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Showdown in Wiesbaden Die fünf wichtigsten Fragen zur Hauptversammlung der Commerzbank

Aktionäre des Frankfurter Geldhauses werden wissen wollen, wie es nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank weitergeht. Es gibt mehrere Optionen.
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Commerzbank-Hauptversammlung 2019: Die fünf wichtigsten Fragen Quelle: Bilderberg
Commerzbank in Frankfurt

Der Commerzbank droht womöglich eine hohe Strafzahlung.

(Foto: Bilderberg)

FrankfurtDie Hauptversammlung der Commerzbank findet in diesem Jahr erstmals in Wiesbaden statt. Die zweitgrößte deutsche Privatbank spart auf diese Weise Geld. Und da die Besucherzahlen bei den Aktionärstreffen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, kann das Institut guten Gewissens auf kleinere Räumlichkeiten setzen. Vor einem Jahr war das riesige Portalhaus der Messe Frankfurt mit rund 1.100 anwesenden Aktionären nur spärlich besetzt. Weniger spannend als im vergangenen Jahr wird das Aktionärstreffen 2019 jedoch nicht werden – im Gegenteil. Nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank wird über die Zukunft der Commerzbank so intensiv diskutiert wie lange nicht.

Fünf Fragen werden bei der Hauptversammlung im Mittelpunkt stehen.

Warum ist die Fusion mit der Deutschen Bank geplatzt?

Nach sechswöchigen Verhandlungen hatten die Deutsche Bank und die Commerzbank ihre Fusionsgespräche Ende April beendet. Ein Zusammenschluss hätte „keinen ausreichenden Mehrwert“ geboten, erklärten beide Banken – und verwiesen unter anderem auf Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen. Eine detaillierte Begründung mit konkreten Zahlen haben beide Institute bisher jedoch nicht vorgelegt. Und die wäre interessant, schließlich könnte man daraus möglicherweise Rückschlüsse für andere denkbare Zusammenschlüsse ziehen.

Auch der Commerzbank-Aufsichtsrat sieht Gesprächsbedarf und hat deshalb bereits für Dienstag eine Sondersitzung einberufen. Dort soll der Vorstand ausführlich darlegen, warum die deutsche Großbankenhochzeit geplatzt ist und welche strategischen Pläne er nun verfolgt. Der Verlauf der Sitzung und die Ausführungen des Vorstands dürften sich sicher auch einige Aktionäre interessieren.

Die Vorgeschichte der Sondersitzung ist pikant. Der seit einem Jahr amtierende Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann war zunächst gegen ein solches Treffen im Vorfeld der Hauptversammlung. Sein Stellvertreter Uwe Tschäge erzwang die Sondersitzung dann jedoch mit seinem Antrag. Auch die Vertreter der Bundesregierung, die seit der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an dem Institut hält, sprachen sich für das Treffen aus.

Wird die Commerzbank von einem ausländischen Institut geschluckt?

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank gehen einige Experten davon aus, dass die Commerzbank früher oder später von einem ausländischen Geldhaus geschluckt wird. „Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, wann die Commerzbank übernommen wird“, sagt beispielsweise Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon. Die italienische Großbank Unicredit und die niederländische ING haben Finanzkreisen zufolge in Berlin bereits vor einiger Zeit grundsätzliches Interesse bekundet. Konkrete Verhandlungen oder Angebote gab es Insidern zufolge bisher nicht. Spannend ist jedoch die Frage, ob es inoffizielle Gespräche gab und wie die Chancen auf einen Zusammenschluss in der Zukunft stehen.

Die meisten Analysten rechnen zeitnah nicht mit einer Commerzbank-Übernahme, halten ING jedoch grundsätzlich für den wahrscheinlichsten Käufer. Das Institut aus Amsterdam hat sich zu einer möglichen Commerzbank-Übernahme bisher nicht geäußert. Finanzchef Tanate Phutrakul erklärte lediglich, die Bank werde sich „Transaktionen ansehen, die uns präsentiert werden“.

Unicredit dementierte vergangenen Woche Medienberichte, das Institut habe Investmentbanken damit beauftragt, einen Kauf der Commerzbank vorzubereiten. Zuvor hatte Vorstandschef Jean Pierre Mustier betont, Bankfusionen in Europa seien „sehr schwierig.“ Er rechne in absehbarer Zeit nicht mit vielen Zusammenschlüssen. Darüber hinaus gilt es als unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung einem Zusammenschluss von Commerzbank und Unicredit zustimmen würde, weil beide Institute einen großen Bestand an italienischen Staatsanleihen in den Büchern haben.

Die französische Großbank BNP, die ebenfalls seit Langem als potenzieller Käufer gehandelt wird, hätte nach eigenem Bekunden kein Interesse, sollte sie auf einen Zusammenschluss mit der Commerzbank angesprochen werden. „Ich würde nein sagen“, erklärte BNP-Aufsichtsratschef Jean Lemierre am Montag im Gespräch mit Bloomberg TV. Auch die BNP-Aktionäre wären aus Sicht von Lemierre gegen einen solchen Deal.

Wie ist das vergangene Jahr gelaufen?

Die Commerzbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut auf 865 Millionen Euro und zahlreiche neue Kunden gewonnen. Zudem zahlt das Institut für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividende von 20 Cent je Aktie. Es ist erst das zweite Mal seit der staatlichen Rettung des Instituts während der Finanzkrise, dass die Aktionäre eine Ausschüttung erhalten.

Mit einer Eigenkapitalrendite von 3,4 Prozent verdiente die Commerzbank 2018 allerdings erneut nicht ihre Eigenkapitalkosten. Zudem hat das Geldhaus in den vergangenen Monaten drei wesentliche Ziele kassiert, die es für das Jahr 2020 ausgegeben hatte: Die Ertragsprognose von mindestens 9,8 Milliarden Euro wird die Commerzbank genauso verfehlen wie die angepeilte Eigenkapitalrendite von über sechs Prozent. Auch das angestrebte Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio) wird nicht wie angekündigt unter 66 Prozent fallen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der im vergangenen Jahr um über 50 Prozent eingebrochen ist. Im Herbst flog die Commerzbank-Aktie deshalb aus dem Leitindex Dax und wurde durch den Zahlungsdienstleister Wirecard ersetzt. „Die Bilanz für die Aktionäre ist ernüchternd“, sagt Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).Insgesamt ist die Bank nicht großartig vorangekommen. Es gibt noch viel Luft nach oben.“

Wird die Commerzbank-Spitze von den Aktionären abgestraft?

Das ist nicht zu erwarten. Es gibt zwar zwei Gegenanträge, die sich gegen eine Entlastung des Commerzbank-Vorstands aussprechen. Große Investoren stehen jedoch hinter dem Management um Vorstandschef Zielke. Im Gegensatz zum Vorgehen bei der Deutschen Bank haben die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfohlen, Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank zu entlasten. Da zahlreiche angelsächsische Investoren ihrem Rat folgen, darf die Commerzbank-Spitze auf ein gutes Abstimmungsergebnis hoffen.

Wie geht es mit der Commerzbank weiter?

Vorstandschef Martin Zielke hat im Herbst 2016 verkündet, dass die Bank digitaler werden und im Privat- und Firmenkundengeschäft wachsen will. Durch den laufenden Umbau werde die Commerzbank effizienter werden, sagte Zielke kürzlich. „Und natürlich werden wir weiter konzentriert daran arbeiten, unsere Ertragskraft zu steigern.“

Das Commerzbank-Management hat gerade den Prozess zur Erarbeitung einer neuen Strategie über das Jahr 2020 hinaus gestartet. Die Ergebnisse sollen im Herbst präsentiert werden. Doch Zielke hat bereits vorab deutlich gemacht, dass er keinen Anlass für grundlegende Änderungen sieht.

Das Management prüfe nur, „ob wir an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachschärfen“, sagte er dem Handelsblatt. Möglicherweise prüft die Commerzbank neben internationalen Zusammenschlüssen auch eine deutsche Option. In Berlin und Frankfurt macht seit einiger Zeit das Gerücht die Runde, die Commerzbank könnte auch mit der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zusammengehen. Viele Bankmanager halten ein solches Szenario zwar für unwahrscheinlich. Völlig ausschließen will es jedoch kaum jemand, schließlich hat Zielke im vergangenen Jahr auch eine Übernahme der NordLB geprüft.

Mehr zum Thema: Heute muss der Vorstand dem Aufsichtsrat Rede und Antwort über die neue Strategie stehen. Das Geldhaus sollte nicht weiter von Fusionen träumen.

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