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Sparprogramm Die Deutsche Bank plant harte Einschnitte – auch ohne Fusion

Das erste Quartal nimmt für die Deutsche Bank keinen guten Verlauf. Nun prüfen Arbeitsgruppen weitere Anpassungen – und verstärken die Sparbemühungen.
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Die größte Bank in Deutschland verfolgt ehrgeizige Kostenziele. Quelle: seasons.agency
Foyer der Deutschen Bank in Frankfurt

Die größte Bank in Deutschland verfolgt ehrgeizige Kostenziele.

(Foto: seasons.agency)

Frankfurt, Vaduz Der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist groß. Zu tief wären die Einschnitte beim Personal, die nötig wären um das Projekt wirtschaftlich erfolgreich zu machen, zu unsicher die Perspektive eines gemeinsamen Instituts.

Doch auch ohne Fusion drohen bei der Deutschen Bank weitere Sparmaßnahmen, wie mehrere Insider dem Handelsblatt bestätigten. „Der Vorstand prüft mit Blick auf die Entwicklungen im ersten Quartal, ob die bisherigen Sparpläne ausreichen“, heißt es in Finanzkreisen. Es werde auch geprüft, ob weitere Anpassungen des Geschäftsmodells nötig seien. „Die Bank hat ehrgeizigere Kostenziele ausgegeben“, war an anderer Stelle zu hören.

„Auch ohne Fusion wird sich etwas tun müssen“, heißt es im Institut. Wo Vorstandschef Christian Sewing konkret den Rotstift ansetzen könnte, ist aber noch unklar. Die Bank wollte sich nicht dazu äußern.

Der Grund für die intensiveren Sparanstrengungen ist den Informationen zufolge der schwache Geschäftsverlauf im ersten Quartal. Vor allem das Investmentbanking steche negativ hervor, ist zu hören. Das gelte insbesondere für den Wertpapierhandel, während es in stabileren Geschäftsfeldern wie Zahlungsverkehr oder Handelsfinanzierung bislang keine bösen Überraschungen gab. Auch das Privatkundengeschäft läuft demnach gemäß den Planungen.

Erste Hinweise auf einen ungünstigen Jahresstart hatte die Bank in ihrem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht gegeben. „Die Marktbedingungen haben sich im Vergleich zu denen im vierten Quartal 2018 verbessert, sind aber etwas schwächer als von uns erwartet“, schrieb das Institut in seinem Geschäftsausblick. Andere Institute wie die Schweizer UBS hatten wegen der schwachen Einnahmen aus dem Handelsgeschäft zum Jahresstart sogar ihre Gewinnziele in Frage gestellt.

Die Deutsche Bank hatte dagegen erneut ihre Entschlossenheit betont, die versprochene Eigenkapitalrendite nach Steuern von „über vier Prozent“ zu erreichen. Schon Anfang Februar hatte Finanzvorstand James von Moltke gesagt, die Bank wolle noch härter sparen, wenn der Rückenwind von den Märkten ausbleibe.

Deshalb versuche die Bank jetzt, über das bislang geplante hinaus zu sparen, erläuterte ein Manager. Im Geschäftsbericht hatte die Bank angekündigt, auch weiter Kostendisziplin in Bereichen wie der Geschäftsabwicklung und Infrastruktur walten zu lassen. Die Bank will die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 2019 auf unter 90.000 senken. Wie stark die Zahl darunter liegen soll, ist aber offen.

Proteste in der Commerzbank

Ungeachtet aller Sparbemühungen behält Vorstandschef Christian Sewing dem Vernehmen nach aber auch das Wachstum im Blick. Die Bank installierte im Januar eine Art „Wachstumsrat“, dem der Vorstand sowie acht hochrangige Manager aus den wichtigsten Geschäftsfeldern angehören, wie etwa Anleihechef Ioannis Pipilis, der Chef der Transaktionsbank, Stefan Hoops, oder auch Asoka Wöhrmann, der Chef der Fondstochter DWS.

Das Gremium treffe sich einmal monatlich im Anschluss an eine Vorstandssitzung und bespreche in welchen Geschäftsfeldern es sich lohne, Ressourcen der Bank zu investieren - und wo im Gegenzug gekürzt werden solle. „Sewing achtet sehr viel akribischer darauf, wie und wo das Eigenkapital eingesetzt wird, als seine Vorgänger“, hieß es in Finanzkreisen.

Vor kurzem etwa verschickte der Chef des Wealth Managements, Fabrizio Campelli, eine Mitteilung an Mitarbeiter, wonach der Bereich in den nächsten drei Jahren „mehr als 300 Mitarbeiter einstellen“ will. Parallel dazu verkleinerte die Bank allerdings die Zahl der Regionalleiter im Geschäft mit den vermögenden Kunden.

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Analysten gehen im Durchschnitt davon aus, dass die Erträge der Bank im ersten Quartal gesunken sind. Unter dem Strich rechnen sie aber bislang damit, dass die niedrigeren Kosten dafür sorgen, dass die Bank trotz einer Schwäche im Wertpapierhandel unter dem Strich 120 Millionen Euro verdienen wird, etwa so viel wie im Vorjahr.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner warb derweil indirekt für eine Großfusion von Deutscher Bank und Commerzbank: „Vielleicht ist unser Problem im europäischen Banksektor ja nicht „too big to fail“, sondern „too small to scale”.

Und so schwer es mir mit meinen 168 Zentimetern Größe fällt, das zu sagen: size matters“, sagte er in Liechtenstein. Damit spielte er darauf an, dass Größenvorteile eine wachsende Rolle in der Branche spielen und sich manche Geschäfte nur lohnen, wenn Banken ausreichend viele Transaktionen über ihre technischen Plattformen laufen lassen können.

Welche Vorteile eine Fusion für die Deutsche Bank sonst noch hätte, lässt sich auch an den Preisen von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) ablesen. Der CDS-Markt zeigt, für wie riskant Investoren ein Unternehmen halten: je höher der Preis, desto höher das Ausfallrisiko.

Diese Risikoprämie schnellte im Zuge einer Geldwäsche-Razzia und des sich abzeichnenden schwachen vierten Quartals auf mehr als 200 Basispunkte, also zwei Prozentpunkte, und schrumpften als die Fusionsgespräche publik wurden auf 133 Basispunkte. Im Zuge der heftigen öffentlichen Kritik an dem Fusionsvorhaben haben sich die CDS-Preise zuletzt wieder erhöht. Für das Investmentbanking der Deutschen Bank wären niedrige CDS-Preise vorteilhaft.

Eine Grundsatzentscheidung darüber, ob es zur Fusion kommt, wollen beide Institute bis spätestens zur Vorstellung der Quartalszahlen der Deutschen Bank Ende April fallen. Die Vorstände beider Seiten hätten kommuniziert, „dass es deren Ambition ist“, zu diesem Termin „schon mit konkreteren Überlegungen überraschen zu können“, sagte Achleitner.

Commerzbank-Mitarbeiter wollen keine Fusion

So lange will der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank nicht warten. Die Arbeitnehmervertreter fordern den Vorstand des Instituts auf, die Sondierungsgespräche über eine Fusion mit der Deutschen Bank abzubrechen. „Treffen Sie verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft unserer Commerzbank und nehmen Sie Abstand von diesem Vorhaben“, heißt es in einer Protestnote an den Vorstand, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Ankündigung der Sondierungsgespräche hat dem Betriebsrat zufolge bereits negative Auswirkungen für die Commerzbank gehabt. „Schon jetzt ist festzustellen, dass bereits in dieser Phase der Gespräche Kunden besorgt und erbost der Bank den Rücken kehren wollen“, heißt es in der Protestnote. „Gleichzeitig ist zu beobachten, dass seit Bekanntgabe der Sondierung sich die Refinanzierungskosten für unsere Bank verteuert haben.“ Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.

Die Arbeitnehmervertreter fordern den Vorstand zum Umdenken auf. „Es ist an der Zeit, den Schaden jetzt zu begrenzen“, schreibt der Gesamtbetriebsrat. „Ihr Vorhaben hat im Management, bei den Mitarbeitern, in den Gremien, bei den Kunden unserer Bank wie auch in der Gesellschaft keinen Rückhalt.“ Der Vorstand stürze sich ohne erkennbaren Plan „in ein unbeherrschbares Abenteuer“.

Angst vor einem neuen Restrukturierungsprogramm haben die meisten Commerzbank-Mitarbeiter aktuell nicht, zumal der 2016 verkündete Umbau des Geldhauses noch in vollem Gange ist. Aber viele Beschäftigte gehen davon aus, dass sie sich angesichts der Veränderungen am Markt perspektivisch auf weitere Veränderungen einstellen müssen – auch wenn es nicht zu einem Zusammenschluss mit der Deutschen Bank kommen sollte.

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1 Kommentar zu "Sparprogramm: Die Deutsche Bank plant harte Einschnitte – auch ohne Fusion"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Echt jetzt??? Wirklich ???
    Ihr von der Deutschen Bank zahlt jedes Jahr mehr als ZEHN Prozent des Unternehmenswertes als Boni an Mitarbeitern, die nicht fähig sind, einen vernünftigen Gewinn zu erwirtschaften!!!
    Vorletztes Jahr ca. 800 Mio Verlust, aber ca 2.300 Mio Boni!
    Letztes Jahr kleinen Gewinn von ca. 300 Mio aber immer noch 1.900 Mio Boni!
    Seit wann kann der Boni größer sein als der Gewinn! So etwas ist nicht hinnehmbar.
    Gut dass die Deutsche Bank Einschnitte geplant hat - aber es wäre schon deutlich früher notwendig gewesen!!!

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