Sparkurs Deutsche-Bank-Vorstand verteidigt Bonuskürzungen

Viele Führungskräfte der Deutschen Bank müssen für 2016 auf Boni verzichten. Der zuständige Personalvorstand hält den Schritt für richtig. Die Entscheidung sei auch mit Blick auf die Aktionäre getroffen worden.
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Viele Top-Manager müssen Einbußen hinnehmen. Quelle: AFP
(FILES) This file photo taken on January 28, 2016 shows the headquarters of German bank Deutsche Bank in Frankfurt am Main, western Germany.Troubled

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Viele Top-Manager müssen Einbußen hinnehmen.

(Foto: AFP)

FrankfurtDer Personal- und Rechtsvorstand der Deutschen Bank, Karl von Rohr, hat die Einschnitte bei den Leistungszulagen für Manager des Geldhauses verteidigt. "Wenn die individuelle variable Vergütung ausfällt, ist das natürlich frustrierend", sagte er im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Aber wir haben uns sehr bewusst dazu entschieden, auch mit Blick auf unsere Aktionäre." Es hätten deswegen nicht massenweise Angestellte gekündigt. Die Fluktuation liege im üblichen Rahmen. Mitte Januar hatte die Bank erklärt, dass für 2016 neben dem Vorstand auch die übrige obere und mittlere Führungsebene auf Leistungszulagen verzichten müsse. Nur einige ausgewählte Mitarbeiter sollen mit langfristigen Halteprämien geködert werden.

Mit dem geplanten Abbau von 9000 der insgesamt 100.000 Stellen liege die Bank im Plan, sagte von Rohr. In Deutschland seien die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über die 4000 Stellen abgeschlossen, die bis 2018 wegfallen sollen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen hätten die Auflösungsverträge unterzeichnet.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
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Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
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Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
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Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
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Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
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Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
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Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

Von Rohr ist als Rechtsvorstand auch verantwortlich für die vielen Rechtsstreitigkeiten, mit denen die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen machte. Mitte Januar hatte sich der Konzern mit dem US-Justizministerium wegen unsauberer Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt auf einen Vergleich geeinigt. Die Tricksereien kosten die Frankfurter 7,2 Milliarden Dollar. Wenig später kam es zu einem Teil-Vergleich im Geldwäsche-Skandal in Russland. Mit Aufsichtsbehörden in New York und London handelte die Bank dafür eine Strafe von insgesamt knapp 600 Millionen Euro aus. Von Rohr sieht das Institut auch bei den Rechtsstreitigkeiten auf einem guten Weg. Etwa 20 Großfälle stünden zusammen für 90 Prozent der Rückstellungen. "Von denen haben wir die Hälfte entweder komplett abgeschlossen oder stehen kurz davor. Der Rest wird hoffentlich bis Ende des Jahres weitestgehend abgearbeitet sein."

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