Sparkassenversicherer Gewerkschaft Verdi bekämpft die Provinzial-Fusion

Die Provinzial-Fusion von Münster und Düsseldorf wird zum Kraftakt: Eigentümer und Arbeitnehmer steuern auf einen Konflikt zu. Dabei gerät der Zeitplan ins Wanken.
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Provinzial: Verdi bekämpft die Fusion von Münster und Düsseldorf Quelle: dpa
Provinzial Nordwest in Münster

In der Provinzial-Zentrale in Münster könnte es bald ungemütlich werden: Arbeitnehmervertreter fühlen sich übergangen – und wollen die Fusion verhindern.

(Foto: dpa)

FrankfurtLiane Buchholz gab sich zuversichtlich. Die Eigner der beiden Provinzial-Versicherungsgruppen in Münster und Düsseldorf wollten die Unternehmen zum 1. Januar 2019 fusionieren, das nannte die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe vor wenigen Tagen als Zielmarke. Doch nun gerät der Zeitplan für die angestrebte Fusion der beiden zum Sparkassen-Lager zählenden Versicherer ins Wanken.

Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich von dem Vorpreschen der Verbandsfrau düpiert und schalten auf Abwehr. „Die Aussagen haben uns ausgesprochen überrascht und auf die Palme gebracht“, sagte Frank Fassin, der im Aufsichtsrat der Provinzial Nordwest die Arbeitnehmervertreter vertritt, dem Handelsblatt. „Wir stellen uns nun so auf, wie wir das in früheren Jahren getan haben, und werden die Fusion nunmehr bekämpfen.“

Knapp ein halbes Jahr nachdem die Pläne für einen neuerlichen Anlauf erstmals publik geworden sind, gerät das wichtige Fusionsvorhaben des öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Versicherungssektors damit in Probleme. „Es sieht ziemlich nach Krawall aus“, sagte Fassin. Mit dem Buchholz-Vorgänger Matthias Löb hätte die Arbeitnehmerseite noch ausgemacht, dass sie frühzeitig in die Planungen einbezogen würden. Doch davon kann nach Ansicht der Gewerkschafter nunmehr bei Liane Buchholz nicht mehr die Rede sein.

So seien die Arbeitnehmervertreter nicht erbaut, dass von Eigentümerseite bereits Gespräche mit der Politik geführt würden, bevor eine grundsätzliche Vereinbarung mit der Gewerkschaft geschlossen worden sei, kritisierte der Aufsichtsratsvertreter und Verdi-Funktionär.

Den Arbeitnehmervertretern geht es dabei vor allem um zwei Punkte. Zum einen wollen sie sichergestellt sehen, dass der öffentliche Auftrag der Versicherer erhalten bleibe. Mit Argusaugen blicken sie auf die Entscheidung, welche Rechtsform das fusionierte Institut bekommen soll. Umso irritierter waren die Arbeitnehmer, dass die Eigentümer sich bereits grundsätzlich über die neue Rechtsform geeinigt haben.

Demnach soll das neue Unternehmen eine AG werden. Das wäre eine einschneidende Veränderung: Die Rheinische Provinzial in Düsseldorf ist immer noch eine Anstalt öffentlichen Rechts, bei der Sparkassen und Landschaftsverband streng genommen keine Besitzer sind, sondern Gewährträger. Dagegen ist die Provinzial Nordwest in Münster bereits eine Aktiengesellschaft und gehört den Sparkassen und dem Verband.

Zudem befürchten die Gewerkschafter einen Stellenverlust. „Wir werden aber nicht die Hand für einen Jobabbau reichen“, betonte Fassin. Die Arbeitnehmer wollen deshalb eine Stellen- und Standortgarantie festschreiben. Sie befürchten vor allem, dass der kleine Lebensversicherer der Provinzial Nordwest mit Sitz in Kiel mit der größeren Schwester in Düsseldorf zusammengelegt werden könnte, was zahlreiche Stellen im Norden infrage stellen würde.

Für den neugewählten Sparkassenpräsidenten Helmut Schleweis, der im Januar sein Amt antrat, wäre ein Zusammenschluss ein wichtiger Achtungserfolg. Bisher sind jedoch alle Fusionspläne am Widerstand vor Ort gescheitert. Das Vorpreschen von Buchholz macht es nun nicht unbedingt leichter, diese Hürde zu überwinden.

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