Christian Sewing

Sein gutes Netzwerk zahlt sich aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sewing folgt auf Cryan So reagieren Analysten auf den Chefwechsel bei der Deutschen Bank

Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat mit einem kräftigen Plus auf den Chefwechsel reagiert. Analysten sind aber noch nicht überzeugt.
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„Die neue Führung wird Zielverfehlungen nicht mehr akzeptieren“

FrankfurtDie Börse honoriert den Chefwechsel bei der Deutschen Bank: Der Aktienkurs reagierte am Montag zwischenzeitlich mit einem Plus von 4,7 Prozent. Der Aufsichtsrat des Frankfurter Instituts hatte am späten Sonntagabend Christian Sewing zum Nachfolger von John Cryan bestimmt.

Anleger reagierten erleichtert auf die Entscheidung, den bisherigen Co-Leiter des Privatkundengeschäfts an die Spitze der Bank zu befördern und so die Ära Cryan vorzeitig zu beenden – ebenso wie die Führungskrise der vergangenen zwei Wochen.

Analysten dagegen sind von der Lösung noch nicht vollends überzeugt. „Der neue CEO signalisiert zwar Kontinuität“, heißt es in einer Studie von Morgan Stanley. Denn Sewing kenne die Deutsche Bank sehr gut, seit er dort Ende der 80er-Jahre seine Berufskarriere begonnen hat.

Doch gleichzeitig werfe die Entscheidung Fragen über die künftige Ausrichtung der Bank auf – vor allem mit Blick auf das Investmentbanking des Instituts. Sewing sei schließlich vor allem mit dem Privatkundengeschäft vertraut. Für die Analysten von Credit Suisse ist klar: Sewings Hintergrund als Privatkunden-Experte und der steigende Druck von Aktionären werde zu neuen Einschnitten führen. Die Bank müsse eine schwierige Balance halten und sich einerseits aus wenig rentablen Geschäftsbereichen zurückziehen, andererseits den Aktionärswert nicht zu sehr unter die Räder kommen lassen.

Daniel Regli von Mainfirst erwartet ebenfalls, dass Sewing die bisherige Strategie der Bank überprüfen wird. Das könnte dazu führen, dass das Investmentbanking verkleinert und das Institut sich stärker auf Privat- und Firmenkunden konzentriere werde.


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Die Citigroup-Analysten um Andrew Coombs sind dagegen etwas skeptischer: Die Erwartung, dass die Bank unter Sewings Führung das Investmentbanking herunterfahre, dürfte möglicherweise zu weit gehen – schließlich sei Aufsichtsratschef Paul Achleitner wohl ein Gegner eines solches Vorgehens.

Ohnehin gebe es keine schnellen Lösungen für die Probleme der Bank. Stattdessen bestehe eher die Gefahr, dass das Institut im Lauf des Jahres seine Ergebnisprognose nach unten korrigiert. Die Citigroup-Analysten halten auch eine weitere Kapitalerhöhung nicht für ausgeschlossen.

Goldman-Sachs-Analysten sehen allein in Einschnitten im Investmentbanking ebenfalls keinen überzeugenden Weg, um die Deutsche Bank wieder profitabler zu machen – zumal das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft allein keine hohen Renditen einbringen würde. Der neue CEO habe bereits angedeutet, dass er die Kosten senken, die Umsätze erhöhen und das Investmentbanking auf die richtige Größe bringen wolle. „Das werden die Märkte willkommen heißen“, so die Branchenexperten von Goldman Sachs.

Hans-Christoph Hirt vom britischen Investor und Aktionärsberater Hermes lenkt den Blick dagegen auf Aufsichtsratschef Achleitner: Dieser müsse bei der Hauptversammlung im Mai eine Reihe von Fragen beantworten – etwa warum ein Chefwechsel jetzt notwendig gewesen sei. Schließlich wäre Cryans Vertrag eigentlich erst im Jahr 2020 ausgelaufen und Achleitner sei an der derzeitigen Strategie, an der Cryan gearbeitet habe, eng beteiligt gewesen.

Das sind die neuen Lenker der Deutschen Bank
Christian Sewing
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Christian Sewing, bisher Leiter des Privatkundengeschäfts, beerbt den Briten John Cryan an der Spitze des Instituts. Der aus Bielefeld stammende Sewing kündigte direkt nach seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender an, „harte Entscheidungen“ im nach wie vor kriselnden Geldhaus treffen zu wollen. Mit Blick auf die Erträge müsse die Deutsche Bank ihre „Jägermentalität“ zurückgewinnen. Kein anderer Vorstand kennt die Bank so gut wie der 47-Jährige: Von seinen 29 Jahren Berufserfahrung stand er 27 Jahre lang im Dienste der Deutschen Bank.

Karl von Rohr
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Seit 2016 hat Karl von Rohr bereits eine Menge Arbeit: Der Arbeits- und Rechtsvorstand ist einer der Hauptverantwortlichen bei den Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank. Jetzt wird der studierte Jurist zusätzlich Vize von Sewing. Der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist seit 1998 bei der Deutschen Bank beschäftigt.

Garth Ritchie
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Zum neuen Stellvertreter des Vorstandschefs wird Garth Ritchie befördert. Gleichzeitig wird der Südafrikaner alleinverantwortlich für den Bereich Unternehmens- und Investmentbanking. Zuletzt hatte er diese Sparte gemeinsam mit Vize-Vorstandschef Marcus Schenck geführt. Dieser wird die Deutsche Bank jedoch verlassen. Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 1996 für die Bank. „Die Strategie im Investmentbanking bleibt die Achillesferse der Deutschen Bank“, sagt UBS-Analyst Daniele Brupbacher.

Kimberly „Kim“ Hammonds
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Kimberly „Kim“ Hammonds zog 2016 in den Vorstand ein – wird die Bank jedoch am 24. Mai wieder verlassen. Die Amerikanerin erhielt den Titel „Chief Operating Officer“ und war vor allem für die Modernisierung der technischen Infrastruktur der Bank zuständig.

Stuart Lewis
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Stuart Lewis ist nach wie vor Risikovorstand. Zu seinen Aufgaben als „Chief Risk Officer“ zählt es, dass die Bank im Wertpapierhandel und Kreditgeschäft keine zu großen Wagnisse eingeht.

Sylvie Matherat
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Sylvie Matherat rückte ebenfalls 2016 in den Vorstand ein. Die Französin (Bild aus dem Jahr 2008) war einst Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank und trägt den Titel „Chief Regulatory Officer“. Damit ist sie für die Kontaktpflege zu Aufsichtsbehörden zuständig. Das Ressort Matherats umfasst auch die Regeleinhaltung („Compliance“) und den Kampf gegen die Finanzkriminalität. Mit Matherat zog nach fast zwanzig Jahren wieder eine Frau in den Vorstand der Deutschen Bank ein. Vor ihr hatte Ellen Schneider-Lenné von 1988 bis 1996 dem Gremium angehört.

James von Moltke
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Die Finanzen behält James von Moltke im Blick. Er stimmte zuletzt vorsichtige Töne an. Die Furcht vor schwachen Zahlen in den besonders wichtigen ersten drei Monaten des Jahres hatte den Aktienkurs in den vergangenen Wochen einbrechen lassen. Die Quartalszahlen veröffentlicht das Institut am 26. April.

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