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Sprachassistent Google stoppt Sprachüberweisung der Sparkassen

Erst im Dezember hatten die deutschen Sparkassen Überweisungen per Google Assistant ermöglicht. Jetzt macht der Tech-Konzern eine Kehrtwende und verbietet den Service.
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Der Google Assistant ist über diesen intelligenten Lautsprecher und über das Smartphone erreichbar. Quelle: AP
Google Home

Der Google Assistant ist über diesen intelligenten Lautsprecher und über das Smartphone erreichbar.

(Foto: AP)

FrankfurtEs kam schon einer kleinen Sensation gleich: Anfang Dezember des vergangenen Jahres haben die Sparkassen eine neue Funktion für den Sprachassistenten Google Assistant freigeschaltet: Allein auf Zuruf, ohne ein Passwort einzutippen, konnten Kunden Geld überweisen.

Zuvor hatten schon andere Geldhäuser mit Sprachassistenten experimentiert, aber so weit hatte sich noch keines vorgewagt. Offenbar zu Recht, denn nach Recherchen des Handelsblatts mussten die Sparkassen die neue Funktion schon sechs Wochen nach dem Start wieder abschalten.

Der Grund: Die Funktion habe nach Einschätzung von Google gegen interne Richtlinien des Konzerns verstoßen, sagte ein Sprecher der Finanz-Informatik (FI), des IT-Dienstleisters der Sparkassen, auf Anfrage.

Sprachsteuerung gilt als Technologie der Zukunft. Apple brachte die Assistentin „Siri“ bereits 2011 ins iPhone. Richtig an Fahrt gewinnt das Thema, seit Amazon seine Echo-Lautsprecher mit der Assistentin „Alexa“ verkauft und Google das Pendant Google Home mit dem „Assistant“ herausgebracht hat, der zudem auch für Smartphones verfügbar ist.

Analog zu Apps für das Smartphone bieten immer mehr Unternehmen weitere Einsatzmöglichkeiten, sogenannte Skills, für Amazons Alexa und Actions für den Google Assistant an. Auch einige deutsche Banken haben das früh für sich entdeckt und sehen darin eine Chance für mehr Kontakt zum Kunden.

Erst Kontostand, dann Überweisung

Die erste Version ihrer Google-Action hatten die Sparkassen vor einem Jahr gestartet. Zunächst konnten Nutzer damit ihren Kontostand und die neuesten Umsätze abfragen. Nach Angaben der FI haben bis Anfang Dezember 3.500 Kunden von 43 der insgesamt 385 Sparkassen die Action genutzt und darüber rund 100.000 Anfragen gestellt.

Der nächste Schritt sollten Überweisungen sein. Diese waren auf 30 Euro beschränkt – wodurch die Eingabe einer TAN entfiel. Und: Kommandos wie „Hey, Google, überweise 20 Euro an Monika“ klappten nur dann, wenn der Nutzer der Zahlungsempfängerin in den vergangenen 96 Tagen schon mal Geld überwiesen hatte und sie ein deutsches Konto (IBAN mit Kürzel DE) hatte.

Wegen dieser Bedingungen waren die Einsatzmöglichkeiten der Überweisungsfunktion ohnehin schon beschränkt. Google gingen sie offenbar dennoch zu weit. Über die genauen Gründe für den harten Stopp kann jedoch nur gemutmaßt werden.

Der US-Konzern teilte auf Anfrage des Handelsblatts lediglich mit, dass Google-Actions derzeit keinen Geldtransfer unterstützen – weder direkt noch über lizenzierte Zahlungsvermittler oder in Form von Spenden.

Ein Grund für diese Vorgabe könnten Datenschutzbedenken sein. So werden alle Daten zu Interaktionen mit dem Google Assistant bei dem Unternehmen gespeichert. Zwar übermittelten Kunden bei Überweisungen via Sparkassen-Action nicht die Kontonummer oder den Namen der Bank, wohl aber den Namen der Zahlungsempfänger und den Betrag.

Hinzu kommt: Schon lange wird in der Finanzbranche darüber diskutiert, wann Google – oder auch Amazon – selbst stärker ins Geschäft mit Finanzdienstleistungen einsteigt. Nach Ansicht von Branchenexperten wäre es durchaus möglich, dass Google selbst ein Angebot zum Banking per Sprache entwickelt – ähnlich, wie Drittanbieter das auch mit Apps für das Smartphone tun.

Konstruktive Gespräche mit Google

Im Vergleich zu ähnlichen Bankangeboten bietet die Sparkassen-Action immer noch viele Funktionen: Die Abfrage des Kontostands, der Depotaufstellung, der Daueraufträge sowie der Terminüberweisungen ist nach Angaben des FI-Sprechers weiterhin verfügbar. In Sachen Überweisung sei man zudem in konstruktiven Gesprächen mit Google.

Andere Geldhäuser waren bei den Funktionen für den Google Assistant von Anfang an zurückhaltender. So können Kunden der Onlinebank Comdirect per Google Assistant seit vergangenem Juli den Kontostand abfragen. Überweisungen können sie aber nur vorbereiten. Diese landen dann als Entwürfe in der Banking-App und müssen dort auf gewohnte Weise freigegeben werden. Diese Funktion ist nach Angaben einer Sprecherin der Bank immer noch verfügbar. Ähnliches bieten auch die Smartphone-Bank N26 und die Deutsche Bank mit Apples Siri an.

Über Amazons Sprachassistentin Alexa ist bislang dagegen kein Kontozugriff möglich. Vor einem Jahr definierte der Konzern die Mindestanforderungen für die Sicherheit von Finanz-Skills und verbot darin sowohl Kontostandsabfragen als auch Überweisungen per Alexa Skill – zumindest dann, wenn auf Konten innerhalb der EU zugegriffen wird.

Auch damals gab es einen Anbieter am Markt, der kurzzeitig doch Kontostandsabfragen ermöglichte: das Start-up Bonify, das in Kooperation mit der Auskunftei Creditreform Boniversum eine kostenlose Bonitätsauskunft anbietet. Doch nach sechs Wochen kam das Verbot von Amazon.

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