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Smartphone-Banken Service-Firmen der Volksbanken warnen vor mehr Betrug beim Online-Banking

Die Dienstleister der Genossenschaftsbanken sehen große Probleme bei Zahlungsvorgängen mit Online-Banken. Die betroffenen Institute wehren sich.
Update: 24.06.2019 - 15:54 Uhr Kommentieren
Online-Banking: Service-Firmen der Volksbanken warnen vor Betrug Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Smartphonebank N26

Zwei Rundschreiben aus dem Sektor der Genossenschaftsbanken vor steigenden Schäden im Onlinebanking - auch die Berliner Smartphonebank N26 wird erwähnt.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

FrankfurtBislang waren es Einzelfälle. Die ein oder andere Volksbank und Sparkasse hatte sich in den vergangenen Wochen über Smartphonebanken wie N26 oder Fidor beschwert. Der Vorwurf: Die Konkurrenten würden nicht genug tun, um Betrügereien zu verhindern.

Jetzt sprechen zwei Rundschreiben aus dem Sektor der Genossenschaftsbanken dafür, dass die Probleme deutlich größer als bislang angenommen wären. In den Schreiben ist von steigenden Schäden im Onlinebanking die Rede und davon, welche Rolle falsche Konten bei den Smartphonebanken spielen.

Die genossenschaftliche R+V Versicherung, die Schadensfälle durch Onlinebanking-Betrug für Volks- und Raiffeisenbanken absichert, verschickte Anfang Juni einen Brief mit der Überschrift: „Drastische Zunahme von Schäden bei Zahlungsvorgängen im Online-Banking“. Neben der Zahl der Fälle seien auch die Schadensbeträge erheblich angestiegen und lägen aktuell deutlich über den Werten der vergangenen Jahre, heißt es in einer „Aktuellen Information“, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Wir hatten 2019 bereits knapp 300 Schäden“, sagte eine R+V-Sprecherin auf Anfrage. Insgesamt summiere sich der Aufwand auf rund fünf Millionen Euro. Das sei bereits deutlich mehr als der Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. In einem Fall sei es um 350 000 Euro gegangen.

In dem Informationspapier nimmt der Versicherer explizit Bezug auf Smartphonebanken. Die R+V schildert das Vorgehen der Betrüger, das „in einer Vielzahl der Schadensfälle“ genutzt worden sei, wie folgt: Der Täter eröffnet mit fiktivem Namen ein Konto „meist bei Direktbanken (wie zum Beispiel N26 oder Fidor Bank) und häufig im Video-Ident-Verfahren“.

Danach spähen die Täter die Zugangsdaten der Volksbank-Kunden aus und lösen betrügerische Überweisungen zugunsten ihrer gefälschten Konten aus. „Betrügern gelingt es derzeit – trotz der gezielten Warnhinweise der Banken – verstärkt an Zugangsdaten zum Onlinebanking von Bankkunden zu gelangen. Dabei missbrauchen sie insbesondere das mobileTan-Verfahren zu Lasten der Kontoinhaber“, erläutert die R+V .

Einen ähnlichen Hinweis gab vergangene Woche auch DZ Compliance Partner, eine Service-Gesellschaft, die für kleinere Volks- und Raiffeisenbanken Dienstleistungen im Bereich Geldwäsche- und Betrugsprävention anbietet. „Aktuell kommt es vermehrt zu betrügerischen Zahlungsaufträgen zu Gunsten von Konten bei Direktbanken, beziehungsweise insbesondere bei Finanz-Start-ups“, heißt es in einem Rundschreiben der Service-Tochter der DZ Bank.

„Je nach Einzelfall der Transaktion kann es sinnvoll sein, eine telefonische / persönliche Rückbestätigung von Ihrem Kunden einzuholen“, steht in dem Hinweis, der dem Handelsblatt vorliegt.

DZ Compliance Partner stellt anlassbezogene Hinweise in ein System, auf das etwa 350 bis 400 der insgesamt 875 deutschen Genossenschaftsbanken Zugriff haben. Solche Hinweise würden sich generell aus Presseberichten sowie Hinweisen der Finanzaufsicht Bafin speisen, heißt es in Finanzkreisen.

Zahlen der Bafin legen nahe, dass in diesem Jahr gehäuft Probleme bei Onlinebanken auftreten. Bis zum 18. Juni habe es im laufenden Jahr insgesamt 3497 Kundenbeschwerden gegeben. Davon hätten 839 Beschwerden – also fast jede vierte – Online- oder Direktbanken betroffen habe, sagte eine Bafin-Sprecherin. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Onlinebanken bei den Beschwerden bei knapp 19 Prozent.

Im laufenden Jahr habe die Behörde „zum einen verstärkt Beschwerden erhalten, die sich damit befassen, dass Direktbank-Konten zur Abwicklung betrügerisch veranlasster Zahlungen genutzt werden. Weiterhin war die Erreichbarkeit und die Bearbeitungsgeschwindigkeit bei der Abwicklung von Geschäftsvorgängen Gegenstand von Beschwerden.“

Mitte April hatte die Polizei Niedersachsen mitgeteilt, dass nicht allein die Berliner Smartphonebank N26 von betrügerischen Kontoeröffnungen betroffen ist: „Mittlerweile gehen hier immer mehr Anfragen und Anzeigen ein, bei denen auch die Direktbanken Fidor (Deutschland) und Bunq (Niederlande) zur Eröffnungserschleichung, aber auch als Zielkonto für Online-Betrüger genutzt werden.“

Konkret spricht das Landeskriminalamt Niedersachsen davon, dass es „vermehrt“ Problemfälle bei N26 entdeckt, habe sowie in „wenigen Fällen“ Missbrauch bei Bunq und in einem Fall bei Fidor. Nach Handelsblatt-Informationen nutzen die Betrüger im Fall der Volks- und Raiffeisenbanken vor allem Konten von N26.

Ein weiterer Vorwurf der Genossenschaftsbanken richtet sich ebenfalls vor allem gegen N26. Das Institut sei nicht schnell genug erreichbar, um Betrugsfälle zu verhindern. Das Zeitfenster für einen erfolgreichen Überweisungsrückruf sei kurz, da Täter die Geldbeträge „schnellstmöglich“ weiterleiten, heißt es in dem Schreiben der R+V. „Dies wird durch die meist nur schlechte Erreichbarkeit bei den gewählten Direktbanken zusätzlich erschwert“, schreibt die Versicherung. „Hier dauert die Kontaktaufnahme sowohl telefonisch, per Fax oder per Internet oft Tage.“

Bemerkenswert an den Warnhinweisen von R+V sowie DZ Compliance Partner ist ihr Zeitpunkt: Sie stammen aus dem Juni. Das Finanz-Start-up N26, das mittlerweile 3,5 Millionen Kunden zählt, hatte im April nach einem Bericht des Handelsblatts Probleme eingeräumt und Besserung gelobt. Bei einer größeren deutschen Privatbank hieß es allerdings, N26 sei nach wie vor dafür bekannt, dass es Probleme in der Kommunikation mit anderen Banken gebe.

Smartphonebanken wehren sich

Die so gescholtenen Onlinebanken wehren sich gegen die Vorwürfe der Konkurrenz: „Unsere Verifikationsmaßnahmen sind sicher und wir entwickeln diese Verifikationsstandards kontinuierlich weiter“, betont Max Schertel, Leiter Business Operations bei N26, dem Handelsblatt. Eine Sprecherin ergänzte, die Online-Verifikationsverfahren seien genauso sicher wie andere Legitimationsverfahren im Banking. Bei der Kontoeröffnung seien mehrere Sicherheitsstufen in den Prozess eingebunden.

Allerdings hatte die Bafin N26 vor kurzem verpflichtet, eine bestimmte Zahl ihrer Bestandskunden erneut zu überprüfen und ihre Prozesse und Arbeitsabläufe schriftlich zu fixieren, weil der Behörde die Geldwäsche-Kontrollen des Instituts nicht genügten.

Die Fidor Bank bestätigte zwar, dass sie „wie alle anderen Banken gelegentlich von betrügerischen Kontoeröffnungen betroffen“ sei. Die Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen seien aber in den vergangenen zwei Jahren laufend intensiv verbessert worden und insgesamt „sehr erfolgreich“.

In den Monaten Januar bis Mai 2019 seien „mehr als 99 Prozent“ aller Kontoeröffnungen „unbelastet“ gewesen. Der Anspruch Fidors gehe aber dahin, die Kontoeröffnungen zu 100 Prozent von missbräuchlichen Mustern frei zu halten.

Auch gegen den Vorwurf der zu langen Reaktionszeiten wehren sich die Banken. „Wir hatten Schwierigkeiten mit unserer Erreichbarkeit, aber mittlerweile sind wir unter sämtlichen Telefonnummern erreichbar, speziell die spezifischen Telefonnummern für den Zahlungsverkehr und die Nummern unserer Geldwäsche-Abteilung“, sagte N26-Manager Schertel. „Die Anliegen werden taggleich bearbeitet“, so Schertel.

Bei den N26 bekannten Beschwerden, die es mit Blick auf die Erreichbarkeit zuletzt noch gegeben habe, handle es sich um Fälle, bei denen die Banken sich im Kundensupport gemeldet hätten, bei dem die Bearbeitungszeiten etwas langsamer seien als bei den Spezialnummern für Banken.

Schertel zufolge sind ihm zwei Fälle bekannt, in denen es Probleme mit der Fax-Nummer des Interbankenbandes – also der speziellen Hotline der Banken untereinander – gegeben habe. Grund dafür seien technische Probleme gewesen, die mittlerweile behoben worden seien.

Die Fidor Bank betont ebenfalls, sie sei für andere Banken und Kunden, sowie Dritte sowohl telefonisch als auch per E-Mail sehr gut zu erreichen. Für die Kommunikation mit anderen Banken stünde neben den normalen Wegen für Kunden weitere E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Compliance-Abteilung zur Verfügung, die den anderen Banken bekannt seien. „Diese sind durchgehend besetzt“, so der Sprecher. Über diese Kanäle seien auch regelmäßig Informationen mit den anderen Volksbanken ausgetauscht worden.

Wie sensibel viele deutsche Banken auf Betrugsfälle reagieren, zeigt eine lange Liste von Beispielen. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte jüngst einen Stopp für Echtzeitzahlungen zur Smartphonebank Bunq erlassen. Diese würden in Standardüberweisungen, die in der Regel einen Arbeitstag benötigen, umgewandelt, wie eine Helaba-Sprecherin sagte. „Der Grund für die Einstellung des Echtzeitzahlungsverkehrs war ein Betrugsfall.“

Die Helaba wickelt für einen Großteil der knapp 400 deutschen Sparkassen den Zahlungsverkehr ab. Bunq erklärte, dass es zu einem größeren Phishing-Angriff auf Helaba-Dienstleistungen gekommen sei. Bunq versuche, alles in seiner Macht stehende zu tun, um Betrug zu entdecken, einzudämmen und zu verhindern.

Das sei der Grund, warum man zusammen zusätzliche Maßnahmen ergriffen habe, um sowohl Sparkassen- als auch Bunq-Kunden zu schützen. Man warte nun auf die Bestätigung der Helaba, dass alle Zahlungen wieder in Echtzeit ablaufen würden. Die Helaba wollte sich zum aktuellen Stand nicht äußern.

Zumindest bei den Genossenschaftsbanken will eine wachsende Zahl von Instituten auf Nummer sicher gehen. Mit dem Schreiben haben man die Banken für die Risiken sensibilisieren wollen, erklärte die R+V-Sprecherin. „Inzwischen sind alle im genossenschaftlichen Sektor alarmiert und versuchen gegenzusteuern“.

Das tun auch einzelne Häuser. Rainer Mellis, der Vorstandssprecher Volksbank Düsseldorf Neuss, etwa berichtet von drei betrügerischen Zahlungen in diesem Jahr, die jüngste liegt etwa zwei Monate zurück. „In allen Fällen war das Empfängerkonto bei N26. Seitdem nehmen wir bei Zahlungen auf Konten bei N26 und weiteren Smartphonebanken zusätzliche Überprüfungen vor“, erläutert Mellis.

Das bedeute, dass die Bank sich bei ihren Kunden rückversichere, bevor sie eine Transaktion ausführen. „Das erhöht natürlich den manuellen Prüfungsaufwand für uns, gibt aber die notwendige Sicherheit“, so der Banker.

"Schwarze Liste"

Auch die Volksbank Köln Bonn fragt bei Überweisungen auf N26-Konten die Kunden „seit Wochen“ sicherheitshalber noch einmal ob die Transaktion echt sei, wie ein Sprecher des Geldhauses sagte. Ebenso geht die VR-Bank Rhein-Sieg aus Siegburg schon seit Februar vor. Der „General-Anzeiger“ hatte zuvor darüber berichtet.

Ein ähnliches Vorgehen hatte die Volksbank Rottweil vor kurzem dem Handelsblatt geschildert. In Rottweil steht N26 nach Worten von Vorstandschef Henry Rauner auf einer „Schwarzen Liste“. „Das bedeutet, dass wir bei jeder Überweisung an N26-Konten die Kunden noch einmal explizit fragen, ob sie diese Überweisung auch wirklich ausgelöst haben“, so Rauner. Hintergrund für das Vorgehen ist ein Betrugsfall, bei dem N26 mehrere Tage nicht reagiert hatte.

Die Volksbank Freiburg hat ihre Sperre von Überweisungen an die Smartphonebanken N26, Fidor, Bunq, Revolut und Solarisbank inzwischen wieder aufgehoben. Auch hier waren Betrugsfälle der Grund dafür, dass die Volksbank den Zahlungsverkehr zeitweise eingestellt hatte. Es habe in den letzten vier Wochen vereinzelt Fälle gegeben, „bei denen es Betrügern gelang auf Kundengeldern zuzugreifen“, so ein Sprecher der Volksbank.

Ob das Geldhaus derzeit bei Überweisungen an Smartphonebanken ihre Kunden zur Sicherheit noch einmal kontaktiert, wollte der Sprecher nicht sagen.

Mehr: Warum N26 trotz zahlreicher Probleme mehr Kunden gewinnt.

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