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Staatsanleihen Furcht vor einer Rezession lässt Anleiherenditen sinken

An vielen Märkten sind Zeichen der Angst erkennbar. Die Rendite der Bundesanleihe fällt auf ein Rekordtief. In den USA geht es ebenfalls bergab.
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Der Handelsstreit mit China und Mexiko belastet die Märkte. Quelle: AFP
Wall Street

Der Handelsstreit mit China und Mexiko belastet die Märkte.

(Foto: AFP)

FrankfurtSo lukrativ war es in Deutschland noch nie, Schulden zu machen: Auf den Rekordwert von minus 20 Basispunkten, also minus 0,2 Prozent, fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Freitag. In den USA ging es ebenfalls bergab. Die Rendite der zehnjährigen Schatzanleihe rutschte deutlich auf fast 2,1 Prozent.

Zeichen von Angst und Stress waren fast an allen Märkten zu beobachten. Die Aktien standen zum Ausklang des schwachen Börsenmonats noch einmal unter Druck. Nach Berechnung von Bank of America Merrill Lynch haben in der letzten Maiwoche Investoren weltweit rund zehn Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen und zu einem guten Teil in Staatsanleihen umgeschichtet: Dieser Run auf sichere Staatspapiere treibt deren Kurse hoch und im Gegenzug ihre Renditen nach unten.

Allein 8,4 Milliarden dieser Abflüsse aus Aktienfonds gab es in den USA. Außerdem gibt die Bank den Verlust an weltweiter Börsenkapitalisierung im Mai mit rund drei Billionen Dollar an. Nach Angabe der Bankenorganisation IIF flossen in diesem Monat 14,6 Milliarden Dollar aus den Aktienbörsen der Schwellenländer ab: Das ist der schlechteste Wert seit Juni 2013, als der damalige US-Notenbankchef die Märkte mit Überlegungen zu einer strengeren Geldpolitik überraschte.

Hinzu kommt: Mit einem Einbruch von mehr als zehn Prozent im Mai zeigte auch der Öl-Markt an, dass die Investoren Angst vor einer Rezession haben.

Kurzfristiger Auslöser der schwachen Kurse war die Ankündigung von Donald Trump, das Nachbarland Mexiko mit Zöllen unter Druck zu setzen. Ökonom Michael Feroli von JP Morgan verweist darauf, dass Mexiko nach Kanada der zweitgrößte Handelspartner der USA ist.

Er befürchtet: „Selbst wenn es eine schnelle Einigung mit Mexiko gibt, was plausibel erscheint, könnte es zu einer dauerhaften Belastung des Vertrauens der Geschäftsleute kommen.“ Feroli erwartet daher für September und Dezember jeweils eine Senkung des US-Leitzinses um ein Viertel Prozentpunkt; zurzeit liegt er in einer Spanne zwischen 2,25 und 2,5 Prozent.

Die Anleger werden seit geraumer Zeit pessimistischer mit Blick auf die weltweite Politik. Im Handelsstreit mit China schwinden die Hoffnungen auf eine friedliche Einigung. Immer mehr entsteht der Eindruck, dass Trump die Inszenierung von Konflikten, möglicherweise auch als Selbststilisierung gegenüber der Wählerschaft, nicht lassen kann.

Felix Herrmann, Anlagestratege beim US-Vermögensverwalter Blackrock, sagt dazu: „Bei den Anlegern setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass dadurch nicht nur das Wachstum in China niedriger ausfallen wird, sondern dass der Handelsstreit auch in den USA negative Auswirkungen haben dürfte.“

Hinzu kommt, dass die Ausweglosigkeit der britischen Politik einen Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) ohne Vereinbarung – also einen harten, chaotischen Brexit – immer wahrscheinlicher macht.
Das hohe Angebot kurzfristiger Papiere und der Run auf lang laufende US-Staatsanleihen haben eine weitere Folge: Dadurch verflacht sich die sogenannte Zinskurve weiter. Sie bildet das Verhältnis von kurzfristigen und langfristigen Renditen ab.

Üblicherweise liegen langfristige Renditen über denen kurz laufender Papiere. Investoren verlangen im Normalfall eine Prämie dafür, dass sie ihr Kapital für längere Zeit verleihen. Doch in den USA hat sich dieses Verhältnis teilweise umgekehrt: Staatsanleihen mit dreimonatiger Laufzeit werfen derzeit mehr ab als zehnjährige Anleihen. Eine solche Inversion der Zinskurve gilt als Indikator einer Rezession.

Die Entwicklung beunruhigt immer mehr Investoren. So sagte etwa Starinvestor Jeffrey Gundlach von Doubleline Capital kürzlich dem US-Sender CNBC: „Die nationale Verschuldung ist komplett außer Kontrolle. Der Zustand der Wirtschaft ist zu schlecht, um einen Abschwung auszuhalten.“

Aus Sicht von McKay-Shields-Manager Roberts versucht Trump zwar, mit seiner Steuerreform und anderen Staatsausgaben den Boom weiter künstlich in die Länge zu ziehen. Doch die Risiken würden dadurch nur größer: „Sollte die Blase platzen, wird es einen großen Knall geben.“

Für das erste Quartal hatten die USA noch ein Wachstum von gut drei Prozent, aufs Jahr hochgerechnet, ausgewiesen. Die Prognosen für die folgenden Quartale liegen deutlich niedriger. Viele Experten gehen davon aus, dass die Steuerreform an Wirkung verliert.

Mehr: Wie tief kann eine Bundesanleihe eigentlich fallen?

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