Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Smartphone-App Bezahlen mit Google Pay – so funktioniert's

Googles Bezahlsystem startet in Deutschland, wo Verbraucher bisher am liebsten bar bezahlen. Der Internet-Riese will das ändern. Was Sie über Google Pay wissen sollten.
Kommentieren
Das Bezahlsystem per Android-Smartphone kommt nun nach Deutschland. Quelle: dpa
Vorstellung von Google Pay

Das Bezahlsystem per Android-Smartphone kommt nun nach Deutschland.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bisher ist die Bargeldliebe der Deutschen groß. Drei Viertel ihrer Einkäufe begleichen sie an der Ladenkasse mit Scheinen und Münzen. Das will der Internetkonzern Google ändern. An diesem Dienstag ist er mit seinem Bezahldienst Google Pay in Deutschland gestartet. Er kooperiert dabei mit vier Banken – und weitere sollen folgen.

Was ist Google Pay?
Anfang des Jahres hat Google sein Smartphone-Bezahlsystem „Android Pay“ und die digitale Geldbörse „Google Wallet“ zu Google Pay verschmolzen. In Deutschland können Nutzer damit seit Dienstag bei etlichen großen Einzelhändlern an der Ladenkasse bezahlen und bei einigen Onlinehändlern per App oder auf den Internetseiten.

Wer kann Google Pay nutzen?
Zunächst benötigt man eine Kreditkarte einer Bank, die mit Google kooperiert. Zum Deutschland-Start sind die Commerzbank, ihre Tochter Comdirect, die Smartphone-Bank N26 und Wirecard dabei. Zweite Bedingung: ein Android-Smartphone mit Betriebssystem Android 5.0 oder höher und NFC-Schnittstelle für die kontaktlose Datenübertragung. Dritte Bedingung: Der Nutzer muss die Google-Pay-App auf dem Smartphone installieren. Beim iPhone ist das nicht möglich.

Bleiben Kunden anderer Banken außen vor?
Nein. Der Zahlungsdienstleister Wirecard bietet mit Boon bereits eine App zum Bezahlen per Smartphone an, die Kunden nun auch in Google Pay integrieren können. Das funktioniert über eine digitale Kreditkarte und unabhängig von der Bank, bei der man sein Girokonto hat. Zudem startet Google Pay bald auch mit der BW-Bank und Revolut, einer weiteren Smartphone-Bank.

Wie aktiviert man Google Pay?
Dafür muss der Nutzer die Google-Pay-App auf seinem Smartphone installieren und die unterstützte Kreditkarte hinterlegen. Zudem muss auf dem Smartphone eine Bildschirmsperre eingerichtet sein, um den Zugriff von Unberechtigten zu verhindern.

Funktioniert Google Pay auch mit Girokarten?
Nein. Das geht bisher nicht, obwohl Girokarten in Deutschland viel verbreiteter sind als Kreditkarten. Rund 108 Millionen Girokarten sind in Umlauf. Nur etwa jeder Dritte hat eine Kreditkarte, wie eine Studie der Bundesbank kürzlich ergab. Aber Google will alle Geldhäuser in Deutschland als Partner gewinnen. „Unser Ziel ist es, mit dem ganzen deutschen Bankensystem zu kooperieren und mit allen Bezahlsystemen, die unsere Kunden nutzen wollen“, sagte Google-Manager Spencer Spinnell dem Handelsblatt.

Wie läuft die Zahlung im Laden ab?
Zum Bezahlen von Beträgen bis 25 Euro muss man das Smartphone nur „wecken“, also weder den Bildschirm entsperren noch die App öffnen, und es nah an den Kassenterminal heranhalten. Dann läuft die Zahlung automatisch. Geht es um höhere Summen, muss man das Gerät auch entsperren.

In welchen Geschäften kann man mit der neuen App bezahlen?
Bezahlen können Kunden damit in Deutschland bei etlichen großen Einzelhändlern, unter anderem bei Aldi Süd, Lidl, Hornbach, Kaufland, McDonald‘s, Media Markt und Saturn. Grundsätzlich müssen Kassenterminals an der Ladenkasse das kontaktlose Bezahlen per NFC (Near Field Communication) unterstützen. Rund 475 000 Kassenterminals in Deutschland sind mit dieser Technik ausgestattet, zum Beispiel Euro-Kartensysteme, ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen. Das entspricht knapp 60 Prozent aller Kassenterminals.

Kann man so auch im Onlinehandel zahlen?
Ja, bei einigen Händlern jetzt schon. Google nannte am Dienstag Adidas, ASOS, Deliveroo, Flixbus und Ryanair. „Sie sind nur die ersten Partner“, sagte Spinnell, der Managing Director of Emerging Platforms, Commerce bei Google ist.

Kann man Google Pay auch im Ausland nutzen?
Ja, und zwar überall dort, wo kontaktloses Bezahlen möglich ist. Das gilt für die Länder, in den Google Pay bereits verfügbar ist, aber auch für etliche weitere. Schließlich konnte man auch in Deutschland schon kontaktlos mit der Giro- oder Kreditkarte zahlen, aber noch nicht mit Google Pay.

Wie sicher sind die Zahlungen?
Google Pay speichert die Kartendetails nicht auf dem Smartphone, sondern verschlüsselt auf sicheren Servern. Daher kann laut Google niemand, der das Gerät findet oder stiehlt, auf diese Informationen zugreifen.

Nutzt Google die Daten der Kunden?
Google erklärt, dass das Unternehmen die Daten nicht verkaufe. „Wir verwenden die Daten nur, um die Kundenzufriedenheit mit Google Pay zu unterstützen“, sagte Spinnell. Auch Commerzbank-Manager Torsten Daenert betont: „Google bekommt die Daten nur zur Identitätsprüfung und zur Transaktionsabwicklung. Darüber hinaus darf das Unternehmen die Daten nicht nutzen – weder zu Werbezwecken noch zum Weiterverkauf.“

Welche Alternativen gibt es zu Google Pay?
Mehrere Banken haben in ihren Banking-Apps bereits eine Funktion für mobiles Bezahlen integriert, so etwa die Deutsche Bank, Postbank, erste Volksbanken und die Fidor Bank. Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen das Bezahlen per Smartphone noch im Sommer fast allen Kunden anbieten – und das nicht nur für die Kreditkarte, sondern auch für Girokarten. Sparkassen werden ebenfalls bald folgen. Allerdings funktioniert das alles, wie bei Google Pay, immer nur auf Smartphones, die mit dem Android-Betriebssystem laufen.
Als Marktführer beim mobilen Bezahlen in Deutschland gilt bisher Payback Pay. Das Bezahlen wird dabei mit einem Bonusprogramm kombiniert. Zudem funktioniert Payback Pay sowohl auf iPhones als auch auf Android-Smartphones, da die Bezahldaten per QR-Code übertragen werden. Seit Kurzem ist zudem Garmin Pay als Anbieter aktiv. In den Garmin-Smartwatches kann ebenfalls eine Kreditkarte hinterlegt und per NFC im Laden gezahlt werden. Interessant außerdem: Manche Apple-Fans nutzen Kreditkarten von Boon und SEQR und können über bestimmte Einstellungen im Handy bereits Apple Pay in Deutschland verwenden, obwohl das Bezahlverfahren noch nicht von deutschen Banken unterstützt wird.

Wann startet Apple Pay in Deutschland?
Seit Langem wird darüber spekuliert, dass Apple Pay bald für deutsche Kunden verfügbar sein könnte. Passiert ist bisher nichts. Aber nach wie vor rechnen Beobachter damit, dass auch Apple seinen Bezahldienst nach Deutschland bringt. Allerdings behält Apple die wichtige NFC-Schnittstelle seinem eigenen Bezahlverfahren Apple Pay vor. In der Bankenbranche heißt es immer wieder, dass Apple an den Gebühren, die bei Bezahltransaktionen anfallen, mitverdienen wolle – und dass es dazu noch keine Einigung gibt. Apple äußert sich grundsätzlich nicht dazu, wann der Konzern wo neue Dienstleistungen startet. Für die Verbreitung des mobilen Bezahlens sind Android-Geräte aber sowieso wichtiger. In den letzten Jahren lag der Marktanteil der iPhones nur bei etwa 20 Prozent.

Wie schnell wird sich das Bezahlen per Smartphone in Deutschland verbreiten?
Vermutlich nicht allzu schnell. Selbst in den USA ist es noch längst nicht üblich, das Smartphone an der Ladenkasse zu zücken. Aber Google Pay verschafft der Bezahlmethode Aufmerksamkeit. „Das mobile Bezahlen wird sich erst durchsetzen, wenn eine Lösung Kunden mehr bietet als nur einen alternativen Bezahlweg. Bezahlen ist immer nur Mittel zum Zweck“, sagt der Berater Maik Klotz. „Für die Verbreitung des mobilen Bezahlens ist es sehr wichtig, dass auch die Girokarte in der App hinterlegt werden kann“, sagt Klotz weiter.

Startseite

Mehr zu: Smartphone-App - Bezahlen mit Google Pay – so funktioniert's

0 Kommentare zu "Smartphone-App: Bezahlen mit Google Pay – so funktioniert's"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote