Sparkassen und Zinsen „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bereitet Mitarbeiter und Kunden auf eine neue Sparrunde vor. Der anhaltende Kostendruck zwinge die Institute, weitere Stellen abzubauen – und neue Gebühren zu verlangen.
Update: 15.03.2016 - 12:37 Uhr 18 Kommentare
Wenn sie künftig wieder Kontogebühren verlangen, ist die EZB schuld, argumentieren die Sparkassen. Quelle: dpa
Sparkassenfiliale in Hannover

Wenn sie künftig wieder Kontogebühren verlangen, ist die EZB schuld, argumentieren die Sparkassen.

(Foto: dpa)

Die deutschen Sparkassen stemmen sich gegen die Minizinsen. 2015 verdienten sie nach Steuern zwei Milliarden Euro – so viel wie im Vorjahr. „Das abgelaufene Jahr war ein gutes Jahr“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon. Die Kreditinstitute haben mehr Einlagen von den Kunden eingesammelt, aber auch mehr Kredite vergeben – an Unternehmen und für den privaten Wohnungsbau so viel wie noch nie. „Wir haben zwei Rekordmarken erreicht.“

Doch so wird es nicht weitergehen. Es sei angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank klar, „dass sich diese gutes Ergebnis nicht wiederholen wird“, sagte Fahrenschon. Die EZB-Zinspolitik werde die 409 Sparkassen unternehmerisch in höchstem Maße fordern. Doch Fahrenschon zeigte sich kämpferisch: „Wir glauben, dass wir mit der Situation werden umgehen können, weil wir dieser Situation aus einer Position der Stärke begegnen.“ Man sehe den schwierigen Jahren mit einem gesunden Selbstbewusstsein entgegen.

Angesichts der Niedrigzinsen sank der Zinsüberschuss leicht auf 23 Milliarden Euro. Zugleich stieg der Provisionsüberschuss, den Sparkassen zum Beispiel durch den Verkauf von Investmentfonds erzielen. Die mageren Renditen lasten auch auf den eigenen Anlagen der Kreditinstitute. Im so genannten Depot-A-Geschäft mussten sie 500 Millionen Euro abschreiben. „Da geht es uns nicht anders als den Sparern auch“, so Fahrenschon.

Aus Sicht den Sparkassenpräsidenten ist nun „entschlossenes Handeln“ gefragt. Dabei geht es unter anderem um Einsparungen. „Wir werden Kosten begrenzen.“ Fahrenschon erwartet, dass die Sparkassen weiterhin viele frei werdende Stellen nicht besetzen. Im Jahr 2015 war das bei mehr als 6.400 Jobs der Fall. Zuletzt hatten die Institute rund 234.000 Mitarbeiter. Beim notwendigen Personalabbau werde man die natürliche Fluktuation nutzen, und ihn sozialverträglich gestalten.

Angesichts der Niedrigzinsen müssen Sparkassen laut Fahrenschon zudem darüber nachdenken, Gebühren für Bankdienstleistungen zu verlangen, die bisher umsonst sind. „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei. Alle Marktteilnehmer müssen angesichts der falschen Zinspolitik neue Ertragsquellen erschließen.“ Kostenlose Girokonten bieten allerdings die meisten Sparkassen auch aktuell nur für bestimmte Kundengruppen wie Schüler und Studenten.

Von Negativzinsen für Sparer wollen die Sparkassen aber absehen. „Das wollen wir sicherstellen“, verspricht Fahrenschon. Die EZB verlangt einen Strafzins von 0,4 Prozent, wenn Banken bei ihr über Nacht Geld parken. Viele vor allem größere Banken verlangen wiederum einen Strafzins von Unternehmen, wenn diese kurzfristig hohe Summen parken. Fahrenschon griff die EZB scharf an. Deren Geldpolitik bezeichnete er als falsch, gefährlich und nutzlos.

Fahrenschon betonte die „besondere Verantwortung“ der Sparkassen. „Dieses Vertrauen zu erhalten, ist unsere wichtigste Aufgabe.“ Er verwies auch auf die hohe Zahl der Konten für Flüchtlinge, die Sparkassen eröffnet haben. Nach einer aktuellen Abfrage sind es nun sogar 250.000 Flüchtlingskonten.

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18 Kommentare zu "Sparkassen und Zinsen: „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“"

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  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Draghi zerstört Europa mit Geldpolitik nur für die Banken!!

  • Die Gebühren sind quasi der Negativzins! !!

  • " Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei"

    Was soll uns eigentlich der Artikel sagen??

    Dieser Artikel soll uns schonmal "einschwören" auf kommende Repressalien gegen den Sparer Gegen den Zinssklave ...

    Ich entgegne zu der Schlagzeile " Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei":

    " Die Zeit von vernünftiger und verantwortungsvoller Geldpolitik ist vorbei" !!!

    Uns erwartet jetzt 10 ? 20 ? Jahre langer Siechtum vergleichbar mit Japan nach den 90 er Jahren. Was die Notenbanken mit dieser falschen Politik betreiben st ein Knall des Geldsystem in Zeitlupe. So werden die Auswirkungen umso schlimmer auf die Gesellschaft werden!!!

    Schlechte Zeiten kommen leider auf uns zu....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man sehe den schwierigen Jahren mit einem gesunden Selbstbewusstsein entgegen.

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    LACHPLATTE !

    Die Insolvenz-Meldungen werden in ganz Deutschland steigen.

    Beweise dafür liefern doch selbst die Sparkassen die selbst bei sich Personal reduzieren.

    SOZIALPLÄNE bei Entlassungen ?

    Wer ist egal wo in Europa noch Sozial ?

    Woher soll das Geld kommen um eigene Kredite oder selbst einfache Kontoüberziehungen kommen wenn man den Arbeitsplatz verliert ?

    EUROPA HAT PERMANENTE 30 MILLIONEN EU-ARBEITSLOSE !

    Und überall kann man nur lesen wie Firmen Personal entlassen aber selten einstellen !

    Selbst Deutschlands größter Autohersteller " VW " beginnt Leiharbeitsverträge nicht mehr zu verlängern und eigenes Personal zu entlassen !

    Die Kettenreaktionen kann jeder sofort erkennen !

    NA DANN...kräftig Schulden machen !

    DRAGHI sagt Danke !


  • Über Jahrzehnte hat man den deutschen Michel daran gewöhnt, dass alles "umsonst" sein muss: Sparkassenslogan im Rhein-Main-Gebiet auf den Bussen: 100% Leistung - NULL Kosten!. Das ist dumme Werbung. Aber noch dümmer sind Bankkunden, die so etwas glauben. Wenn sie es doch tun, verhalten sie sich verantwortungslos. - Aber ach, da gibt es ja die sog. Verbraucherschützer. Die werden es in einem Musterprozess richten, dass der "gutgläubige" Bankkunde vom Bankberater über den Tisch gezogen wurde. - Gute unabhängige Beratung kann nicht kostenlos geliefert werden..

  • Das haben die Sparkassen (wie auch alle anderen Banken) schon vor Jahrzehnten gemacht ;-) Die EZB erfüllt ganz anderen Funktionen, die man nicht alle zwingend in Anspruch nehmen muss.......

  • Wir haben große Schuldenberge im Geldsystem. Um das System am Leben zu halten werden verschiedene Maßnahmen ergriffen ( Bargeldverbot um Bank Run zu verhindern. Negativzinsen oder Gebühren für Sparer) Die Inflation ist in der Praxis ja immer noch da. Spätestens wenn Sie Ihr Maß Bier auf dem Oktoberfest bestellen merken Sie nix von niedriger Inflation.

    Die entscheidende Frage:

    Wie lange kann und will der Zinssklave das marode Geldsystem am laufen halten ???

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