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Sparkassen und Volksbanken Wo es die meisten Filialen gibt – und wo sie verschwinden

Gefühlt gibt es nirgendwo so viele Bankfilialen wie in Deutschland. Tatsächlich sind aber die Franzosen Spitzenreiter in Europa. Und der Abstand wird größer, weil deutsche Geldhäuser so viele Zweigstellen schließen.
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Kreditinstitute versuchen, ein Stück der alten Kundennähe zu bewahren, indem sie Busse als „mobile Filialen“ übers Land schicken. Quelle: picture alliance /dpa
Zasterlaster

Kreditinstitute versuchen, ein Stück der alten Kundennähe zu bewahren, indem sie Busse als „mobile Filialen“ übers Land schicken.

(Foto: picture alliance /dpa)

Frankfurt So viele Banken wie in Deutschland gibt es nirgendwo sonst in der Europäischen Union: 1888 Institute waren es im vergangenen Jahr, zeigen Statistiken der Bundesbank. Doch die meisten Bankfilialen stehen in Frankreich: 37.261 Zweigfilialen leisteten sich unsere Nachbarn noch im Jahr 2016, ermittelte die Europäische Zentralbank (EZB). Deutschland folgt mit 32.026 Filialen in dieser Disziplin auf Rang zwei.

Schon 2012 hatten die Franzosen in Sachen Filialen die Nase vorne, nur war der Abstand damals noch kleiner. Denn in Deutschland schließen die Banken ihre Zweigstellen in hohem Tempo: Innerhalb von vier Jahren verschwanden zwölf Prozent der Filialen, während sich in Frankreich kaum etwas tat.

„Die Anzahl inländischer Zweigstellen nimmt rapide ab“, schrieb die Bundesbank Mitte Mai. Denn allein im vergangenen Jahr verschwanden sechs Prozent aller Zweigstellen. Vor allem Sparkassen und Volksbanken waren betroffen. Umfangreiche Filialschließungen hat auch die Deutsche Bank angekündigt. EU-weit lag das Minus im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 4,8 Prozent.

So sank die Zahl der Filialen von Sparkassen, dem deutschen Marktführer im Geschäft mit Privatkunden, im vergangenen Jahr um etwa 900 auf rund 10.600 – was einem Minus von fast acht Prozent entspricht. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken fielen rund 630 Zweigstellen weg. Die Gründe: Im Schnitt besuchen Kunden eine Filiale nur noch einmal im Jahr, heißt es beispielsweise bei vielen Sparkassen. Zudem wollen die Geldhäuser sparen, und das lässt sich durch weniger Geschäftsstellen umsetzen.

Auch dieses Jahr haben einige Sparkassen Filialschließungen in größerem Stil angekündigt. So schließt die Kasseler Sparkasse immerhin mit 36 fast die Hälfte der Filialen. Bei der Sparkasse Südholstein aus Neumünster fallen acht Zweigstellen weg. Die benachbarte Sparkasse Westholstein Itzehoe gibt 16 Filialen mit Personal auf, die Hälfte der Geschäftsstellen, wie sie diese Woche mitteilte.

Etliche Volksbanken stutzen ihr Filialnetz ebenfalls zurecht. Die Berliner Volksbank, die größte Volksbank, schloss im vergangenen Jahr 13 Filialen – weitere acht sollen 2017 dazukommen. Dabei sind Filialschließungen für Sparkassen, aber auch für Volksbanken immer wieder ein Balanceakt, weil die Nähe zu den Kunden vor Ort zu ihrer Identität gehört.

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Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

(Foto: dpa)
Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

(Foto: Reuters)
Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

(Foto: Reuters)
Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

(Foto: Reuters)
Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

(Foto: Reuters)
Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

(Foto: dpa)
Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

(Foto: Reuters)

Und weil die Kunden Filialen immer noch wollen, selbst wenn sie diese selten aufsuchen. 47 Prozent der Deutschen wickeln ihre Bankgeschäfte am liebsten in einer Kombination von Filiale und Onlinebanking ab, ergab kürzlich eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research.

Deshalb versuchen die Kreditinstitute oft, ein Stück der alten Kundennähe zu bewahren, indem sie Sparkassenbusse als „mobile Filialen“ über Land schicken. Das hat auch die Sparkasse Südholstein angekündigt. Immer häufiger teilen sich Sparkasse und Volksbank auch eine Filiale, um zumindest teils noch präsent in einem Dorf oder einem Stadtteil zu sein.

Radikaler stutzten zuletzt nur die Banken in Krisenländern wie Griechenland und Zypern ihre Vorortpräsenz. Dort verschwanden in dieser Zeit jede dritte Zweigstelle. In Spanien, das 2012 ebenfalls noch besser bestückt war als Deutschland, schloss jede vierte Zweigstelle.

Beobachter rechnen damit, dass sich das Filialsterben in Deutschland aber noch beschleunigt. Die Beratungsgesellschaft Investors Marketing geht davon aus, dass sich das Tempo der Filialschließungen in Deutschland in den kommenden Jahren noch einmal deutlich beschleunigen wird. Bis 2025 soll sich die Zahl der Filialen von 34.000 im Jahr 2015 auf 20.000 reduzieren, ein Rückgang von ganzen 41 Prozent. Eine Umfrage von Investors Marketing unter mehr als 100 Führungskräften in der Kreditwirtschaft bestätigt diesen Trend: Die Führungskräfte rechnen Stand heute mit 29 Prozent weniger Filialen bis 2025.

Warum gerade Deutschland immer wieder als „overbanked“ – also als Land mit zu vielen Banken – bezeichnet wird, erschließt sich aus anderen Daten der EZB-Statistik: Die EZB misst die Konzentration des Bankgeschäfts, indem sie berechnet, welchen Anteil die fünf größten heimischen Banken am gesamten Bankenmarkt haben. Mit gerade einmal 31 Prozent rangiert Deutschland in dieser Kategorie fast ganz unten, unterboten nur noch von Luxemburg. In Estland und den Niederlanden liegen diese Werte bei mehr als 80 Prozent, in Griechenland sogar bei 97 Prozent.

Nirgendwo mehr Bankmitarbeiter als in Deutschland

Der Wettbewerb zugunsten der Kunden ist in Deutschland also besonders intensiv. Kein Wunder, mit 1888 selbstständigen Banken leistet sich Deutschland eine einzigartige Auswahl an Kreditinstituten: In der gesamten Eurozone sind es schließlich nur knapp 5000 Institute.

Da überrascht es auch nicht, dass die Bundesrepublik auch das Land mit den meisten Bankangestellten ist: Trotz aller Stellenstreichungen beschäftigten die Kreditinstitute hierzulande noch 628.121 Mitarbeiter. Selbst in Großbritannien mit seinem großen Finanzzentrum kommt die Statistik nur auf 387.577 Mitarbeiter. Auch in Frankreich, dem Rekordhalter im Filialgeschäft, sind es nur knapp über 400.000 Beschäftigte.

Was die EZB-Zahlen ebenso zeigen, ist die dominante Stellung Londons bei der Ansiedlung von Banken, die von außerhalb der Europäischen Union stammen: Wenn man die Vermögenswerte der Tochtergesellschaften aller Nicht-EU-Banken aufaddiert, dann entfallen auf Großbritannien 900 Milliarden Euro, das entspricht fast 60 Prozent aller Vermögenswerte von Nicht-EU-Banken in der Europäischen Union. Weit abgeschlagen folgt Luxemburg mit 137 Milliarden Euro auf Rang zwei.

Blickt man auf die Niederlassungen von Nicht-EU-Ländern, dann dominiert Großbritannien noch stärker: 84 Prozent aller Vermögenswerte ausländischer Zweigstellen konzentrieren sich in London. Die Auswertung zeigt, wie viel die Weltfinanzhauptstadt London zu verlieren hat.

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