Start-up-Förderung Mehr Geld für Gründer – KfW investiert 2 Milliarden Euro

Die neue Beteiligungsgesellschaft der KfW will deutlich mehr Geld in Jungunternehmen investieren. Ein Problem wird aber auch sie damit nicht lösen.
Kommentieren

„Nicht nur im Silicon Valley soll gegründet werden - sondern in Berlin, München und Köln “

FrankfurtDie Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) will die deutsche Gründerszene aufpäppeln. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat am Dienstag in Berlin den Startschuss für die neue Beteiligungstochter KfW Capital gegeben. Mit ihr will die staatliche Förderbank binnen zehn Jahren zwei Milliarden Euro in junge Unternehmen investieren. Langfristig soll so die private Wagniskapitalszene gestärkt werden.

„Wir wollen mehr Gründer in Deutschland. Im internationalen Vergleich haben wir Nachholbedarf“, erklärte Altmaier. Berlin hatte schon im März grünes Licht für das Programm gegeben. Es soll ein Grundproblem der deutschen Start-up-Szene lösen: Während für frisch gegründete Unternehmen zahlreiche Fördertöpfe bereitstehen, trocknen in der Aufbauphase viele Quellen aus.

So sammelten deutsche Gründer im ersten Halbjahr 2018 rund 2,4 Milliarden Euro ein, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Nur britische Jungunternehmer erhielten in Europa mit 3,1 Milliarden Euro mehr Geld. Danach kommt es in den Worten von KfW-Capital-Chef Jörg Goschin jedoch oft zu einem „Marktversagen“. In der Wachstumsphase nach der Gründung komme es zum Engpass: Dem steigenden Kapitalbedarf junger Unternehmer stehe schlicht kein ausreichendes Angebot gegenüber.

Erst wenn eine Firma erfolgreich sei, werde sie wieder für Private-Equity-Fonds interessant. Die KfW beziffert die Lücke auf 500 bis 600 Millionen Euro pro Jahr.

Die neue KfW-Tochter soll zumindest einen Teil schließen. Ihr Geld kommt aus dem sogenannten ERP-Sondervermögen aus den Nachkriegsjahren. Bundestag und Bundesrat hatten eine Neuverteilung der Mittel beschlossen und der KfW doppelt so viel Kapital bewilligt wie bisher.

„Die Gründung von KfW Capital und die Erhöhung des Kapitals sind ein wichtiger Schritt“, sagt Ulrike Hinrichs, Vorständin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Der Branchenverband erhofft sich mehr Effizienz, Unabhängigkeit und größere Nähe der staatlichen Venture-Capital-Geber zur Gründerszene.

Die neue KfW-Tochter meint es ernst mit dem Ziel, enger an die Start-up-Szene anzudocken. Nur die Hälfte des Teams stammt aus der Staatsbank, der Rest kommt aus der Wirtschaft. Das gilt auch für die Chefs: Während Alexander Thees seit 1996 bei der KfW ist, führte Kollege Jörg Goschin zuletzt den Gründerfonds der Maschmeyer-Gruppe.

KfW Capital soll bestehende Förderinstrumente bündeln: den High-Tech-Gründerfonds, den Wagniskapitalfonds Coparion und das Programm VC-Fondsinvestments. Die Gesellschaft investiert das Kapital in Fonds, die es Start-ups zur Verfügung stellen – sie muss so nicht jedes Geschäftsmodell selbst prüfen.

Als Leuchtturminvestor will man auch privates Kapital mobilisieren. Patrick Beitel, Mitgründer des Wagniskapitalgebers Digital + Partners, sieht die Staatsbank in einer Vorbildrolle: „Ein Investment sollte ein Gütesiegel sein, dem private institutionelle Investoren folgen können.“

KfW Capital hat sich selbst Obergrenzen auferlegt: „Wir dürfen Wagniskapitalfonds nur mit höchstens 20 Prozent ihres Fondsvolumens oder maximal 25 Millionen Euro kofinanzieren“, erklärt Goschin. Die Ausgründung hält ihr Chef für sinnvoll, weil KfW Capital weniger Regularien unterworfen sei als eine Bank. Die eigenständige Struktur helfe dabei, „uns klar zu fokussieren und aus der Kreditdenke herauszukommen“.

Ein Problem bleibt jedoch bestehen: Dass US-Start-ups bei Finanzierungsrunden oft größere Summen erhalten als ihre hiesigen Pendants, liegt laut Goschin nicht nur am größeren Kapitalangebot. Auch die Gründer seien mitschuldig: Schließlich wollten sie oft gar keine großen Summen aufnehmen, aus der Sorge, dass ihre Firmenanteile früh stark verwässerten.

Das sei zu kurz gedacht, denn so müssten die Unternehmer alle zwölf bis 18 Monate frisches Kapital auftreiben. „Die Gründer in den USA handeln da ein Stück weit unternehmerischer.“ Sie nehmen laut Goschin mehr Geld pro Finanzierungsrunde auf – und konzentrieren sich dann auf das eigentliche Geschäft.

Startseite

Mehr zu: Start-up-Förderung - Mehr Geld für Gründer – KfW investiert 2 Milliarden Euro

0 Kommentare zu "Start-up-Förderung: Mehr Geld für Gründer – KfW investiert 2 Milliarden Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%