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Start-up Eine brasilianische Digitalbank setzt auf deutsche Programmierer

Das brasilianische Fintech Nubank macht der deutschen Digitalbank N26 Konkurrenz. Doch Gründer David Veléz will noch viel mehr.
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Der Chef des Fintechs Nubank macht in Lateinamerika den großen Banken Konkurrenz. Quelle: Bloomberg/Getty Images
David Veléz

Der Chef des Fintechs Nubank macht in Lateinamerika den großen Banken Konkurrenz.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

São Paulo Zum fünften Mal. In einem halben Jahr. David Veléz war mal wieder am Metalldetektor in der Drehtür einer brasilianischen Bank hängen geblieben und wurde vom bewaffneten Sicherheitspersonal „wie ein Krimineller“ kontrolliert. Da hatte er die zündende Idee für ein Start-up, nach der er seit Jahren suchte: Er wollte den Brasilianern einfache, preiswerte, transparente Finanzdienstleistungen anbieten – nicht den überteuerten, schlechten Service, mit dem fünf Banken in Brasilien ihre Kunden seit Jahren abspeisen und dafür regelmäßig rekordhohe Profitmargen einfahren. Im Foyer von Nubank in São Paulo sind fünf graue Dinosaurier als Graffiti aufgesprüht, die in einer lila Wolke zu ersticken drohen. Lila, das ist die Farbe von Nubank, das Veléz 2013 mit seinen Partnern, der Brasilianerin Cristina Junqueira und dem Amerikaner Edward Wible in São Paulo gründete. Symbolträchtig in der Straße Califórnia im Stadtteil Brooklin.

Zuvor hatte der Kolumbianer nach dem Ingenieur-Studium in Stanford eine brasilianische Niederlassung aufgebaut für den Private-Equity-Fonds General Atlantic, den man in Deutschland als Flixbus-Investor kennt. Später suchte er für Sequoia, einen der erfolgreichsten Fonds des Silicon Valley, nach Start-ups in Lateinamerika.

Der heute 37-jährige stammt aus Medellín, das er als Achtjähriger mit seiner Familie wegen der Gewalt der Drogenmafias verlassen hatte. Mehrere Freunde wurden entführt. Er hat selbst als Kind zwei Bombenanschläge hautnah mitbekommen.

In Brasilien redet Veléz, der ein bisschen an den jungen George Clooney erinnert, auch nach elf Jahren im Land noch Portuñol, eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch. Seine Fremdheit hilft ihm als Unternehmer: Für Brasilianer seien die Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung Alltag, für ihn waren sie ein Startsignal.

Ähnlich giftig wie im Graffiti muss den etablierten Banken in Brasilien nun der rasante Aufstieg von Nubank vorkommen. Ab 2014 bot Nubank eine kostenlose Kreditkarte gemeinsam mit Mastercard an. Kontoeröffnung und alle Kommunikation werden über Smartphones abgewickelt. Nubank finanziert sich vor allem mit den Gebühren, welche das Unternehmen von den kommerziellen Nutzern erhebt. 2017 bot Nubank erstmals Kontokorrent- und Festgeldkonten an. Zwölf Millionen Kunden hat Nubank heute. Vor zwei Wochen hat Nubank 400 Millionen Dollar aufgenommen von Investoren unter der Führung des kalifornischen Fonds TCV. Nubank ist heute zehn Milliarden Dollar wert und damit eines der wertvollsten Fintech-Start-ups weltweit. Doch auch heute, nach mehreren Finanzierungsrunden, haben die drei Gründer noch die Kontrolle über das Unternehmen.

Nubank will nun in Argentinien und Mexiko starten, auch Märkte mit hoher Bankenkonzentration einerseits und vielen Smartphone-Nutzern ohne Bankkonto andererseits. Der Kundenstamm wachse schon heute monatlich um zehn Prozent, sagt Veléz.

Er hat in Medellín und später in Costa Rica deutsche Schulen besucht und spricht perfekt Deutsch. Er ist Fan deutscher Kultur, Literatur, Philosophie. In Köln hat er ein Jahr lang Mathematik studiert. Es ist kein Zufall, dass er seine erste Auslandsniederlassung von Nubank Ende 2017 in Berlin gegründet hat. Das Fintech hat dort Techniker und Programmierer eingestellt und entwickelt die Technologie dort selbst. Berlin sei attraktiv für Informatiker und Programmierer aus der ganzen Welt, vor allem aus Osteuropa. In Brasilien könnte er die nicht bekommen.

Viele hätten ihn davor gewarnt, in Lateinamerika den großen Banken Konkurrenz zu machen: Es seien heilige Kühe, kontrolliert von mächtigen Familien. Die Regulierer würden nicht mitmachen. „Umso schwieriger der Markteintritt erscheint, umso besser für uns“, sagt Veléz. Die Bankenkonkurrenz glaube, dass Nubank nur eine App anbiete. „Wenn sie in drei, vier Jahren merken, dass wir eine neue Kultur eingeführt haben, dann ist es für sie zu spät.“ Ein Kulturwandel mit 150.000 Mitarbeitern sei unmöglich. Die Kultur eines Start-ups entscheide sich in den ersten drei Monaten mit zwölf Mitarbeitern. „Sie muss stimmen, sonst geht das schief.“ Er wolle erreichen, dass die Brasilianer auch bei anderen Dienstleistungen die Qualität und den Service von Nubank verlangen, etwa bei Versicherungen oder Telekom. Tatsächlich ist es überraschend, wie schnell und unkompliziert man mit Nubank als Kunde kommunizieren kann. Das führt zu einer ungeahnten Kundenbindung: Im Foyer von Nubank gibt es einen Fanshop mit lila Schirmmützen, T-Shirts, Brillen.

Verkaufen wollten er und seine Partner Nubank noch nicht. „Wir sind erst in der zweiten Minute der ersten Spielzeit“, sagt Veléz. Zwei Milliarden Menschen weltweit hätten keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, aber ein Smartphone. Er zeigt auf einem Scrapboard, was seine Partner und er beim ersten Treffen notiert hätten: Als das „Big Hairy Audacious Goal“ (BHAG), das „große, haarige, verwegene Ziel“, steht da: „der einflussreichste Finanzdienstleister der Welt werden“.

Mehr: Obwohl vielen Fintechs eine Pleite droht, werden sie die Finanzbranche langfristig prägen, glaubt Katharina Schneider. Ein Kommentar.

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