Schweizer Großbank US-Regierung verklagt UBS wegen Altlasten aus der Finanzkrise

Die US-Behörden sehen es als erwiesen an, dass auch die UBS bei faulen Hypothekengeschäften mitmischte. Doch die Bank will sich juristisch wehren.
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Die Schweizer Bank geht davon aus, dass das US-Justizministerium Strafzahlung fordern wird. Quelle: AFP
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Die Schweizer Bank geht davon aus, dass das US-Justizministerium Strafzahlung fordern wird.

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New YorkDie Vorfälle liegen mehr als zehn Jahre zurück, doch sie könnten die Schweizer Großbank UBS nun teuer zu stehen kommen: Das US-Justizministerium hat im Streit über Wertpapier-Geschäfte am amerikanischen Immobilienmarkt im Vorfeld der Finanzkrise Klage gegen das Geldhaus eingereicht.

Die US-Regierung wirft der größten Schweizer Bank Betrug beim Verkauf unsicherer milliardenschwerer Hypothekenverbriefungen vor, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. Die UBS habe Investoren in der Frage der Risiken getäuscht. Das Geldhaus wurde bereits zuvor über entsprechende Pläne der US-Behörden informiert, teilte die Bank in der Nacht zum Donnerstag mit.

Ein Insider sagte Reuters, dass die Regierung Klage eingereicht habe, da die UBS einen Vergleich mit einer Geldbuße von knapp zwei Milliarden Dollar abgelehnt habe. Die Bank wollte sich dazu nicht weiter äußern.

Die UBS hatte vor der Krise auf dem Markt für gebündelter Hypothekenpapiere (RMBS) mitgemischt. Mit den Papieren hatten die Institute ausfallgefährdete Hypotheken zu Paketen gebündelt und verkauft. Als der RMBS-Markt zusammenbrach, wurden die Papiere auf einen Schlag wertlos. Die amerikanischen Behörden warfen zahlreichen Instituten Tricksereien vor und verhängten teils milliardenschwere Strafen.

Nun zieht das US-Justizministerium auch die UBS vor Gericht. Doch die Schweizer geben sich erstaunlich siegessicher: „Die Forderungen haben keine faktische oder gesetzliche Grundlage“, heißt es aus Zürich. Man werde die Klage im Interesse der Aktionäre „energisch bekämpfen“. So sei die Bank kein bedeutender Urheber von Hypotheken, zudem habe sie beim Zusammenbruch des RMBS-Markts selbst milliardenschwere Verluste erlitten. Von absichtlichem Betrug könne deshalb keine Rede sein. Eine Stellungnahme des Ministeriums lag zunächst nicht vor.

Das US-Justizministerium hat in diesem Zusammenhang bereits zahlreiche Vergleiche mit anderen Großbanken geschlossen und auch milliardenschwere Strafzahlungen verhängt. Dazu zählen etwa die Deutsche Bank, der UBS-Rivale Credit Suisse, die US-Institute Citigroup, JPMorgan, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bank of America sowie die britischen Geldhäuser Barclays, Royal Bank of Scotland und HSBC.

Allerdings hat die UBS am Immobilienmarkt wohl ein kleineres Rad gedreht als viele Mitbewerber: Den Analysten der Bank Vontobel zufolge lag das Volumen der aufgelegten Papiere in den USA zwischen 2006 und 2008 bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar - und damit deutlich niedriger als bei der Konkurrenz. Insgesamt lag das Volumen des RMBS-Markts vor der Finanzkrise bei geschätzten fünf Billionen US-Dollar.

Womöglich könne die UBS demnach im Falle einer Verurteilung mit einer niedrigeren Strafe davonkommen als etwa der Erzrivale Credit Suisse. Als mögliche Vorlage gilt die britische Barclays: Das Institut hatte zunächst ein Vergleichsangebot des Justizministeriums abgelehnt. Es stand eine Strafzahlung über fünf Milliarden Dollar im Raum, bevor sich die Bank mit dem Justizministerium auf die Zahlung von zwei Milliarden US-Dollar einigte.

Die Klage in den USA ist nicht die einzige Baustelle für die Großbank: In Frankreich läuft derzeit ein öffentlichkeitswirksamer Gerichtsprozess. Es geht um Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Die UBS, ihre französische Tochter und sechs Manager werden in dem Verfahren beschuldigt, zwischen 2004 und 2012 Tausenden Steuerflüchtlingen aus Frankreich geholfen zu haben, Geld in der Schweiz zu verstecken. Der französische Staat fordert dabei als Zivilpartei Schadenersatz von 1,6 Milliarden Euro - eine Summe, die nach Ansicht der UBS ungerechtfertigt ist.

Bankchef Sergio Ermotti hatte die Vorwürfe kürzlich in einem Interview zurückgewiesen: „Um etwas falsch gemacht zu haben, müsste die UBS die Leute aktiv und wissentlich dazu angehalten haben, Steuern zu hinterziehen. Das war nicht der Fall.“ Im schlimmsten Fall droht den Schweizern in Frankreich eine Buße von bis zu fünf Milliarden Euro und den Bankern eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Die Analysten von Kepler Cheuvreux schätzen, dass die Strafen für beide Fälle gemeinsam bei 5,33 Milliarden Franken liegen könnten, während UBS dafür Vorsorgen von 1,8 Milliarden Franken gebildet habe. Die UBS weist zu Einzelfällen keine Rückstellungen aus.

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