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Staatsbank KfW: Geburtstag in tiefster Krise

60 Jahre alt und angeschlagen: Eigentlich fühlen sich die KfWler als die Guten der Branche. Doch zum Geburtstag müssen sie Häme und Verluste verkraften. Zum Feiern ist kaum jemandem zu Mute. Denn die KfW steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte.
KfW: Häme zum Geburtstag. Foto: dpa Quelle: dpa

KfW: Häme zum Geburtstag. Foto: dpa

(Foto: dpa)

FRANKFURT. "Und dann so etwas hier!" Es ist nur eine einzige Seite, auf die Heinrich Harries herabschaut. Kurz hält er das zweifach gefaltete Papier ein paar Zentimeter hoch - sieht es halb traurig, halb verächtlich an. Dann legt er es wieder ab, gleich hinter den Einband des Buchs, das er selbst geschrieben hat. Das mehr als 300 Seiten dicke Buch handelt von der Geschichte der Förderbank KfW, das zweifach gefaltete Blatt Papier, das Harries darin aufbewahrt, ist eine Titelseite der Bild-Zeitung vom Oktober dieses Jahres. "Deutschlands dümmste Bank" steht darauf in großen weißen Buchstaben - und auch damit ist die KfW gemeint.

Solche Häme trifft Harries. Denn irgendwie fühlt sich der trotz seiner 77 Jahre immer noch stattlich wirkende Mann mit dem Seitenscheitel auch heute noch als KfWler. 40 Jahre hat er für die Bank gearbeitet, ist bis zum Vorstand aufgestiegen, hat später die Institutsgeschichte dokumentiert. Wenn jemand die KfW kennt, dann er. Und gerade für jemanden wie ihn sollte der heutige Tag ein besonderer sein: Der 60. Geburtstag der KfW. Doch zum Feiern ist derzeit niemandem zu Mute, in der KfW-Zentrale im vornehmen Frankfurter Westend. Denn die nach Bilanzsumme neuntgrößte Bank des Landes steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte.

Die Vorstandssprecherin im April zurückgetreten, zwei Vorstände im September entlassen. Ermittlungen und Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft, landesweiter Spott über eine Überweisung an die insolvente Investmentbank Lehman Brothers. Mehr als sechs Milliarden Euro Verlust im vergangenen Jahr, weitere 1,8 Mrd. Euro Verlust in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Das ist wahrlich nicht der Stoff, aus dem Jubiläumsfeiern gemacht werden.

Statt dessen sind viele der knapp 3800 Beschäftigten zutiefst geschockt über die öffentliche Kritik, die derzeit über sie hereinprasselt. Sie sind doch die Gut-Banker. So verstehen sie sich - seit 60 Jahren. Im staatlichen Auftrag sollen die KfWler über ihre Kredite mittelständische Unternehmen und die Wohnwirtschaft fördern, Umweltschutz, technologischen Fortschritt und Bildung unterstützen und die internationale Entwicklungshilfe ankurbeln. So steht es in der eigens für die Bank geschaffenen Weisung, dem KfW-Gesetz, das vor genau 60 Jahren am 18. November 1948 in Kraft trat.

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