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Serie: Die Zukunft der Finanzbranche Wie Künstliche Intelligenz das Banking effizienter gestalten kann

Längst nicht überall, wo in der Finanzbranche mit KI geworben wird, kommt sie tatsächlich schon zum Einsatz. Doch das Potenzial der Technologie ist groß.
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Bei Kundenkontakt, Kreditvergabe und möglichen Betrugsfällen könnte Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche helfen. Quelle: ddp/lev dolgachov
KI in der Finanzwelt

Bei Kundenkontakt, Kreditvergabe und möglichen Betrugsfällen könnte Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche helfen.

(Foto: ddp/lev dolgachov)

Frankfurt Das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Finanzbranche zeigt sich in Großbritannien bald ganz plastisch: Ab 2021 wird das Porträt von Alan Turing die neuen 50-Pfund-Noten zieren. Der Wissenschaftler ist für seine frühe Forschung zur Computertechnologie bekannt.

1950 entwickelte er einen Test, der zeigen sollte, ob die Intelligenz einer Maschine dem Menschen ebenbürtig ist. Seitdem hat sich die Technologie rasant entwickelt, und längst ist Künstliche Intelligenz (KI) im Alltag angekommen, zum Beispiel mit Sprachassistenten wie Alexa und Siri. Auch in der Finanzbranche wächst weltweit die Bedeutung intelligenter Systeme.

Künstliche Intelligenz ist schon heute allgegenwärtig – zumindest wenn man den Aussagen von Technologieanbietern glaubt. Wann immer es um die Analyse von Daten oder automatisierte Prozesse geht, werben sie mit dem Einsatz von KI.

„Häufig ist das nur Marketing, und dahinter stecken Systeme mit einer überschaubaren Menge von vorgegebenen Regeln“, sagt Andreas Dengel, der am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) den Bereich Smarte Daten und Wissensdienste leitet. Mit KI habe das nur bedingt zu tun.

Aber auch echte KI-Systeme wie „tiefe neuronale Netze“ sind schon im Einsatz. Diese lernen laut Dengel, Daten aus bekannten Fällen selbstständig einzuordnen, Zusammenhänge zu erkennen oder Vorhersagen zu machen. Sie verbessern sich ständig mit ihrer Anwendung und können so auch bisher unbekannte Muster entdecken, die für die Problemlösung relevant sind.

Für Banken spielen solche Systeme heute vor allem im Backoffice eine große Rolle – quasi hinter den Kulissen, wo die Institute Zahlungsströme überwachen und die Identitäten neuer Kunden prüfen. „Die Systeme helfen dabei, frühzeitig Betrug im Zahlungsverkehr aufzudecken und Geldwäsche zu verhindern“, sagt Jochen Werne, KI-Experte beim Bankhaus August Lenz.

Komplexe Praxis

Auch bei der Kreditvergabe können sie helfen. Dafür werden neuronale Netze mit Informationen zu Tausenden früheren Kreditentscheidungen und dem Rückzahlungsverhalten der Kunden gefüttert. Die erkannten Muster gleichen die Systeme dann mit den Daten des neuen Kreditantrags ab und treffen Aussagen zur Kreditwürdigkeit des Kunden.

Noch gibt es aber eine Hürde. Denn was einfach klingt, ist in der Praxis hochkomplex und hat zur Folge, dass die Entscheidungen der Maschine für den Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind: Die Bank könnte den Kunden oder auch der Finanzaufsicht nicht erklären, wieso ein Kredit bewilligt oder verweigert wurde.

Künstliche Intelligenz – wie gefährlich ist sie wirklich?

Ihre Entscheidung allein auf ein solches System zu stützen ist Banken daher nicht erlaubt. „Ich war’s nicht, die Maschine war’s“, werde die Finanzaufsicht nicht akzeptieren, betonte auch Bafin-Präsident Felix Hufeld vor einigen Monaten.

Doch die Technologie entwickelt sich schnell weiter. „Erste Systeme sind inzwischen in der Lage, selbst zu erklären, wie eine Entscheidung zustande kommt“, sagt KI-Experte Dengel. „Dadurch gewinnt der Anwendungsfall für Banken enorm an Bedeutung.“ Ähnlich sieht es Banker Werne: „Wenn die Ergebnisse transparent werden, erspart das den Banken zusätzliche Arbeit – auch, wenn am Ende immer noch ein Mensch die finale Entscheidung treffen muss.“

Großes Potenzial für den Einsatz von KI sehen Bankexperten auch bei der Kommunikation mit ihren Kunden. Sie setzen dabei auf Sprachassistenten und Chatbots, textbasierte Dialogsysteme, welche das Chatten mit einem technischen System erlauben.

International werde viel mit der Technologie experimentiert, sagt Dirk Elsner, der bei der genossenschaftlichen DZ Bank die Innovationen der Branche beobachtet. Es gebe erste Versuche, bei denen Sprachassistenten säumige Kreditnehmer anrufen und nach dem Grund für den Zahlungsverzug fragen. Je nach Ergebnis würden sie die Kunden dann mit einem menschlichen Berater verbinden. „Wie gut das bei den Kunden ankommt, können nur Praxistests zeigen“, so Elsner.

Einige deutsche Geldhäuser setzen auch bereits auf Sprachassistenten wie Alexa von Amazon und den Google Assistant. So können Kunden von bislang 22 Volks- und Raiffeisenbanken Alexa nach Informationen zu ihren Filialen, Finanzprodukten und Aktienkursen fragen.

Ähnliches bieten Comdirect und Consorsbank an. Die Sparkassen setzen auf den Google Assistant: Bei derzeit 73 Sparkassen können Kunden per Sprache auf ihr Konto zugreifen und den Kontostand und Umsätze abfragen.

Doch KI soll den Banken nicht nur beim Sparen helfen. Nils Beier von der Unternehmensberatung Accenture rechnet auch mit zusätzlichen Erträgen für die Geldhäuser. „Diese können entstehen, wenn Banken ihre Kunden besser kennen lernen und ihnen dank Datenanalyse passgenaue Produkte anbieten“, so Beier.

Entscheidend beim Einsatz von KI-Systemen sei vor allem eine breite Datenbasis. „Bisher halten viele Banken die Kundendaten oft noch in Silos, so dass an der einen Stelle Informationen zu ihrem Kreditvertrag liegen und an der anderen Informationen zu ihrer Altersvorsorge. Ohne dass dies sinnvoll zusammengeführt wird, ist das für KI kaum nutzbar“, sagt er.

Technik erkennt Betrugsfall

Weitere Voraussetzung für eine solche Analyse ist die Zustimmung der Verbraucher. „Viele Banken trauen sich nicht, ihre Kunden darum zu bitten und ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen entsprechend zu ändern“, beobachtet Werne.

Dabei komme es nur darauf an, transparent zu kommunizieren und den Kunden die Vorteile zu verdeutlichen. „Wenn der Nutzen groß genug ist, geben Verbraucher oft bereitwillig ihre Daten preis, das sehen wir etwa bei amerikanischen Tech-Konzernen wie Google und Facebook“, so Werne.

Auch Versicherer haben Künstliche Intelligenz längst für sich entdeckt. Erste Anbieter – allen voran Start-ups wie die US-Firma Lemonade – nutzen die Technologie bei der Schadenregulierung. Das Kalkül: Hinter den wenigsten Schadenmeldungen steckt ein Versicherungsbetrüger.

Die Versicherer haben ihre Systeme daher so trainiert, dass sie unverdächtige Meldungen identifizieren und die Schäden automatisch regulieren. Gibt es doch Anzeichen für einen Betrug, wird der Fall an einen menschlichen Sachbearbeiter weitergeleitet.

Ganz ohne menschliches Zutun wird es also auch künftig nicht gehen, wenngleich Wissenschaftler neue Erfolge feiern. „In den vergangenen Jahren hat die KI-Forschung große Fortschritte gemacht, doch es gibt noch viel Potenzial, sowohl bei der Technologie als auch bei den Anwendungsfällen“, sagt KI-Experte Dengel. Ähnlich äußerte sich einst Alan Turing, der sagte: „Dies ist nur ein Vorgeschmack dessen, was kommen wird, und nur der Schatten dessen, was sein wird.“ Nachzulesen ist das bald auch auf den 50-Pfund-Noten.

Mehr: Die Digitalisierung ordnet auch den Finanzsektor neu. Doch wer heute zu den Gewinnern zählt, könnte so auch schnell zu den Verlierern gehören.

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