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Sparkassentag Olaf Scholz fordert von den Sparkassen mehr Maßnahmen für die Zukunft

Der Bundesfinanzminister lobt die Diskussion zur Konsolidierung der Landesbanken und wirbt für einen europäischen Ansatz im Zahlungsverkehr.
Update: 16.05.2019 - 13:46 Uhr Kommentieren
Sparkassentag: Olaf Scholz fordert mehr Zukunftssicherheit Quelle: dpa
Olaf Scholz

„Bleiben Sie Vorreiter in Sachen Digitalisierung“, sagt der Finanzminister auf dem Sparkassentag.

(Foto: dpa)

HamburgBundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) fordert von den Sparkassen, sich auf die Veränderungen in der Finanzbranche gut vorzubereiten. „Die Herausforderungen, vor denen Sie und wir alle stehen, werden ja nicht geringer“, sagte Scholz an diesem Donnerstag. Die große Frage sei, wie sich der Sparkassensektor für die Zukunft aufstelle.

Der Druck auf die Margen durch Digitalisierung und anhaltend niedrige Zinsen hätten bereits für eine Konsolidierung im deutschen Bankenmarkt gesorgt, sagte Scholz. „Dieser Konsolidierungsprozess, das kann man beobachten, ist weiter im Gange.“

Er wisse, dass auch bei den Sparkassen eine Diskussion dazu laufe. „Und ich will ausdrücklich sagen: Das ist gut so“, so Scholz. Die Antwort auf die Frage nach der bestmöglichen Aufstellung des Sparkassensektors müssten nun die Sparkassen, die Landesbanken und ihre Eigentümer finden.

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis strebt an, dass sich alle Landesbanken zu einer einzigen „Sparkassenzentralbank“ zusammenschließen – möglichst ohne Beteiligung der Bundesländer. Am Donnerstag nannte er jedoch keine weiteren Details zu seinem Vorhaben, sondern warb vielmehr um Geduld.

Das Ziel sei klar, sagte der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), am Donnerstag. Die deutschen Sparkassen wollten eine einzige, durch sie gemeinsam getragene und kontrollierte Sparkassen-Zentralbank. Es sei aber allen bewusst, „dass ein solcher Prozess nicht schnell zu organisieren ist und dass es vieler Zwischenschritte bedarf“.

Schleweis hatte im Herbst 2018 vorgeschlagen, dass sich auf dem Weg zu einer Sparkassenzentralbank in einem ersten Schritt zunächst die Landesbanken NordLB und Helaba zusammenschließen. Anschließend sollte das fusionierte Institut mit der Stuttgarter LBBW, dem Fondsdienstleister Deka und dem Immobilienfinanzierer BerlinHyp verschmelzen.

Allerdings scheiterten die als Katalysator gedachten Fusionsgespräche zwischen NordLB und Helaba kurz vor Weihnachten. Baden-Württemberg lehnt die Beteiligung der LBBW an einer roten Spitzenbank ohnehin ab. Vielmehr musste die Sparkassen-Finanzgruppe mehr als eine Milliarde Euro für die Stützung der durch Schiffskredite angeschlagenen NordLB bereitstellen.

Die Sparkassen bräuchten ein Zentralinstitut, sagte auch DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl. So würden die Sparkassen im Auslandsgeschäft Marktanteile verlieren. Die Sparkassen sind zwar Marktführer im Geschäft gerade mit mittelständischen Unternehmen. Wenn diese Geschäfte im Ausland abschließen, suche sie sich jedoch oft eine andere Bank, weil weder Sparkassen noch Landesbanken diese Dienstleistungen umfassend anbieten.

Problemfall Filialabbau

Schleweis warnte die knapp 400 deutschen Sparkassen vor einer starken Ausdünnung des Filialnetzes. „Vorsicht beim Abbau von Filialen! Ich kenne viele Menschen, für die die Nähe einer Filiale entscheidend war, um Sparkassenkunde zu werden.“

„Diesen Faktor sollten wir – Sie alle – nicht unterschätzen, wenn es um Standortentscheidungen und um Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Filialen geht.“ Die Sparkassen – wie auch Volksbanken und private Banken – haben in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Geschäftsstellen geschlossen. Doch für die Sparkassen als öffentlich-rechtliche Kreditinstitute, deren Träger und somit quasi Eigentümer die Kommunen sind, sind Filialschließungen jedoch oftmals heikel.

Am Vortag hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Sparkassen aufgefordert, nicht zu viele Filialen dicht zu machen. Auch wenn die Sparkassen 2018 ein gutes Ergebnis erwirtschaftet hätten, sei ihre Bitte: „Bleiben Sie der Fläche gewogen!“, sagte Merkel. „Die Sparkasse muss so etwas wie die gute Seele einer Region und eines Ortes bleiben.“

Schleweis geht jedoch davon aus, dass die Zahl der Filialen weiter sinken wird – wenngleich nicht mehr in dem Tempo wie zuletzt. Als einen Grund dafür führte er an, dass qualifizierte Beratung besser in größeren Filialen funktionieren könne. Von 2015 bis Ende 2017 schrumpfte die Anzahl der Filialen in Deutschland um etwa 30 Prozent auf gut 30.000.

Scholz forderte die Sparkassen zudem auf, sich auch bei der Digitalisierung für die Zukunft zu rüsten. „Bleiben Sie Vorreiter in Sachen Digitalisierung!“, sagte der Finanzminister gerichtet an die Sparkassenvorstände.

Derzeit würde das Thema elektronische Bezahlverfahren alle umtreiben, so Scholz. Er spielte damit darauf an, dass einige wenige große Tech-Konzerne wie Google, Apple und Amazon aus den USA sowie Alipay und WeChat aus China sich anschicken, den Markt zu dominieren – und auch in Europa zusehends Fuß fassen. Scholz plädierte für einen europäischen statt einem nationalen Ansatz, um „die Konzentration auf sehr wenige dominierende Anbieter – oder vielleicht nur einen einzigen“ zu verhindern.

Scholz verwies darauf, dass Paydirekt, das Bezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft, nicht so erfolgreich wie erhofft sei. Die deutschen Geldhäuser wollen mit Paydirekt dem US-Bezahldienst Paypal Paroli bieten, spielen bislang aber keine Rolle beim Bezahlen im Onlinehandel.

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