Sparkassen und Gehälter Die Gallier aus Fröndenberg

Wir befinden uns im Jahre 2015. Ganz Nordrhein-Westfalen ist vom Transparenzgesetz für Sparkassen-Gehälter erfasst. Ganz NRW? Nein! Ein von einer unbeugsamen Frau geführtes Institut hört nicht auf, Widerstand zu leisten.
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Sparkassen-Streit à la Asterix & Obelix: Ein Widerstandsnest gibt sich der Obrigkeit nicht geschlagen. Quelle: Imago
Widerspenstige

Sparkassen-Streit à la Asterix & Obelix: Ein Widerstandsnest gibt sich der Obrigkeit nicht geschlagen.

(Foto: Imago)

Berlin/FrankfurtPetra Otte hat Nein gesagt. Nein dazu, dass sie Ihr Gehalt und das ihres Vorstandskollegen einzeln veröffentlicht. Die Chefin der Sparkasse Fröndenberg sorgt damit für Schlagzeilen. Das kleine Institut – das kleinste Institut der 104 nordrhein-westfälischen Sparkassen – weigert sich, einem Anliegen des Bundeslandes zu folgen.

Das Gesetz zur Schaffung von mehr Transparenz in öffentlichen Unternehmen verlangt seit Ende 2009, dass jedes einzelne Mitglied von Vorstand und Verwaltungsrat seine Bezüge pro Geschäftsjahr veröffentlich. Darauf hat der Träger der Sparkasse, also die Kommune, „hinzuwirken“.

Die Spitzenverdiener unter den Sparkassen-Chefs
Manfred Herpolsheimer_Leverkusen
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Bei der Sparkasse Leverkusen verdiente Vorstandschef Manfred Herpolsheimer 2013 insgesamt 522.500 Euro. Damit zählt er zu den wenigen Bank-Vorständen, deren Bezüge im Vergleich zu 2012 (550.000 Euro) gesunken sind. Bei ihm stehen ein Minus von fünf Prozent zu Buche.

Samulewicz
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Nachdem er 2012 durch ein sattes Gehaltsplus in die Top Ten gerutscht war, hat sich der Dortmunder Sparkassen-Vorstandschef Uwe Samulewicz (rechts) im Jahr 2013 in der Spitzengruppe sogar noch einen Platz vorgearbeitet. Seine Bezüge beliefen sich auf 541.000 Euro. Die Bilanzsumme des Instituts wurde mit 7,9 Milliarden Euro ausgewiesen.

Joachim K. Bonn
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Neueinsteiger in die Liste der bestbezahltesten Sparkassen-Chefs ist Dr. Joachim K. Bonn, Vorstand der Sparkasse Duisburg, auf Platz 9. Bonn löste Hans-Werner Tomalak an der Spitze der Bank ab und kam 2013 auf ein Jahressalär in Höhe von 559.000 Euro.

woelfges
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Ebenfalls neu dabei: Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wuppertal, Gunther Wölfges. Seine Bank hält die Vergütung des Vorstandes bislang noch unter Verschluss. Nach einer validen Schätzung kommt der Nachfolger von Peter Vaupel auf 565.000 Euro pro Jahr.

Hans Martz_Essen
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582.000 Euro verdiente Hans Martz im Jahr 2013 als Chef der Sparkasse Essen. Das entspricht einem Zuwachs von 2,72 Prozent gegenüber 2012. Die Bilanzsumme der Bank sank auf 7,88 Milliarden Euro.

Hubert Herpers_Aachen
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Der Vorstandschef der Sparkasse Aachen, Hubert Herpers (links) erhielt 2013 Gesamtbezüge in Höhe von 592.000 Euro. Das macht Platz fünf in dieser Wertung. Im Jahr zuvor war Herpers mit 577.000 Euro vergütet worden. Die Bilanzsumme des Institut im vergangenen Jahr stieg auf 9,82 Milliarden Euro.

huGO-BildID: 21934547 Markus Schabel, Sparkasse Münsterland Ost
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Markus Schabel, Vorstandschef der Sparkasse Münsterland Ost, landet im Einkommens-Ranking wie ein Jahr zuvor auf Rang vier. Schabel verdiente 2013 629.000 Euro und damit 2,6 Prozent mehr als 2012 (613.000). Die Bilanzsumme der Bank stieg auf 8,68 Milliarden Euro an.

Für helle Freude hat das bei den Sparkassen im bevölkerungsstärksten Bundesland nicht gesorgt. Ganz im Gegenteil: Bei etlichen der Geldhäuser weigerten sich Vorstände und Verwaltungsräte zunächst, ihre Bezüge offenzulegen. Dabei beließ es die Sparkassenaufsicht, die beim Finanzministerium angesiedelt ist, aber nicht. Immer wieder hakte sie nach.

Zähneknirschend sind der Vorgabe nach und nach alle Sparkassen nachgekommen – oder haben das angekündigt. Vor einem Jahr waren es noch sechs Institute, die nicht alle Angaben genannt haben. Sie geloben Besserung, bis auf Fröndenberg. Am Donnerstag wird sich der Landtag in Düsseldorf mit dem Thema und Widerstandsnest in Fröndenberg befassen.

Otte verweist auf den Jahresabschluss 2014. Dort heißt es mit Verweis auf das Handelsgesetzbuch (HGB): „Die Angabe der Gesamtbezüge des Vorstands unterbleibt nach § 286 Abs. 4 HGB, weil sich aus einer solchen Angabe die Bezüge eines einzelnen Vorstandsmitglieds annähernd verlässlich ableiten lassen.“ Und: Die Haltung der Sparkasse wird gestützt durch ein Rechtsgutachten. Mehr will das Institut dazu nicht sagen.

Kommunalaufsicht eingeschaltet
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  • es ist ja wohl ein Riesiger Unterschied ob die Behörden wissen was jemand verdient. Spätestens das Finanzamt wird es wissen. Oder aber ob es in den Medien im Internet veröffentlicht wird. Das HB hatte doch gerade erst eine Bildgeschichte mit den Gehältern einiger anderer Sparkassenchefs gemacht.

    und nein, ich verdiene nicht zu viel für meine Position. Nur - ich habe eine Schwester die selbst arbeitsscheu ist - und die muss nicht wissen wie viel ich verdiene. Und so etwas soll in so mancher Familie vor kommen.

    Zudem, was ist denn ihres Erachtens in der Zukunft noch Privat?

    Gesoffen, gepisst, gefixxt wird doch schon längst in der Öffentlichkeit - spätestens seit Youtube. Gegessen wird auch inzwischen lieber im öffentlichen Raum als daheim am Küchentisch.

  • Man muss halt einfach den Transparenzbegriff öffentlich-rechtlich betrachten. So wie man das auch im Zuge der Rundfunksteuer-Einführung getan hat. Da erklärte Bellut, dass Transparenz nötig wäre und bedeuten würde, dass intern manche Stellen Einsicht in die Zahlen hätten.

    Und wenn's dann dochmal ein bischen mehr sein soll gründet der Angestellte eine Firma (jacu, Maischberger, Plasberg und co.) und verkauft dann seinem Arbeitgeber eine komplette Sendung - bei gleichzeitiger Garantie von Arbeitsplatz und Altersversorgung. Damit ist dann die Transparenz erledigt.

  • Ein Zeichen mehr dafür wie desolat unser Staat ist!

    Es gibt eine "Elite", die sich um die Gesetze der Bundesrepublik einen feuchten Kehricht kümmern. Es wäre jedoch falsch, wenn man diese Leute an den öffentlichen Pranger stellen würde und unsere Richter laufen Kassen würde.

    Ein Beispiel dazu haben wir zum Thema "Kinderbetreuung" aus dem Osten unserer Republik erfahren. Während unsere Bundestagsabgeordneten Milliarden von Euros zur Rettung griechischer Banken "spendeten" werden hierzulande den Familien gesetzlich zugesicherte Unterstützungen nicht gewährt. Dass nicht die Eltern sondieren deren Kinder begünstigt würden, war die richterliche Begründung. Eine Posse, wie ich meine.

  • Offensichtlich gibt es rechtens eine Möglichkeit eine Veröffentlichung diesen Daten zu verweigern. Selbst sehe ich nichts grosses darin weil ich sowieso nicht wirklich mehr glaube an so etwas wie ein Gewissen bei Bänkern und weil ich diesen Druck zur Veröffentlichung eigentlich nicht richtig einsehen kann solange da auch nichts vom Gesetzgeber gemacht worden ist um diese zu verpflichten.
    Übrigens denke ich nicht dass diese Frau sehr viel anders bezahlt werden wird als
    Personen in einer vergleichbare Situation.

  • 1. Die Bürger in Deutschland sind bereits gläsern. Die Ämter wissen alles!
    2. Das Gehalt wird ja nicht einzelnen Personen / Namen zugeordnet. Nur die Daten die ich aufgeführt habe.

    Sollte es Ihnen nicht gefallen, gehe ich davon aus das Sie eine Bezahlung erhalten die Ihnen nicht zusteht, da zu hoch.
    (p.s.: Ich kenne nur unsympatische Sparkassenmitarbeiter. Genossenschaftsbanken liegen mir da mehr.)

  • genau deshalb finde ich die Weigerung der Sparkasse so gut. Zuerst mal die öffentlichen, dann die privaten Unternehmen.
    Die Höhe des Gehalts gehört zu den persönlichen Daten und somit unterliegt es dem Datenschutz. Datenschutz halte ich für sehr wichtig! Ich bin gegen den gläsernen Menschen.

  • das schwache Licht ist mir herzlich wurscht!

    Ich möchte meine Daten nicht öffentlich machen, es geht absolut niemanden etwas an wieviel ich verdiene. Das gleiche Recht hat für mich jeder andere, selbst Politiker. Die müssen bis heute übrigens nicht wirklich offen legen wieviel sie bei Vorträgen oder als Aufsichtsrat verdienen.

    Davon ab, es könnte doch auch sein, dass das Gehalt dort so nidrieg ist, dass man es deshalb nicht veröffentlicht haben möchte.

    Das Gehalt ist ein Teil der persönlichen Daten, diese unterliegen dem Datenschutz, auch bei Sparkassen.

  • @Buschmann
    Ich habe wirklich selten einen so hinkenden und damit untauglichen Vergleich lesen müssen, wie Ihren "Klippensprung". Warum reden Sie nicht Klartext und bleiben so nebulös metaphorisch? Angst?

    Das Verhalten der Sparkassen-Chefin erweckt zwangsläufig den Eindruck, dass ihr Gehalt wohl auch im Vergleich zu etwa 1.000 anderen Sparkassen in NRW und vielleicht auch in Relation zur Größe des Instituts unangemessen hoch ist. Womöglich noch geduldet durch die Stadt als Träger, weshalb der Oberbürgermeister, angesichts allgemein klammer Stadtkassen auch kein besonderes Enagement an den Tag legt.

    Da es sich hier um ein öffentlich rechtliches Institut handelt, hat die Öffentlichkeit ein verdammtes Recht darauf zu erfahren, wieviel Gehalt sich das Mangement
    für seine Arbeit gönnt. Das überhaupt infrage zu stellen, zeigt ein Fehlen jeglichen öffentlichen Gemeinschaftssinns und wirft auch ein ganz schwaches Licht auf Sie.

  • @Frau Anna Buschmann
    "Was ist so wichtig daran die Gehälter zu veröffentlichen? Diese Frage muss zuerst beantwortet werden."
    Ich bin selbst politisch rechts stehend. Habe aber Sozialgeist.
    In Zeiten von Arbeitsplatzabbau, Monopolbildung, Massenarmut wäre es eine gute Idee wenn sämtliche Firmen auf ihren Prospekten und Warenverpackungen angeben müssten: -Höchstes Gehalt in der Firma, -Niedrigstes Gehalt, -Durchschnittsgehalt, -%-Anteil an Fremdarbeitern in der Firma.
    Dann kann das Volk durch das Einkaufsverhalten entscheiden welche Welt es möchte. Es wäre ein grosser Schritt hin zu einer sozialeren Welt. Regionale Firmen (selbst kleine Bäckereien etc.) würden gestärkt. Unsoziale Gehälter würden automatisch reduziert.
    Darum ist es wichtig das zunächst staatseigene Firmen die Gehälter offen legen.
    Persönlich empfinde ich die Gehälter der Sparkassenleiter übrigens als zu hoch. Auch nach Schweizer Maßstäben.

  • Zitat: "Zudem fragt man sich, warum die Vergütung der Vorstände in Fröndenberg so geheimhaltungsbedürftig sein soll, wenn alle anderen Sparkassen die Bezüge zeigen“, findet der Düsseldorfer Parlamentarier."

    tja, darum geht es aber nicht, ob die anderen das machen oder nicht. Wenn alle von der Klippe springen muss man ja nicht hinterherspringen.

    Was ist so wichtig daran die Gehälter zu veröffentlichen? Diese Frage muss zuerst beantwortet werden.

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