die „Metoo“-Debatte, die durch die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelöst worden war, hat längst auch die Finanzbranche erreicht. Bei mehreren Instituten waren sexuelle Übergriffe publik geworden.

Die Branche verschärfte ihre Regeln und rollte teils auch den Umgang mit Fällen auf, die länger zurückliegen. So hatte sich etwa beim UBS-Konkurrenten Credit Suisse Bankchef Tidjane Thiam in einen Fall eingeschaltet, der sich bereits vor acht Jahren ereignet haben soll. Dort soll ein Mitarbeiter eine Untergebene sexuell belästigt haben.

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