Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Staaten-Banken-Nexus

Er entsteht dadurch, dass Banken vorzugsweise Anleihen der eigenen Regierung kaufen. Gerät die Regierung an den Kapitalmärkten unter Druck, führt das zu Kursverlusten ihrer Anleihen, die auf die Banken durchschlagen.

(Foto: dpa)

Staaten-Banken-Nexus Darum werden die Käufe der Banken von inländischen Anleihen zur Gefahr

Spanische Banken investieren stark in inländische Anleihen, anders als ihre deutschen Konkurrenten. Das gefährdet die Stabilität der Euro-Zone.
1 Kommentar

DüsseldorfUnter Ökonomen ist er ein heißes Thema: der sogenannte Staaten-Banken-Nexus. Er entsteht dadurch, dass Banken vorzugsweise Anleihen der eigenen Regierung kaufen. Gerät die Regierung an den Kapitalmärkten unter Druck, führt das zu Kursverlusten ihrer Anleihen, die auf die Banken durchschlagen. Damit geraten die Banken unter Druck, was wiederum auf die Regierungen zurückschlagen kann, wenn die Erwartung wächst, dass sie ihren Geldhäusern unter die Arme greifen muss.

Diese mögliche Abwärtsspirale gehört zu den größten Sorgen von Experten, die sich mit dem Zusammenhalt der Euro-Zone beschäftigen. Die DZ-Bank warnt in einer neuen Studie: „Staaten-Banken-Nexus hemmt Reformbereitschaft und fördert die wachsende wirtschaftliche Divergenz - Stabilität und Einheit der Währungsunion in Gefahr.“

DZ-Analyst Daniel Lenz hat ausgerechnet, wie stark der sogenannte „Home-Bias“ der Banken in unterschiedlichen Ländern ist. Dabei bildet er eine Kennzahl, die den Anteil der nationalen Staatsanleihen an denen der Europäischen Union in den Bankbilanzen ins Verhältnis setzt zum Anteil des nationalen Bruttoinlandsprodukts am EU-Inlandsprodukt. Deutsche Banken haben zum Beispiel 179,1 Milliarden Euro deutsche Anleihen in den Bilanzen, was knapp 79 Prozent aller ihrer EU-Staatsanleihen ausmacht.

Auf der anderen Seite entspricht das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 10,4 Billionen nur rund 28 Prozent des EU-BIP. Setzt man die 79 Prozent zu den 28 Prozent ins Verhältnis ergibt sich der „Home-Bias-Quotient“ von 2,8. Anders gesagt: Deutsche Banken haben 2,8-mal mehr deutsche Staatsanleihen gekauft, als einer Gewichtung entsprechend der wirtschaftlichen Größe Deutschlands entsprechen würde.

Grundlage sind dabei Zahlen von Ende 2017 der Banken, die am Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (Eba) teilnehmen.

Diese Kennzahl ist bei anderen großen Euro-Staaten noch höher. Spanische Banken halten so berechnet 6,2-mal zu viel an inländischen Staatspapieren. In Italien liegt die Kennziffer bei 5,1, in Frankreich bei 4,2. Die Berechnung zeigt also: Alle großen Euro-Staaten haben ein Ungleichgewicht, aber bei den südlichen Ländern ist es noch größer als in Deutschland. Zu einem ähnlichen Ergebnis ist im Dezember 2018 eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gekommen.

Zunächst ist es nicht überraschend, dass Banken ihre eigene Regierung bevorzugen, mit der stehen sie schließlich im engsten Kontakt. Hinzu kommen wirtschaftliche Gründe, wie auch der DZ-Analyst schreibt. Die Ratings von Staaten und Banken hängen oft eng zusammen. Wenn eine Bank tendenziell höhere Zinsen zahlen muss, weil sie in einem Land mit schwächerem Rating residiert, dann will sie zum Ausgleich auch etwas höhere Zinsen auf die Anleihen im eigenen Portfolio bekommen.

Dieser Staaten-Banken-Nexus ist aber schlecht im Sinne einer Risikoteilung innerhalb der Euro-Zone, die für eine bessere Stabilität der Währungsunion sehr wichtig wäre. Die DZ-Studie diskutiert diverse Optionen, den Nexus zu durchbrechen, kommt dabei aber zu keiner überzeugenden Lösung. Die Deutsche Bundesbank hat mehrfach vorgeschlagen, Staatsanleihen in den Bilanzen nach Risiko zu gewichten. Dann müssten Anleihen mit schlechterem Rating mit mehr Eigenkapital unterlegt werden.

Bei dieser Berechnung käme Deutschland besonders gut weg - was dem Vorschlag nicht unbedingt mehr Zuspruch verschafft. Die DZ-Bank schreibt mit Bezug auf das DIW, italienische Banken müssten dann mehr als elf Milliarden mehr an Eigenkapital einsammeln. Sie sieht daher bei diesem Konzept die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen, sie hält es außerdem für politisch kaum durchsetzbar.

In eine ähnliche Richtung geht die Idee, Obergrenzen für den Kauf von Anleihen eines einzelnen Staates einzuführen. Aber hiergegen gibt es ebenfalls erhebliche politische Widerstände. Eine weitere Möglichkeit wäre die Schaffung von „sicheren“ Anleihen durch eine geschickte Mischung und Risikoteilung von Staatspapieren der verschiedenen Euroländer.

Ein solcher Vorschlag kam aus Kreisen der Europäischen Zentralbank (EZB), fand aber wenig Gegenliebe, und die DZ-Bank hält ihn auch nicht für aussichtsreich. Der irische Notenbank-Chef Philip Lane hatte ihn im vergangenen Jahr vorgestellt. Vítor Constâncio, Ex-Vize-Chef der EZB, hatte im Interview mit dem Handelsblatt einen ähnlichen Vorschlag gemacht, der bisher noch keine breite Resonanz gefunden hat.

Fazit also: Der Nexus ist bedrohlich, aber eine Lösung des Problems nicht in Sicht.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Staaten-Banken-Nexus - Darum werden die Käufe der Banken von inländischen Anleihen zur Gefahr

1 Kommentar zu "Staaten-Banken-Nexus: Darum werden die Käufe der Banken von inländischen Anleihen zur Gefahr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Niebe,

    heute bin ich ein wenig vernagelt und habe auch bei Ihrem Artikel Verständnisprobleme. Reden wir doch einmal über die Risiken des Bankensektors. Faule oder ausfallgefährdete Kredite oder assets gehören sicher dazu.

    Aber was ist denn bitte schön mit "inländischen Anleihen"? Betrachten wir diese doch einmal mit den Augen der rating Agenturen. Wir sehen, dass nicht alle Länder dieser Welt mit einer Einheitsnote bewertet werden. Dass es Länder gibt, die von einer Staatspleite nicht weit entfernt sind und deshalb von den Agenturen als hochriskant eingestuft werden. Mir scheint, dass ein vernünftiger Investor solche Papiere grundsätzlich meidet, dass er mit dem Geld seiner Aktionäre und den Einlagen seiner Kunden solche Verlustbringer grundsätzlich auf keinen Fall kauft. Die Regel heißt "meiden", gleichgültig ob der Emittent das eigene Land oder ein fremder Staat ist.

    Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Anleihen, die die rating Agenturen als absolut sicher einstufen und mit der Note AAA bewerten. Mit absolut sicheren Papieren kann natürlich jeder Investor sein gesamtes Depot bedenkenlos füllen. Dabei ist es gleichgültig, ob sie vom eigenen Land oder von fremden Staaten ausgegeben worden sind. Sicher ist eben sicher.

    Nur nebenbei: Manche Ihrer Zahlen sind schon abenteuerlich. Angeblich 10 400 Mrd. Euro soll das deutsche Bruttoinlandsprodukt ausmachen. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Der IWF schätzt für 2017 3 685 Mrd. Euro und für die EU 19453 Mrd. Euro.