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Foyer der Commerzbank-Zentrale

Die Boni sinken, weil die Kapitalkosten nicht verdient wurden.

(Foto: ddp)

Sparkurs Weniger Geld, mehr Frust – Boni-Streit bei der Commerzbank

Die Commerzbank senkt die Bonuszahlungen deutlich. Viele Mitarbeiter sind wütend. Auch für den Vorstand gibt es weniger variable Vergütung und mehr Festgehalt.
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Frankfurt, Düsseldorf Bettina Orlopp hat bei der Commerzbank in den vergangenen Jahren viele unpopuläre Entscheidungen erklären müssen. Die Personalvorständin verhandelte mit den Arbeitnehmern über den Abbau von 9.600 Vollzeitstellen und verschärfte die internen Kontrollsysteme von Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Mitte Februar schließlich musste die 48-Jährige der Belegschaft die gesunkenen Bonuszahlungen für das abgelaufene Geschäftsjahr näherbringen – und erntete dafür so viel Kritik wie selten zuvor.

Unter einem Interview im Intranet der Bank, in dem Orlopp die Kürzungen erläutert, haben Mitarbeiter – mit vollem Namen – schon in den ersten Tagen über 100 Kommentare geschrieben. Und sie fallen fast alle negativ aus. Von einem „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“ ist die Rede, von „Unverschämtheit“ und „Arroganz“ der Führung.

„Frau Orlopp: Respekt ist etwas anderes!“, schreibt ein Beschäftigter. Ein anderer zitiert den kürzlich verstorbenen Fußballmanager Rudi Assauer: „Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.“ Die Kommentare, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen, wie groß der Frust bei vielen Mitarbeitern aktuell ist.

Die Commerzbank streicht nicht nur Tausende Stellen, sondern baut auch massiv um. Hinzu kommt die Angst, dass es früher oder später zu einer Fusion mit der verhassten Deutschen Bank kommt – verbunden mit einem Blutbad beim Personal. Viele Mitarbeiter nutzten das Bonus-Interview deshalb offenbar als Ventil, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Wenn man die Ergebnisse der Commerzbank betrachtet, sind die Kürzungen nicht überraschend. Die Ertragsprognose für 2020 hat das Institut bereits im November aufgegeben. Im Februar kassierte das Geldhaus zwei weitere wesentliche Ziele. Die angepeilte Eigenkapitalrendite von über sechs Prozent wird die Bank 2020 genauso verfehlen wie das angestrebte Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio), das auf unter 66 Prozent fallen sollte.

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 „Die persönliche Betroffenheit und Enttäuschung der Mitarbeiter ist verständlich“, sagte eine Commerzbank-Sprecherin. Dabei werde aber oft vergessen, dass die Abhängigkeit von der variablen Vergütung für die Mitarbeiter deutlich reduziert worden sei – zugunsten höherer Festgehälter.

„Bei der Commerzbank ist die variable Vergütung am Ende auch ein Thema der Haltung“, sagte die Sprecherin. „Wenn wir unsere Ziele nicht erreichen, dann hat das eben auch Folgen für uns alle und nicht nur für unsere Aktionäre.“ Die Commerzbank-Aktie, die im vergangenen Jahr aus dem Leitindex Dax geflogen ist, hat seit Anfang 2018 über 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Rund 20.000 außertarifliche Mitarbeiter betroffen

Der Gewinn des Instituts stieg im vergangenen Jahr zwar deutlich auf 865 Millionen Euro. Seine Kapitalkosten habe das Geldhaus aber erneut nicht verdient, räumte Vorstandschef Martin Zielke Mitte Februar ein. Die variable Vergütung werde deshalb um rund 100 Millionen Euro auf 134 Millionen Euro fallen.

Von der Entscheidung sind rund 20.000 außertarifliche Mitarbeiter betroffen. Bei den unteren Gehaltsklassen bekamen einige Insidern zufolge einen Bonus in Höhe eines halben Monatsgehalts. In den höheren Gehaltsklassen gibt es einen Zielbonus. Dessen Höhe hängt in der Regel zu 30 Prozent von der Erreichung individueller Ziele ab und zu 70 Prozent von Sparten- und Konzernzielen.

Bei Letzteren liegen die Dotierungsquoten laut dem Intraneteintrag zwischen 17 und 30 Prozent. Das heißt, die Mitarbeiter bekommen nur einen sehr geringen Anteil des Zielbonus ausbezahlt. Besonders groß war die Empörung darüber Insidern zufolge in der Konzernzentrale, wo rund 70 Prozent der Mitarbeiter außertariflich bezahlt werden.

In den Filialen in Deutschland, wo diese Quote lediglich bei rund 30 Prozent liegt, fiel die Kritik moderater aus. In der Zentrale führt der Umbau der Bank aktuell zu großen Veränderungen. Im Rahmen des Projektes „Campus 2.0“ sollen Produkt- und IT-Experten künftig verstärkt in bereichsübergreifenden Teams zusammenarbeiten und Produkte so schneller entwickeln.

Durch den Umbau werden Strukturen aufgebrochen und über Jahre gewachsene Besitzstände zerstört. Zudem gab es eine Debatte, ob einige Mitarbeiter hierarchisch tiefer eingestuft werden. Das hat für zusätzliche Verärgerung gesorgt. Unzufrieden sind viele Mitarbeiter auch mit der Kommunikation der Bonuskürzungen, die Orlopp im Intranet unter anderem mit veränderten Zinserwartungen begründete.

„Im Jahr 2017 ist die Zinskurve zugunsten einer höheren variablen Vergütung gelaufen. Im Jahr 2018 ist leider das Gegenteil passiert“, erklärte die Vorständin. „Ich kann verstehen, dass die betroffenen Mitarbeiter enttäuscht sind, da sie alle hart gearbeitet haben und viele ihre individuellen Ziele erreicht haben.“

Im Jahr 2017 hatten die Märkte noch auf eine baldige Zinswende gesetzt, was den Banken steigende Gewinne beschert hätte. Diese Hoffnung hat sich aber nicht erfüllt. Ein Banker klagte im Intranet, der „kryptische Hinweis auf Zinskurven“ sei nicht nachvollziehbar.

Die Zinskurve sei 2018 so verlaufen wie von den meisten Experten vorausgesagt. „Hat die CoBa was anderes erwartet?“ Andere Mitarbeiter flüchten sich in Sarkasmus. „Verdammt, ich hatte doch den Pool bestellt“, beklagt einer. Ein anderer scherzt: „My Boni is over the ocean.“

Einzelne Mitarbeiter kritisierten die Diskussion im Intranet als unsachlich und forderten von ihren Kollegen mehr Realitätssinn. Er sei auch unzufrieden, aber Beleidigungen und Polemik brächten niemanden weiter, schrieb ein Beschäftigter. „Seien wir trotz toller Leistungen und Frust Realisten. Die Bank hat nicht wirklich die Wahl zwischen Substanz oder Bonus.“ Für höhere Bonuszahlungen müsse das Institut „weiter leisten“.

Wenig Hoffnung für die nächsten Jahre

„Geld ist wichtig, gar keine Frage“, erklärte Orlopp. Es gebe aber auch andere wichtige Faktoren. Die Commerzbank biete ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, etwas selbst zu gestalten und an Zukunftsthemen zu arbeiten. Orlopp machte den Mitarbeitern zudem Hoffnung auf steigende Bonuszahlungen in den nächsten Jahren. „Wir arbeiten alle hart daran, dass sich die Ertragskraft der Bank verbessert“, erklärte sie. „Und wenn das gelingt, wird es in Zukunft auch eine höhere variable Vergütung geben.“

Die Personalchefin hat im vergangenen Jahr das Vergütungssystem für außertariflich Bezahlte umgebaut. Beschäftigte in Deutschland, die das Risikoprofil der Bank nicht beeinflussen, erhalten keine individuellen Bonuszahlungen mehr. Ihre variable Vergütung richtet sich künftig nur noch nach dem Abschneiden ihres Segments und der Gesamtbank.

„Wir wollten unser Vergütungsmodell vereinfachen und vereinheitlichen, zumal sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter mit dem vorigen Modell unzufrieden waren“, sagte Orlopp. Bisher nicht bekannt war, dass der Aufsichtsrat der Commerzbank im vergangenen Jahr auch das Vergütungsmodell für den Vorstand überarbeitet hat.

Dabei sei der Anteil der variablen Vergütung auf das Minimum gesenkt worden, das nach der Institutsvergütungsverordnung vorgeschrieben sei, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Im Gegenzug sei das Grundhalt des Führungsgremiums erhöht worden. Die Gesamtkompensation des Vorstands ist Finanzkreisen zufolge im Rahmen der Neuregelung gesunken.

2017 belief sich die Gesamtvergütung des Commerzbank-Vorstands auf 11,5 Millionen Euro. Weniger als die Hälfe davon, nämlich 5,2 Millionen Euro, entfiel dabei auf das Grundgehalt. Vorstandschef Zielke erhielt ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro, inklusive variabler Vergütung kam er auf 2,9 Millionen Euro. Er verdient damit deutlich weniger als die Chefs anderer Großbanken. Die Zahlen für 2018 hat die Commerzbank noch nicht veröffentlicht.

Der Aufsichtsrat musste das Vergütungssystem für den Vorstand wegen neuer EU-Vorgaben ohnehin anpassen. Sie sehen vor, dass Banken ausbezahlte Bonuszahlungen von ihren Vorständen bis zu sieben Jahre lang zurückfordern können – etwa bei Verfehlungen oder einer schlechten Geschäftsentwicklung.

Die ohnehin nötige Änderung nutzte der Aufsichtsrat, um auch das Verhältnis von fester und variabler Vergütung anzupassen. Das Kontrollgremium war Finanzkreisen zufolge der Ansicht, dass Bonuszahlungen – genau wie bei den Mitarbeitern – eine geringere Rolle spielen sollten.

Ein Vorstand müsse auch ohne hohe Prämie motiviert sein, gute Leistungen zu erbringen. Für 2018 muss sich der Vorstand genauso wie die Mitarbeiter mit einem deutlich geringeren Bonus begnügen, betont Personalvorständin Orlopp. „Da sitzen wir alle im selben Boot.“

Mehr: Viele Banken senken die Boni für Angestellte. Allein Barclays stemmt sich gegen den Trend.

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