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Staatsbanken Sberbank und VTB gründen eigene russische Airline

Russland beauftragt die zwei größten Staatsbanken mit der Gründung einer Fluggesellschaft. Sie soll das Problem der regionalen Flugverbindungen lösen.
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Russland will mit der zusätzlichen Airline vor allem den inländischen Flugverkehr stärken. Quelle: dpa
Fluggesellschaft

Russland will mit der zusätzlichen Airline vor allem den inländischen Flugverkehr stärken.

(Foto: dpa)

MoskauZwischen den Millionenstädten Omsk und Ufa liegen die Berge des Urals und 1100 Kilometer. Mit dem Zug sind Reisende fast einen gesamten Tag lang unterwegs. Auch mit dem Flugzeug wird die Reise zu einem Geduldsspiel: Fast neun Stunden dauert die kürzeste Verbindung, denn Fluggäste müssen den Umweg über Moskau nehmen.

In einem solch riesigen Flächenstaat wie Russland sind regionale Flugverbindungen eigentlich ein Muss, doch ist dieser Bereich enorm unterentwickelt. Die mangelhafte Infrastruktur behindert die wirtschaftliche Entwicklung – und beschäftigt die Regierung seit Jahren. Medienberichten zufolge hat das Kabinett nun die beiden größten Staatsbanken dazu verdonnert, Abhilfe zu schaffen: Die Sberbank und die VTB sollen eine auf den Regionalverkehr spezialisierte Fluggesellschaft aufbauen.

Die Ziele sind ehrgeizig: Zwischen sechs und zehn Millionen Passagiere soll die geplante Airline jährlich befördern. Damit würde das neue Unternehmen zur Nummer drei unter Russlands Fluglinien aufsteigen, hinter der marktbeherrschenden Aeroflot, die mit ihren Töchtern pro Jahr rund 50 Millionen Passagiere abfertigt, und der S7 Group, die auf 14 Millionen Fluggäste kommt. Der erste Start könnte frühestens 2019 erfolgen.

Präsident Wladimir Putin hat angeordnet, dass bis 2024 mindestens 50 Prozent der Inlandsflüge über regionale Strecken abgewickelt werden sollen, also nicht den Umweg über Moskau oder St. Petersburg nehmen müssen. Ohne staatliche Subventionen wird es nicht gehen: Die Luftfahrtbehörde RosAviazia hat jetzt schon 2,2 Milliarden Euro für die Umsetzung angefordert. Auch Sberbank und VTB werden sicher ihre Hand aufhalten.

Da sowohl Sberbank als auch VTB bislang keine Erfahrung in der Luftfahrt aufweisen, kooperieren die beiden Großbanken mit der in Boston ansässigen Unternehmensberatung Bain & Company. Über weitere Partner aus der Branche gibt es bislang keine Angaben.

Bain soll sowohl bei der Auswahl der Flughäfen als auch bei der Zusammenstellung der Luftflotte helfen. Vorerst gilt der Vertrag bis zum Jahresende. Die Beratung kostet die beiden Banken zusammen umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro. Die Folgekosten für den Aufbau der Airline sind um ein Vielfaches höher.

Die Risiken bei dem Projekt sind hoch: Die Zahlungsfähigkeit der Bürger in den Regionen ist begrenzt, was Nachfrage und Preise deckelt. Hohe Renditen erwirtschaften Fluggesellschaften eigentlich nur auf internationalen Routen.

Regionale Airlines stecken daher seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in einer Dauerkrise, sind abhängig von staatlichen und regionalen Subventionen. Es fehlen die finanziellen Möglichkeiten, Luftflotte und Infrastruktur zu modernisieren. Es ist wenig verwunderlich, dass regionale Airlines regelmäßig aufgeben.

Die finanziellen Möglichkeiten von Sberbank und VTB sind deutlich besser: Letztere erhöhte im August ihre Gewinnschätzung für das laufende Jahr auf umgerechnet knapp 2,3 Milliarden Euro. Auch die Sberbank steuert auf einen neuen Rekord zu. Das jüngst veröffentlichte Neun-Monats-Ergebnis der mehrheitlich staatlichen russischen Sparkasse lag bei fast 8,2 Milliarden Euro.

Die Banken sind auch schon lange nicht mehr rein auf den Finanzsektor beschränkt. Leasing- und Immobilienfirmen gehören seit Jahren zum Portfolio. Sberbank-Chef German Gref begeistert sich zudem für den gesamten Onlinebereich, hat Kooperationen mit dem russischen Internetgiganten Yandex geschlossen und selbst einige Internetprojekte gestartet.

Im Luftfahrtbereich hält die Sberbank immerhin bereits Anteile von knapp 20 Prozent an Oleg Deripaskas „Basel Aero“, die Flughäfen im südrussischen Gebiet Krasnodar managt. Das könnte den Einstieg in die Luftfahrt erleichtern.

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