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Patrik Gisel

Der Chef der Schweizer Raiffeisen-Gruppe tritt zum Jahresende zurück.

(Foto: Reuters)

Skandalbelastete Bankengruppe Der Chef der Schweizer Raiffeisen tritt zurück – doch das Image hat bereits gelitten

Seit Monaten kommt die schweizerische Raiffeisenbank nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt tritt CEO Patrik Gisel zurück. Gelöst sind die Probleme damit nicht.
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ZürichManche Wirtschaftsskandale entwickeln sich Knall auf Fall. Doch was sich die schweizerische Raiffeisen-Gruppe in den vergangenen Monaten geleistet hat, erinnert eher an eine Massenkarambolage beim Schneckenrennen. Die drittgrößte Bankengruppe der Schweiz, die mit einer Bilanzsumme von mehr als 230 Milliarden Schweizer Franken als systemrelevant gilt, sorgte mit beunruhigender Verlässlichkeit für Negativschlagzeilen.

Erst riefen dubiose Deals des ehemaligen Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Dann attestierte die Finanzaufsicht der Bank gravierende Defizite. Zahlreiche Verwaltungsräte schmissen ihre Jobs. Doch der Mann an der Spitze, Patrik Gisel, klebte an seinem Chefposten – bis jetzt.

Am Mittwoch kündigte Gisel seinen Rücktritt an. Er habe entschieden, seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung zum Jahresende abzugeben und aus der Bank auszuscheiden. „Mit diesem Schritt will er die öffentliche Debatte um seine Person beenden und die Reputation der Bank schützen“, heißt es in einem Statement der Bank.

Doch die Reputation der Raiffeisen hat längst empfindlich gelitten. Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ermittelt gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wegen möglicher Untreue. Der Vorwurf: Der Manager soll bei den Übernahmen ein doppeltes Spiel gespielt haben. Vincenz soll sich verdeckt an Firmen beteiligt haben, bei denen Raiffeisen später zu höheren Preisen einstieg. Vincenz streitet die Vorwürfe ab und hat angekündigt, sich mit allen Mitteln dagegen zu wehren. Der Manager war im Juni aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Die Vorgänge um ihren Ex-Chef brachten der Bank eine scharfe Rüge der schweizerischen Finanzaufsicht Finma ein. Sie attestierte Raiffeisen eine „schwere Verletzung der aufsichtsrechtlichen Bestimmungen“. So habe die Bank Interessenkonflikte ungenügend gehandhabt. Der Verwaltungsrat soll die Aufsicht über Vincenz vernachlässigt haben. „Damit ermöglichte der Verwaltungsrat dem ehemaligen CEO zumindest potenziell, eigene finanzielle Vorteile auf Kosten der Bank zu erzielen.“

Vincenz konnte offenbar tun und lassen, was er wollte

Als es etwa um den Verkauf der Raiffeisen-Beteiligung an einer Investmentgesellschaft namens Investnet ging, soll sich Vincenz nicht der Stimme enthalten haben – dabei wollte er sich persönlich an der Firma beteiligen. Auch soll er einem befreundeten Berater über Jahre hinweg hohe Honorare bezahlt und damit sein Budget überschritten haben, ohne dass dies vom Verwaltungsrat beanstandet wurde.

Eigentlich gehört die Raiffeisen-Spitzenorganisation den 255 über die ganze Schweiz verstreuten Raiffeisenbanken, doch der Bericht der Aufseher zeichnet das Bild eines Instituts, dessen Chef schalten und walten konnte, wie er wollte.

Gisel will von nichts gewusst haben

Die Vorgänge um Vincenz gingen auch an dessen Nachfolger Gisel nicht spurlos vorbei – auch wenn der von den Unregelmäßigkeiten nichts gewusst haben will. Die Bank betont, dass die Finma Gisel nicht „aufsichtsrechtlich belastet“. Seine Integrität stehe außer Zweifel. Doch viele Beobachter hatten in Zweifel gezogen, dass Gisel noch der richtige Mann für einen Neuanfang war. Schließlich galt er als enger Vertrauter von Vincenz und hatte jahrelang als dessen Stellvertreter agiert.

Mit seinem Rücktritt gibt Gisel nun dem öffentlichen Druck nach. Die Bank spricht zwar von einem geordneten Übergang. Doch die Nachfolgesuche hat es in sich. Denn nicht nur für den CEO-Posten braucht es einen Nachfolger. Auch die Wiederwahl von Verwaltungsratspräsident Pascal Gantenbein auf der Delegiertenversammlung im November ist nicht ausgemacht.

Der Interimspräsident möchte erneut kandidieren, aber Kritikern gilt er als zu unerfahren. Zudem muss Raiffeisen den Großteil des Verwaltungsrats bis 2020 neu besetzen: Neun der elf Mitglieder haben angekündigt, ihr Amt aufzugeben.

Auch das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft und eine unabhängige Untersuchung der „Ära Vincenz“ laufen weiter. Sicher scheint damit nur eines: Die nächsten Schlagzeilen der Genossen dürften nicht lange auf sich warten lassen.

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