Skandal um Briefkastenfirmen Berenberg-Chef leidet unter Panama

Die Hamburger Berenberg Bank ist in den Sog der Panama-Affäre geraten. Am Montag soll der Chef des Traditionshauses Präsident des privaten Bankenverbandes werden. Das sorgt bei einigen Kollegen für „Zähneknirschen“.
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Der Chef der Berenberg Bank steht kurz vor der Ernennung zum Präsidenten des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Quelle: dpa
Hans-Walter Peters

Der Chef der Berenberg Bank steht kurz vor der Ernennung zum Präsidenten des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

(Foto: dpa)

FrankfurtSehr viel edler geht es nicht in der deutschen Bankenlandschaft und sehr viel erfolgreicher auch nicht. Mit dem Gründungsjahr 1590 gehört die Hamburger Berenberg Bank zu den ältesten Geldhäusern der Welt. Aber die Bank mit Hauptsitz an der Binnenalster lebt nicht nur von ihrer Tradition. 

Im vergangenen Jahr konnte  der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter Hans-Walter Peters eine Verdreifachung des Gewinns und eine Eigenkapitalrendite von sage und schreibe 67 Prozent melden. Da bleibt auch Raum für etwas extravagantere Gesten: Zu ihrem 425. Geburtstag ließ die Bank den britischen Superstar Robbie Williams aufspielen.

Diese Banken sind in die Panama-Affäre verwickelt
Der Sitz von Mossack Fonseca in Panama
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Ein internationales Recherchenetzwerk hat Daten der Kanzlei „Mossack Fonseca“ aus Panama ausgewertet, die sogenannten Offshore-Firmen in Steueroasen registriert. Im Auftrag von Banken hat die Kanzlei für viele Kunden solche Konstrukte angelegt, die oftmals der Steueroptimierung dienen.
Laut Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung seien auch deutsche Banken in die Geschäfte verwickelt. Er sagte am Sonntagabend: „Wenn Sie mich fragen würden, welche der deutschen Banken eigentlich nicht dabei gewesen ist, Kunden zu helfen, zu „Mossack Fonseca“ zu gehen, müsste ich lange nachdenken, ob mir überhaupt eine einfällt.
Die Commerzbank hatte beispielsweise im vergangenen Jahr bereits 17 Millionen Euro Bußgeld wegen umstrittener Geschäfte in Panama und Luxemburg gezahlt.

Platz 10: Rothschild Trust
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Die Funktionsweise von Mossack Fonsecas Geschäft: Für nur wenige Tausend Dollar bekommt der Kunde eine anonyme Firma. Die Kanzlei stattet die Firma mit Scheindirektoren aus und verschleiert damit den wahren Eigentümer. Dieses Geschäftsmodell ist moralisch zweifelhaft, sie sind aber nicht per se illegal. Der ausgewertete Datensatz zeigt, welche Institute über die Kanzlei in Panama die meisten Schattenfirmen registrierten. Auf Platz 10 landet die Investmentbank Rothschild, eine Tochtergesellschaft des Unternehmens registrierte für seine Kunden 378 Offshore-Unternehmen.

Quelle: ICIJ

Platz 9: Landsbanki Luxembourg
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Die Landsbanki Luxembourg ließe den Daten zufolge 404 Schattenfirmen registrieren.

Platz 8: Société Générale
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Die Luxemburg-Tochter der französischen Großbank Société Générale hat 465 Offshore-Unternehmen für seine Kunden registriert.

Platz 7: Coutts
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Die britische Privatbank kommt auf eine Zahl von 487 Schattenfirmen, die für ihre Kunden registriert wurden.

Platz 6: UBS
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Die Schweizer Großbank UBS ließ im Auftrag seiner Kunden 579 Schattenfirmen registrieren.

Platz 5: HSBC Schweiz
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Die Schweiz-Tochter der britischen Großbank HSBC wickelte Deals mit 733 Schattenfirmen ab. Fasst man alle HSBC-Töchter zusammen, landet die britische Bank sogar auf Rang 1 der Geschäftspartner von Mossack Fonseca – mit mehr als 2.300 registrierten Firmen.

Doch jetzt hat Berenberg ein Problem. Denn der Name des Traditionshauses taucht an prominenter Stelle in den sogenannten Panama Papers auf, die seit Tagen die Medien beherrschen. Auch das Hamburger Geldhaus hat über eine schweizerische Tochter Konten für Offshore-Gesellschaften geführt. Das ist aber nicht nur für Berenberg peinlich sondern für die gesamte Branche, denn am kommenden Montag soll Peters das Amt des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) übernehmen.

Die Folgen der Panama-Affäre für Berenberg seien „überhaupt kein Thema“ im Verband, betont BDB-Kommunikationschefin Iris Bethge. Einigen einflussreichen Mitgliedern der privaten Bankenlobby treiben die jüngsten Schlagzeilen dennoch die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn bereits der scheidende Präsident, Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, konnte sein Amt nicht unbelastet ausfüllen, weil er sich vor einem Münchner Gericht in der Kirchaffäre wegen Prozessbetrug verantworten muss. „Jetzt tritt auch der neue Verbandschef mit einer Hypothek an, das ist alles andere als ideal“, heißt es aus einem Geldhaus. Und das ist in einer Zeit, in der die Banken wegen der immer härteren Anforderungen der Regulierer besonders auf einen guten Draht zur Politik angewiesen sind.

Nach Informationen des internationalen Recherchekollektivs, das die Panama-Papiere ausgewertet hat, soll eine Schweizer Tochter der Berenberg Bank mindestens 76 Konten für Offshore-Firmen bereitgestellt haben. Zu den Klienten zählten demnach US-Millionäre, ein ehemaliger kanadischer Profiboxer, russische Geschäftsleute, aber auch mehrere Deutsche. Töchter der Berenberg Bank sollen zudem mindestens 13 Briefkastenfirmen an Kunden weitervermittelt haben.

Die Bank hält ihr Engagement für legal. Der hinter einem Konto stehende wirtschaftlich Berechtigte sei „immer bekannt, wirtschaftlich Berechtigte und Bevollmächtigte werden täglich in speziellen Compliance-Datenbanken auf negative Einträge hin überprüft, und Zahlungen unterliegen einem permanenten Monitoring“, rechtfertigt sich das Institut.

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12 Kommentare zu "Skandal um Briefkastenfirmen: Berenberg-Chef leidet unter Panama"

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  • "Es gibt so viele Menschen denen es schlechter geht."

    Deshalb kümmert sich der Papst höchstpersönlich um diese armen Menschen.

  • Immer höhere Steuern treiben immer mehr Steuerzahler wo anders hin oder in die Szialsysteme, oder Schwarzarbeit. Alles menschlich.
    Wie war das mit dem Frosch, wenn man ihn innerhalb kurzer zeit eine Temperaturarhöhung gibt verreckt er, wenn man das langsam tut schafft er es.

  • Auf alle Fälle wird es wirklich Zeit die Steuern zu erhöhen.
    Dem Deutschen geht es viel zu gut. Es gibt so viele Menschen denen es schlechter geht.

  • @ ralph S.

    Der Waffenhändler sollte nur tunlichst darauf achten, an wen er Waffen verkauft.

  • 50%? Das zieht schon lange nicht mehr alles gerechnet.
    Aber die Politik macht nur nützliches mit dem vielen Steuergeld. Um so mehr um so noch nützlicheres.
    Z.B. wird drei mal soviel für Rüstung ausgegeben wie für gesundheit.
    Oder auch an Europa muss viel gegeben werden.
    Auch die Banken brauchen viel Geld manchmal.
    Wer geld hat kann es sich auch leisten es zu sichern, Wer nicht viel hat der steuert.

  • Da zeigt sich mal wieder, wie das deutsche Volk sich von den Mainstream Medien leiten lässt. Ich gebe den Vorrednern völlig Recht. Briefkastenfirmen gab es schon immer. Jetzt wird ein riesen Thema daraus gemacht und schön von den wirklichen Themen, wie die Bewältigung der Flüchtlingskrise, die Euro Rettung, Syrien Krieg abgelenkt. Das Prinzip funktioniert immer wieder. Durch ein angeblich neues „dramatisches“ Thema werden die eigentlichen Problemthemen überlagert und sollen aus dem Fokus geraten. Vielleicht leide ich schon unter Verschwörungstheorien, aber diese Flut an Artikeln zum Panama Thema erscheinen mir völlig unverhältnismäßig und als Ablenkungsmanöver zu den wichtigen Themen, die wir hier in Deutschland zu bewältigen haben.

  • Oh wie schön ist Panama.

  • Bei einem Steuersatz von 50% gibts nur eins ... raus mit dem Geld aus D. Da habe ich volles Verständnis.

  • Entschuldigung: Ich wollte Einstein nichts Falsches in den Mund legen. Er meinte natürlich: Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit...

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