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Smartphone-Bezahlen App-Anbieter starten Initiative für mobiles Bezahlen in Europa

Sechs Bezahldienste wollen europaweite Zahlungen per Smartphone ermöglichen. Das ausgewählte QR-Code-Format kommt vom chinesischen Anbieter Alipay.
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Der Zahlungsdienst mit Lifestyle-App hat weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer. Quelle: dpa
Alipay

Der Zahlungsdienst mit Lifestyle-App hat weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In China gehören solche Szenen längst zum Alltag: Egal ob bei großen Handelsketten oder an kleinen Marktständen, zum Bezahlen fotografieren die Kunden einfach mit ihrem Smartphone einen QR-Code.

Die Zahlung läuft dann häufig über die Apps der chinesischen Finanzdienstleister Alipay oder WeChat Pay, in denen die Bankkonten der Nutzer hinterlegt sind. In Europa gibt es ähnliche Dienste, bisher funktionieren diese aber nur in einzelnen Ländern.

Sechs europäische Mobile-Payment-Anbieter wollen das ändern und die Angebote länderübergreifend kompatibel machen. Wie die Unternehmen am Montag bekanntgaben, haben sie sich im ersten Schritt auf ein einheitliches QR-Code-Format geeinigt. Es stammt vom chinesischen Finanzdienstleister Alipay. Noch ist ihre Reichweite vergleichsweise gering, zusammen haben sie bislang mehr als fünf Millionen Nutzer. Doch die Initiatoren setzen darauf, dass sich ihnen weitere Unternehmen anschließen.

Das Bezahlen per Smartphone gewinnt auch in Europa langsam, aber stetig an Bedeutung – sogar im Bargeldland Deutschland. Laut einer Studie von Oliver Wyman hat es hier bereits jeder Vierte ausprobiert.

Viel Aufmerksamkeit erhielten zuletzt Lösungen wie Apple Pay und Google Pay, die beide seit vergangenem Jahr in Deutschland verfügbar sind. Dabei werden die Daten per Funktechnik NFC vom Smartphone an die Kasse übertragen und im Hintergrund über eine Kreditkarte abgewickelt.

Das funktioniert schnell und bequem, hat aber auch Nachteile: Apple öffnet die NFC-Schnittstelle seiner Geräte nicht für andere Bezahl-Apps, daher gibt es keine NFC-basierte Zahlungs-App, die auf allen Smartphonesystemen funktioniert.

Mobiles Bezahlen in ganz Europa einheitlich

In der neuen Initiative haben sich die Anbieter Bluecode, ePassi, Momo Pocket, Pagaqui, Pivo und Vipps zusammengeschlossen. Insgesamt sind sie in zehn europäischen Ländern aktiv (Deutschland, Österreich, Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Island, Spanien, Slowenien, Portugal).

Gemeinsam mit Alipay wollen sie zunächst den sogenannten „user scan“ vereinheitlichen, bei dem die Kunden mit ihrer Mobile-Payment-App einen QR-Code beim Händler scannen – bei einer anderen Variante scannt der Händler einen Code vom Kunden-Smartphone.

Aus Sicht von Andreas Pratz, Partner bei Strategy&, bieten QR-Codes einen deutlichen Vorteil: „Zahlungen können auch ohne Kassenterminal angenommen werden, zum Beispiel von kleinen Händlern auf Märkten oder von Snack- und Parkscheinautomaten“, sagt er.

Auch Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte des Handelsverbandes HDE, bewertet die QR-Code-Technologie positiv. Die Übertragungsqualität habe sich deutlich verbessert, und der Vergleich mit gescheiterten Lösungen wie Yapital sei heute nicht mehr zulässig.

Der europäische Zahlungsverkehr ist bis dato stark fragmentiert. Dieses Problem wurde in den vergangenen Wochen verstärkt auf politischer Ebene diskutiert. So wirbt Burkard Balz, der im Bundesbank-Vorstand für Zahlungsverkehr zuständig ist, für eine eigene europäische Lösung.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann forderte kürzlich, dass einer Fragmentierung des Zahlungsverkehrs in Europa entgegengewirkt werden müsse. Handelsvertreter Binnebößel würde ein länderübergreifendes mobiles Bezahlsystem begrüßen, „denn eine Alternative zu den dominierenden Kartensystemen würde für Wettbewerb und hoffentlich auch günstigere Konditionen sorgen“, sagt er. Wichtig sei allerdings, dass der Systembetreiber nicht den Kontakt zum Kunden beherrsche.

Keine Abhängigkeit von Alipay

Ob es sinnvoll ist, auf das Format eines mächtigen Konzerns zu setzen? Christian Pirkner, Gründer und Geschäftsführer von Bluecode, erwartet keine Abhängigkeit von Alipay. „Wir haben uns mit Bluecode von Anfang an für ein System eingesetzt, das die Europäer unabhängig von den amerikanischen Kreditkartensystemen macht. Eine Abhängigkeit von asiatischen Anbietern lehnen wir ebenfalls ab“, sagt er.

Die Transaktionen der europäischen Kunden würden weiterhin über die nationalen Systeme laufen, ohne dass Alipay mit den Daten in Berührung komme. „Zudem haben wir als technischer Dienstleister schriftlich vereinbart, dass unsere europäischen Partner das QR-Code-Format unbeschränkt und kostenlos nutzen dürfen.“

Alipay ist schon seit 2016 in Europa aktiv, um chinesischen Touristen hier das Bezahlen mit ihrer gewohnten App zu ermöglichen. Mit Ausnahme von Pivo arbeitet Alipay schon länger mit den einzelnen Zahlungsdienstleistern zusammen. Das Kalkül der Chinesen hinter der neue Initiative: Wenn nicht nur chinesische Touristen, sondern auch europäische Kunden den QR-Code nutzen können, entscheiden sich Händler eher für das Angebot.

Mehr als fünf Millionen Nutzer

Die Einigung auf ein QR-Code-Format ist allerdings erst der erste Schritt in Richtung einer Vereinheitlichung des mobilen Bezahlens in Europa. „Danach müssten Akzeptanzverträge zwischen den Händlern, Zahlungsdienstleistern und Zahlungssystemen geschlossen werden“, so Pratz.

Pirkner gibt sich zuversichtlich: „Angesichts der bisherigen Geschwindigkeit der Initiative bin ich optimistisch, dass schon in diesem Jahr erste länderübergreifende Zahlungen möglich sein werden. Wir müssen auch schnell sein, um den Markt nicht Google Pay und Apple Pay zu überlassen.“

Bluecode ist in Österreich gestartet und ist dort nach eigenen Aussagen in 85 Prozent der Lebensmittelläden verfügbar. In Deutschland können Kunden bei Globus, Galeria Kaufhof, beim 1. FC Köln sowie in einzelnen Universitäten mit Bluecode bezahlen. Zudem gebe es weitere Pilotprojekte. Zusammen haben die Zahlungssysteme bislang mehr als fünf Millionen Nutzer und werden von rund 190.000 Händlern unterstützt. Weitere Partner sollen folgen. Mögliche Kandidaten könnten etwa Swish aus Schweden oder Twint aus der Schweiz sein. Auch Kwitt, das Gemeinschaftsangebot der Sparkassen und Volksbanken für Zahlungen zwischen Freunden, käme infrage. Noch in diesem Jahr sollen in einem Pilotprojekt auch Gewebetreibende Zahlungen über das System empfangen können – mittels QR-Code.

Mehr: Laut einer Studie der Strategieberatung Oliver Wyman könnte Bargeld schneller an Bedeutung verlieren als gedacht. – Wie auch amerikanische Tech-Riesen Druck machen, lesen Sie hier:

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