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Schweizer Großbank UBS im chinesischen Shitstorm: Broker kündigt Geschäftsbeziehungen auf

Eine Bemerkung des UBS-Ökonomen Paul Donovan löst einen Shitstorm in China aus – es folgen Konsequenzen für die Bank und für Donovan persönlich.
Update: 14.06.2019 - 15:48 Uhr 1 Kommentar
Der Chefökonom der UBS-Vermögensverwaltungssparte hatte sich unangemessen über die Situation rund um die Verbraucherpreise in China geäußert. Quelle: Reuters
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Der Chefökonom der UBS-Vermögensverwaltungssparte hatte sich unangemessen über die Situation rund um die Verbraucherpreise in China geäußert.

(Foto: Reuters)

Peking In schöner Regelmäßigkeit tritt eine ausländische Firma ins chinesische Fettnäpfchen. Dieses Mal hat es die Schweizer Großbank UBS erwischt. Die Wertpapierfirma Haitong Securities hat deshalb jetzt sogar ihre Geschäftsbeziehungen mit der UBS aufgekündigt.

Hintergrund ist der Podcast des UBS-Analysten Paul Donovan vom Mittwoch. Darin wollte der Chefökonom der Vermögensverwaltungssparte die gestiegenen Verbraucherpreise in China erklären. Die hätten mit „kranken Schweinen“ zu tun, erklärte Donovan und fragte weiter. „Spielt das eine Rolle? Es ist wichtig, wenn du ein chinesisches Schwein bist. Es ist wichtig, wenn man gerne Schweinefleisch in China isst.“

Die UBS entschuldigte sich kurz darauf für den Kommentar: Donovans Äußerungen hätten sich auf Inflation und steigenden chinesischen Verbraucherpreise bezogen, die von höheren Preisen für Schweinefleisch getrieben wurden. Der umstrittene Podcast wurde entfernt.

Doch die flapsige Äußerung hatte im chinesischen Internet bereits einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Kommentatoren nannten sie „geschmacklos und rassistisch“. Die einflussreiche Boulevardzeitung „Global Times“ erklärte, chinesische Internetnutzer seien empört über diese Ausdrucksweise.

Ein Mitarbeiter von Haitong International sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Unternehmen sogar seine Geschäftsbeziehungen mit der UBS aufgekündigt habe. Dies habe der Chef des Instituts, Lin Yong, in einer Meldung auf WeChat verkündet, erklärte ein Mitarbeiter, der die Mitteilung gesehen hatte. Zudem habe die Firma die Entscheidung in einer internen E-Mail an die Mitarbeiter verkündet, sagte ein weiterer Angestellter.

Die chinesische Vereinigung von Wertpapierfirmen in Hongkong forderte die UBS sogar dazu auf, Donovan zu entlassen. „Es ist erschreckend, dass ein so minderwertiges Research mit billigen Wortspielen von der Compliance-Abteilung genehmigt wurde. Und die UBS will ja in China Geld verdienen“, schrieb Hao Hong, der die Forschungs- und Strategieabteilung der chinesischen Wertpapierfirma BOCOM International Securities leitet.

Tatsächlich ist China für die Schweizer Großbank ein wichtiger Markt, in dem sie sich auch künftig gute Geschäfte erhofft. UBS hatte sich bereits am Donnerstag in einer offiziellen Mitteilung für „ein Missverständnis“ entschuldigt, „das durch diese harmlos gemeinten Kommentare von Paul Donovan verursacht wurde“.

Noch offen ist, wie es für Donovan persönlich weitergeht. Eine weitere Reaktion der Bank folgte am Freitagnachmittag. „Wir haben Paul Donovan gebeten, eine Auszeit zu nehmen, während wir diese Angelegenheit prüfen“, sagte ein Sprecher des Instituts am Freitag. „Wir evaluieren ob weitere Schritte erforderlich sind.“

UBS soll Investmentbanking-Geschäft in China mitaufbauen

Die UBS teilte zudem mit, weiterhin Geschäfte in China machen zu wollen. Erst vergangenen November erhielt die Bank als erstes ausländisches Geldinstitut die Genehmigung, an einer Mehrheitsbeteiligung an einem Wertpapier-Joint-Venture mit einem lokalen Partner. Als Gegenleistung sollte die UBS dabei helfen, das Investmentbanking-Geschäft in China aufzubauen.

Die Inflationsrate in China war im Mai so stark gewachsen wie seit 15 Monaten nicht mehr. Das lag vor allem an den stark gestiegenen Lebensmittelpreisen, die sich um 7,7 Prozent verteuerten. Bei den Lebensmitteln wiederum stiegen die Preise für Schweinefleisch um 18,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die hohen Preise für Schweinefleisch sind auf die weltweit grassierende afrikanische Schweinefieber zurückzuführen. Mit den meisten Schweinen weltweit ist China am schwersten betroffen von der Krankheit, die für Menschen zwar ungefährlich ist, aber die Schweine tötet. Nach offiziellen Angaben mussten deswegen schon mehr als eine Million Schweine geschlachtet werden.

Inoffiziellen Schätzungen zufolge sind die Zahlen aber deutlich höher. Demzufolge dürften rund 20 Prozent der Schweinepopulation in China verendet sein – rund 100 Millionen Tiere. Beides lässt sich jedoch nicht verifizieren, weil der Ausbruch der Seuche und viele Informationen von den chinesischen Behörden unter Verschluss gehalten werden.

Ärger mit der chinesischen Öffentlichkeit ist für europäische Konzerne kein neues Phänomen: So musste das italienische Modelabel Dolce & Gabbana im vergangenen November eine Show in Shanghai absagen, nachdem ein Werbespot und die nachfolgenden rassistischen Äußerungen des Mitbegründers Stefano Gabbana einen Sturm der Entrüstung in China ausgelöst hatten.

Im Februar des vergangenen Jahres entschuldigte sich der deutsche Autohersteller Daimler öffentlich, nachdem sich chinesische Internetbenutzer über die Verwendung eines Dalai Lama Zitats auf einem Instagram-Werbepost beschwert hatten.

Mit Material von Reuters.

Mehr: Angesichts des Handelsstreits reduzieren chinesische Händler ihre Schweinefleischbestellungen aus den USA. Für die Branche ist das ein deutlicher Rückschlag.

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  • Traurig ist auch, dass man erst über diese Wirtschaftsnachricht über das Verenden von so unglaublich vielen Tieren hört

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