"Signifikante Beträge" Commerzbank will Staatshilfe zurückzahlen

Die Zahlen besser als erwartet. Der Aktienkurs steigt. Die Commerzbank fühlt sich stark genug, dem Staat einen nennenswerten Teil seiner Hilfe schon in diesem Jahr zurückzahlen zu können. Doch es bleiben Zweifel.
Update: 23.02.2011 - 11:09 Uhr Kommentieren
Die Commerzbank will den Staat loswerden. Quelle: dapd

Die Commerzbank will den Staat loswerden.

(Foto: dapd)

FrankfurtDie am Staatstropf hängende Commerzbank will noch 2011 einen Teil der Steuermilliarden zurückzahlen. Der Dax- Konzern stellte am Mittwoch zudem in Aussicht, für das laufende Jahr erstmals Zinsen auf die vom Staat geliehenen Gelder zahlen zu wollen.

Das könnte Kritiker besänftigen, doch es bleiben Unwägbarkeiten - wie die Bank selbst einräumte. Vieles hänge davon ab, wie es mit Schuldenkrise in Europa weitergehe und welche Spätfolgen die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise noch haben könnte. Das Privatkundengeschäft bleibt ein Baustelle, obwohl das Management um Martin Blessing die Integration der 2008 gekauften Dresdner Bank auf der Zielgeraden sieht.

"Wir wollen die Stillen Einlagen des Soffin bereits 2011 um einen signifikanten Betrag zurückführen", kündigte Commerzbank-Chef Blessing an. Der Staat stützt den Konzern über den Bankenrettungsfonds Soffin derzeit noch mit Stillen Einlagen in Höhe von 16,2 Milliarden Euro. Zudem ist der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank. Mit den Steuergeldern sicherte der Staat die - politisch gewollte - Dresdner-Übernahme ab.

Commerzbank in Zahlen 20102009
Bilanzsumme (in Mrd. Euro)754844
Operatives Ergebnis (in Mio. Euro)1386-2270
Konzernergebnis (in Mio. Euro)1430-4537
Ergebnis je Aktie (in Euro)1,21-4,40
Operative Eigenkapitalrendite4,5-8,0
Kernkapitalquote (in Prozent)11,910,5
Anzahl Mitarbeiter59.10162.671

Das Jahr 2010 schloss die Commerzbank mit 1,4 Milliarden Euro Überschuss ab. Damit schaffte der Konzern zumindest gemessen am internationalen Bilanzstandard IFRS die Trendwende: Ein Jahr zuvor standen 4,5 Milliarden Euro Verlust in den Büchern. Zinsen auf die geliehenen Steuergelder zahlt die Commerzbank dennoch nicht: Der für die Zinszahlung maßgebliche Einzelabschluss der Commerzbank AG nach Handelsgesetzbuch (HGB) fiel tiefrot aus.

Keine Zinsen für den Staat

Eine Abschreibung von 1,9 Milliarden Euro auf den Buchwert der Sorgentochter Eurohypo - die nach einer EU-Auflage bis spätestens Ende 2014 verkauft werde muss - sorgte unter dem Strich nach HGB für 1,2 Milliarden Euro Verlust.

Damit entgehen dem Staat auch für 2010 rund 1,5 Milliarden Euro Zinszahlungen. Doch Blessing versicherte: "Es ist auch unser Anspruch, die Stillen Einlagen des Soffin für 2011 zu bedienen oder umgangssprachlich "zu verzinsen"." Die Bank werde "alles daran setzen, dass der Bund sein Engagement insgesamt positiv abschließt".

2010 steuerte die Mittelstandsbank ein Rekordergebnis von operativ 1,6 Milliarden Euro bei, während das Privatkundengeschäft mit elf Millionen Kunden operativ gerade einmal auf ein Plus von 48 Millionen Euro kam.

Die Unionsfraktion hat die Ankündigung der Commerzbank begrüßt, noch 2011 einen Teil der Steuermilliarden zurückzahlen. Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), sagte am Mittwoch in Berlin, er begrüße das ausdrücklich. „Allerdings ist es eine Selbstverständlichkeit, dass staatliche Kapitalhilfen umgehend zurückgezahlt werden, wenn gleichzeitig erfolgsabhängige Vergütungen bezahlt werden.“

Im laufenden Jahr will die Bank ihren operativen Gewinn deutlich steigern. Dazu sollen die Kosten weiter sinken, zudem sei eine rückläufige Risikovorsorge zu erwarten. 2010 betrug der operative Gewinn knapp 1,4 Milliarden Euro, nachdem die Bank 2009 noch tief in den roten Zahlen steckte. Für die Zukunft gab Blessing noch ehrgeizigere Ziele aus. "Wir werden uns nicht mit dem Erreichen der 2012er-Ziele zufriedengeben.

Im Gegenteil: Wir haben uns schon jetzt für die Zeit danach eine weitere deutliche Ergebnissteigerung vorgenommen." 2012 will die teilverstaatlichte Commerzbank operativ mehr als vier Milliarden Euro verdienen. Das wären rund 2,6 Milliarden mehr als 2010.

Derweil tut sich die Commerzbank im Geschäft mit Privatkunden weiterhin schwer. Die Sparte schloss 2010 mit einem minimalen operativen Gewinn von 48 Millionen Euro ab, wie Deutschlands zweitgrößte Bank am Mittwoch mitteilte. Im vierten Quartal rutschte das Segment sogar ins Minus: Der Verlust lag bei 13 Millionen Euro, nachdem vor Jahresfrist noch ein Gewinn in gleicher Höhe in den Büchern gestanden hatte. Zur Begründung verwies die Commerzbank auf die anhaltenden Kosten der Integration der Dresdner Bank, aber auch auf ein schwaches Provisionsgeschäft.

Insgesamt stagnierte die Zahl der Privatkunden in Deutschland bei elf Millionen. Zur Commerzbank gehört auch die Direktbank Comdirect. Ohne die Tochter hätte die Commerzbank im Privatkundengeschäft deutlich schwächer abgeschnitten, denn allein sie steuerte 2010 einen Gewinn vor Steuern von knapp 81 Millionen Euro bei.

In Mittel- und Osteuropa (CEE) schaffte die Commerzbank die Trendwende. Dort zählt sie inzwischen mehr als vier Millionen Kunden. 2010 stand in dem Segment ein operativer Gewinn von 53 Millionen Euro zu Buche, im Vorjahr war es noch ein Verlust von 393 Millionen Euro. Vor allem die polnische Tochter BRE Bank machte der Commerzbank Freude. Die ukrainische Bank Forum blieb im Gesamtjahr negativ.

Wo die Trendwende gelang

Auch in ihrem Geschäft mit Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierungen kommt die Commerzbank nicht vom Fleck. Die Konzernsparte Asset Based Finance (ABF) weitete ihren operativen Verlust im vergangenen Jahr sogar aus auf 1,3 Milliarden Euro, wie die Commerzbank am Mittwoch mitteilte. 2009 hatte noch ein Minus von 813 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Zum Geschäftsbereich ABF gehört insbesondere die Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo, von der sich die Commerzbank auf Geheiß der EU-Kommission bis 2014 trennen muss. Das Eschborner Institut schreibt tiefrote Zahlen und brockte dem Mutterkonzern 2010 im HGB-Abschluss einen Milliardenverlust ein. Derzeit ist die Eurohypo damit beschäftigt, Risiken in der Bilanz abzubauen und sich gesundzuschrumpfen. Das Staatsfinanzierungsgeschäft wird mittelfristig eingestellt, das Geschäft mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen deutlich zurückgefahren. Offenbar nimmt die Commerzbank bei der Reduzierung der Risikopositionen in ABF auch Verluste in Kauf. Die Risikovorsorge in der Konzernsparte blieb 2010 mit 1,6 Milliarden Euro stabil.

Besser läuft es für die Commerzbank dagegen in der internen Bad Bank (PRU), in der sie toxische Papiere und unerwünschte Geschäftsfelder gebündelt hat. Viele der Papiere erholten sich nach der Finanzkrise wieder und können daher mit Gewinn abgestoßen werden. Die Sparte schloss 2010 mit einem operativen Gewinn von 675 Millionen Euro ab, nach einem Verlust von 1,5 Milliarden Euro 2009. Auch im laufenden Jahr soll PRU positiv zum Konzernergebnis beitragen.

Die Commerzbank schüttet für das vergangene Jahr fast eine halbe Milliarde Euro an Erfolgsprämien an mehr als 50.000 Mitarbeiter aus. Von den 4,4 Milliarden Euro Personalkosten entfielen gut zehn Prozent auf variable Vergütungsbestandteile, sagte Vorstandschef Martin Blessing am Mittwoch in Frankfurt laut Redetext. Die Boni werden - vor allem bei den Investmentbankern - aber zu großen Teilen zeitverzögert ausgezahlt, wenn sich zeigt, dass der Erfolg auch von Dauer war. Sonst können die Ansprüche auch wieder verloren gehen. „Es kann hier auch einen Malus geben“, betonte Blessing.

Die Boni hatten bereits im Vorfeld eine politische Debatte ausgelöst, nachdem die Bank die Stille Einlage des Staates für 2010 nicht verzinst. „Wir verstehen die öffentliche Diskussion über üppige Bonuszahlungen für eine kleine Gruppe von Großverdienern. Aber darum geht es hier nicht“, sagte Blessing.

Die Belegschaft habe der Bank immerhin die vorzeitige Rückkehr in die Gewinnzone ermöglicht.

 

  • dpa
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