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Smartphonebank 3,1 Milliarden Euro – N26 ist jetzt eines der wertvollsten deutschen Start-ups

Die junge Berliner Bank sammelt weitere 152 Millionen Euro von Investoren ein. Damit will sie neue Mitarbeiter einstellen und ihre Expansion vorantreiben.
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Smartphonebank: N26 ist jetzt 3,1 Milliarden Euro wert Quelle: Reuters
N26

Erst die USA, jetzt neue Investoren: Der Fintech hat derzeit einen Lauf.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal haben schon wieder Grund für eine Party. Erst vor einer Woche ist ihre Smartphonebank in den USA gestartet. Jetzt hat N26 gerade weitere rund 152 Millionen Euro von Investoren erhalten, wie Tayenthal dem Handelsblatt bestätigt. Damit werde die junge Bank jetzt mit 3,1 Milliarden Euro bewertet.

Schon im Januar hatte N26 mit einer Finanzierungsrunde in Rekordhöhe überrascht, damals waren es rund 260 Millionen Euro – so viel hatte zuvor noch kein anderes Finanz-Start-up in Deutschland kassiert. Das zusätzliche Geld fließe nun im Rahmen einer Erweiterung der vorherigen Finanzierungsrunde. „Diese Erweiterung hat auf Basis der gleichen Vertragsstruktur stattgefunden und mit den gleichen Investoren“, erklärt Tayenthal.

Zu den Geldgebern gehören demnach erneut der US-Wagnisfinanzierer Insight Venture Partners, der deutsche Risikokapitalgeber Earlybird Ventures und der Staatsfonds GIC aus Singapur. Mit dem zusätzlichen Geld will N26 seine Teams an den Standorten Berlin, Barcelona, Wien und den USA vergrößern und die Expansion voranzutreiben.

Schon Anfang des Jahres hatte N26 auch den Status eines „Einhorns“ erreicht – so werden Firmen genannt, die nicht börsennotiert sind und mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. Damals nannte N26 eine Bewertung in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. So hoch war bisher noch kein anderes deutsches Fintech bewertet worden.

Mit der 3,1-Milliarden-Bewertung erreicht die junge Bank nun auch eine Top-Position im europäischen Vergleich. Sie liegt jetzt gleichauf mit dem schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna und Transferwise, einem Fintech aus Großbritannien, das grenzüberschreitende Überweisungen zu günstigen Gebühren anbietet.

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Eine Übersicht der europäischen Fintech-Einhörner zeigt: Investoren setzen besonders gern auf Firmen, die sich an Endkunden richten, schnell wachsen und nicht etwa ausschließlich als Dienstleister für etablierte Finanzinstitute agieren. Auch der Mut zur Expansion ins Ausland kommt gut an.

Auf Smartphonebanken wie N26 und die britischen Konkurrenten Revolut, Atom Bank und Monzo trifft all dies gleichzeitig zu. N26 ist bereits in 24 europäischen Ländern aktiv und hat seit Anfang 2015 mehr als 3,5 Millionen Kunden gewonnen. Revolut hat es sogar auf 5,5 Millionen gebracht.

Unklar bleibt mitunter aber, wie die Anbieter Geld verdienen wollen. „Investoren gehen mit ihrem Kapital immer eine Wette ein, den Smartphonebanken trauen sie viel zu“, sagt Peter Barkow, Datenexperte und Inhaber von Barkow Consulting. Für die Anbieter spreche ihre effiziente Kostenstruktur und ihre moderne Infrastruktur.

N26 versucht, seine Kunden gerade für neue kostenpflichtige Premium-Konten zu begeistern. Die bieten nicht nur Kreditkarten in den Farben Rhabarber und Ozean, sondern auch ein Versicherungspaket. Je nach Markt liege der Anteil der Premium-Nutzer aktuell zwischen 20 und 30 Prozent, so Tayenthal.

Was den Erfolg der jungen Banken beflügeln könnte: „Online-Banken repräsentieren im Moment eine Art „Lifestyle“, die Abkehr vom angestaubten Image der Banken“, sagt Sven Korschinowski, Partner bei der Unternehmensberatung KPMG. Wer zum Beispiel Kunde bei N26 sei, gelte als „modern und innovativ“.

Smartphonebanken, deren Kernprodukt neben einer Debit-Kreditkarte meist eine Smartphone-App ist, gehören zu den wenigen echten Angreifern auf die traditionellen Geldhäuser. „Viele Fintechs sehen sich als Partner der etablierten Finanzinstitute, sie arbeiten daran, Prozesse schneller und bequemer zu machen“, sagt Thomas Funke, Co-Chef des Tech-Quartiers in Frankfurt.

„Das ist für die Branche insgesamt sehr nützlich, aber aus Investorensicht haben Unternehmen, die neue Angebote schaffen und alte Systeme überflüssig machen, ein viel größeres Potenzial.“ Das trifft auch auf Transferwise zu. Das Unternehmen unterbietet bei Überweisungen ins Ausland nicht nur die Preise von Banken, sondern auch von alteingesessenen Anbietern wie Western Union.

Expansion ist Trumpf

Investoren schätzen es zudem, wenn die Firmen schnell internationalisieren. „Um wirklich groß rauszukommen, ist der deutsche Markt einfach zu klein“, sagt auch Funke. „Und wenn man nicht schnell in andere Länder geht, erobern dort vielleicht Nachahmer den Markt.“ Der Start in den USA dürfte die Geldgeber von N26 also freuen. Auch Brasilien ist schon anvisiert.

Die Expansion sieht Korschinowski als besonders wichtigen Vorteil gegenüber klassischen Banken und Sparkassen: „ Im Privatkundengeschäft bewegen sie sich meist nicht über ihre Heimatmärkte hinaus.

Fraglich ist bisher noch, wie es für die Einhörner nach den riesigen Finanzierungsrunden weitergeht – schließlich wollen ihre Geldgeber auch irgendwann eine Rendite sehen. Fintech-Börsengänge gab es bisher selten. „Der Markt hat sich stark verändert, vor einigen Jahren war es nur über einen Börsengang möglich, Summen von mehr als 100 Millionen Euro zu erhalten“, sagt Barkow. „Heute gibt es insgesamt mehr Risikokapitalgeber, und zuletzt drängen insbesondere die Amerikaner stärker nach Europa.“ Dadurch verschiebe sich der Zeitpunkt für einen Börsengang.

Klarna hatte vor wenigen Monaten eine wachsende Bereitschaft für einen Börsengang signalisiert. N26-Gründer Tayenthal ist da zurückhaltender. Er bezeichnet einen Börsengang als „interessante Option“, das stehe aber „frühestens in drei bis fünf Jahren auf dem Programm, möglicherweise auch noch später“.

Mehr: Immer mehr Smartphonebanken machen den etablierten Geldhäusern Konkurrenz. Auch der deutsche Bankenschreck N26 muss sich gegen die neuen Wettbewerber behaupten.

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1 Kommentar zu "Smartphonebank: 3,1 Milliarden Euro – N26 ist jetzt eines der wertvollsten deutschen Start-ups"

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  • Eine Passage im Artikel trifft auch den Kern meiner Frage - unklar ist den Investoren, womit die Bank Geld verdienen will... Wird versucht das Rad ein zweites Mal zu erfinden? Eine Smartphone-Bank ist ja ganz schick, aber warten wir einmal ein paar Jahre ab. Hier dürfte der Hype ähnlich verblassen wie bei den InsureTechs. Es gibt auch im Bankenwesen Bereiche, wie u.a. Firmenberatung, da ist Fachwissen und ein persönlicher Ansprechpartner (kein Chatpartner!) immer noch erforderlich.

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