Smartphone-Banken So verwalten Sie Ihre Finanzen per Handy

Nach N26 und Revolut starten bald weitere Smartphone-Banken. Welche Vorteile die Fintechs bieten und wo die Kunden aufpassen sollten.
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Das Handy wird für Finanzangelegenheiten wichtiger. Quelle: Imago/Westend61
Mobiles Banking

Das Handy wird für Finanzangelegenheiten wichtiger.

(Foto: Imago/Westend61)

FrankfurtDas Verhältnis zwischen Kunde und Hausbank schien lange unerschütterlich. Einer GfK-Studie zufolge haben zwei Drittel der Kunden ihre Hausbank noch nie gewechselt. Von echter Treue kann dennoch keine Rede sein, denn viele haben mehrere Bankverbindungen. Immer öfter testen sie auch Smartphone-Banken – ein Trend, der sich mit Heranwachsen der Smartphone-affinen Generation noch deutlich beschleunigen dürfte.

In der vergangenen Woche haben zwei Anbieter neue Erfolge vermeldet: Das Berliner Finanz-Start-up N26, das Anfang 2015 als Number26 startete, hat jetzt eine Million Kunden – die meisten davon in Deutschland. Der britische Konkurrent Revolut hat innerhalb von drei Jahren zwei Millionen Kunden gewonnen – seit vergangenem Herbst auch mehr als 100.000 deutsche.

Ihr Ziel: Sie wollen den traditionellen Geldhäusern Kunden abjagen und die Finanzbranche auf den Kopf stellen. Was Nutzer dabei beachten müssen, zeigt die neue Folge der Handelsblatt-Fintech-Serie.

Wenn sich die jungen Wilden vorstellen, geht es meist um Kundenbedürfnisse, Bedienkomfort und transparente Preise. „Mit diesem Ansatz haben sie den meisten traditionellen Banken einiges voraus“, sagt Peter Kleinschmidt, Leiter Digital Financial Services bei PwC Deutschland. Allein über ihre Produkte könnten sich Banken kaum differenzieren. Das bestätigt die GfK-Studie: Ein Drittel jener Kunden, die schon mal die Bank gewechselt haben, nannte schlechten Service als Grund. Beinahe ebenso viele führten Kostengründe an.

Wie Kundenservice und Transparenz funktionieren, mussten aber auch N26-Co-Gründer Valentin Stalf und sein Team erst lernen. Vor zwei Jahren sorgten sie mit Kontokündigungen für Aufsehen. Einige Kunden hatten zu oft Geld am Automaten abgehoben und dem Unternehmen damit hohe Kosten verursacht. Inzwischen gibt es klare Regeln: Wer das N26-Konto als Hauptkonto nutzt, kann fünfmal pro Monat kostenlos Geld abheben. Bei einem Zweitkonto sind nur drei Abhebungen drin.

Leistungen genau vergleichen

Revolut dagegen begrenzt die kostenlosen Bargeldabhebungen auf monatlich 200 Euro beim Standard- und 400 Euro beim Premium-Konto. Letzteres kostet 6,99 Euro pro Monat. N26-Kunden, die öfter im Ausland unterwegs sind, dürften die Kontovariante „Black“ mit 5,90 Euro Monatsgebühr wählen, bei der Abhebungen in Fremdwährungen kostenlos sind. Auch bei mobilen Banken müssen Kunden Leistungen also genau vergleichen.

Ein Entscheidungsgrund für N26 oder Revolut dürfte für viele Kunden die kostenlose Debit-Kreditkarte sein. Damit können Nutzer weltweit in allen Währungen gebührenfrei bezahlen. Debit bedeutet, dass die Zahlungen sofort abgebucht werden und es keinen Kreditrahmen gibt.

Die Anbieter zielen auf Kunden, die ihr Konto vor allem per Smartphone steuern. Filialen gibt es nicht. Bei Revolut können Kunden bisher sogar ausschließlich per App auf ihr Konto zugreifen. Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern, hält das für problematisch: „Falls Kunden ihr Smartphone verlieren oder es kaputt geht, haben sie keinen Zugriff auf ihr Konto“, sagt er. Laut Revolut wird jedoch an einem Zugang über die Website gearbeitet.

Als echte Bedrohung für etablierte Institute wertet Berater Kleinschmidt die Smartphone-Banken zwar nicht. „Auch die Gründung der Direktbanken hat nicht zu Bankpleiten geführt“, erklärt er. Dabei zählen die beiden größten dieser Institute hierzulande viele Kunden, die ING-Diba 8,5 Millionen, die DKB 3,8 Millionen zum Jahresende 2017.

Smartphone-Banken seien allerdings „wichtige Impulsgeber, von denen die traditionellen Geldinstitute lernen können“, sagt Kleinschmidt. So bringt der Fokus aufs Mobiltelefon nützliche Funktionen: N26-Kunden erhalten bei jeder Kontobewegung eine Benachrichtigung aufs Handy. Außerdem können sie über „MoneyBeam“ Geld an ihre Telefonbuchkontakte senden, ohne deren Kontodaten zu kennen. Per App lässt sich auch die Karte sperren. In einigen Ländern werden bereits die Bezahlmethoden Apple Pay und Google Pay unterstützt.

Neue Herausforderer

N26 hat sich von Beginn an als mobile Bank positioniert. Dafür nutzte es anfangs die Banklizenz des Dienstleisters Wirecard, besitzt seit Sommer 2016 jedoch eine eigene von der Finanzaufsicht Bafin. Die App von Revolut zielte zunächst nur auf Kunden, die über Länder- und Währungsgrenzen hinweg Geld transferieren wollen. Die Wechselkurse sollen dabei den Interbanken-Kursen entsprechen, zusätzliche Gebühren fallen nicht an. Erst später kam ein Konto mit IBAN-Kontonummer hinzu.

Aktuell hat Revolut eine Lizenz als E-Geld-Institut, weshalb das Unternehmen keine Kredite vergeben oder Zinskonten bieten darf. Kundengelder werden bei den Banken Lloyds und Barclays verwahrt. Eine Banklizenz, mit der das Geschäftsmodell erweitert werden kann, hat Revolut-Gründer Nikolay Storonsky bereits beantragt – in Litauen. „Im Falle einer Insolvenz müssten die Kunden auf den litauischen Staat vertrauen, dass die Einlagensicherung funktioniert“, sagt Verbraucherschützer Straub. „Mit der deutschen Einlagensicherung hätten da viele sicherlich ein besseres Gefühl.“

Mithilfe von Kooperationspartnern weiten die Angreifer ihre Angebote aus. N26 bietet auch Kredite, Festgeldkonten, digitale Vermögensverwaltung und ermöglicht dank des Fintechs Transferwise Überweisungen ins Ausland. Bei Revolut können Nutzer etwa Kryptowährungen handeln und automatisierte Sparregeln erstellen. Zudem wird gerade an einer Trading-Plattform für Aktien und Indexfonds (ETFs) gearbeitet, bei der für die Kunden keine Gebühren anfallen.

Auch beim Online-Geldtransferservice Transferwise – einem modernen Western Union – erhalten Kunden seit Kurzem Multi-Währungs-Konten – „Borderless-Accounts“ – und können darüber Geld ins Ausland transferieren. Zu dem Konto mit IBAN erhalten sie eine Mastercard-Debitkarte. Laut Gründer Kristo Käärmann hat Transferwise bisher aber keine Pläne von der E-Geld- zur Banklizenz zu wechseln oder das Angebot in Richtung Kredite und Sparen zu erweitern.

Für diesen Sommer planen weitere Smartphone-Banken ihren Start: Das Hamburger Start-up Tomorrow, das sich auf nachhaltige und ökologische Finanzdienstleistungen fokussiert, und Moneyou Go, eine Erweiterung der Anlageplattform Moneyou, die zur niederländischen Bank ABN AMRO gehört. Yomo, das mobile Konto der Sparkassen, wird wohl erst Anfang 2019 verfügbar sein.

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