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Start-ups Wie ein europäischer Fintech-Gigant entstehen könnte

Noch gibt es keinen einheitlichen Rahmen für digitale Finanztechnologien in Europa. Eine neue Studie formuliert nun Vorschläge, wie das geändert werden kann.
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In Deutschland können sich Fintechs bisher kaum durchsetzen. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
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In Deutschland können sich Fintechs bisher kaum durchsetzen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Berlin Es war ein äußerst ambitionierter Wunsch, den der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, seinerzeit formuliert hatte. Das nächste Facebook müsse aus Berlin kommen, forderte er noch zu seiner aktiven Amtszeit. Wie weit die deutsche Gründerszene nicht nur in der Hauptstadt davon entfernt ist, überhaupt große Start-ups hervorzubringen, zeigt die „Fintech-Roadmap Europa“ des Fintech-Rats, die dem Handelsblatt vorliegt.

Dieser vor zwei Jahren vom Bundesfinanzministerium gegründete Rat hat zur Aufgabe, das Ministerium aus erster Hand zu informieren, wo es bei den Finanz-Start-ups (Fintechs) hierzulande Probleme gibt und wie Abhilfe geschaffen werden kann. In der in der vergangenen Woche an den Finanzminister überreichten Roadmap kommt diese Vereinigung jetzt zu dem Fazit, dass vor allem Barrieren im EU-Binnenmarkt das Wachstums der jungen Unternehmen hemmen.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt fordert der Vorsitzende des Rates, Chris Bartz, deshalb mehr Hilfe vonseiten der Politik: „Wir müssen Hindernisse für grenzüberschreitende Tätigkeiten in Europa beseitigen.“ Deutschland und Europa hätten insgesamt das Potenzial, „in der Finanztechnologie eine weltweite Führungsposition einzunehmen“, so der Chef der digitalen Plattform für Vermögensverwalter, Elinvar.

Welche Hindernisse dabei aus dem Weg geräumt werden müssten, listet der Rat in seiner Roadmap auf. Nötig seien beispielsweise auf vielen Ebenen standardisierte Verfahren. Das könne bis hin zu einer europaweit zugänglichen Know-your-customer-Plattform führen, auf der Kunden eindeutig identifiziert werden könnten und die etwa im Kampf gegen Geldwäsche genutzt würde.

Erforderlich sei zudem ein technologieneutraler, nutzerfreundlicher Prozess in der Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung, ohne die bisherige Qualität zu beeinträchtigen. Außerdem bräuchten digitale Geschäftsmodelle rechtswirksame digitale Identitäten. Dabei müssten einmalig durchgeführte Identifizierungsprozesse auch wiederverwertbar sei.

Einheitlicher Rahmen gefordert

Unterstützt wird der Rat in seinen Forderungen vom Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies. „Wir wollen international ganz vorne mitspielen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, sagte er dem Handelsblatt

Europa brauche einen einheitlichen Rahmen für digitale Finanztechnologien, um einen wettbewerbsfähigen digitalen Finanzmarkt in der EU zu gewährleisten. Die Kraft des europäischen Binnenmarktes vollständig für digitale Geschäftsmodelle zur Entfaltung zu bringen sei „das große Ziel“ – die Roadmap enthalte dafür wichtige Impulse.

Im Fintech-Rat sitzen nicht nur Fintechs, sondern auch Vertreter von Banken und Bankverbänden. Der Rat repräsentiert mehrere Hundert Fintechs, die sich durch innovative Geschäftsmodelle im Bank- und Versicherungsbereich, bei der Vermögensverwaltung oder im Zahlungsverkehr auszeichnen. Zu den bekannten Unternehmen in Deutschland zählen beispielsweise die Smartphonebank N26, die Zinsplattformen Raisin oder Deposit Solutions sowie der Start-up-Brüter Finleap.

Vorsitzender Bartz sieht Deutschland und England als die führenden Fintech-Standorte in Europa. Derzeit böten die einzelnen Märkte für sich aber nicht die erforderlichen Skaleneffekte, um Innovationen zum Durchbruch zu verhelfen und einen europäischen Kundennutzen zu stiften. „Es nutzt nichts, wenn ich in Europa eine grundsätzliche Regelung habe, die aber national unterschiedlich umgesetzt wird“, so Bartz.

Das liegt seiner Einschätzung nach auch daran, dass einige EU-Staaten lokale Steuernummern von Kunden aus dem Ausland verlangten. Oder dass für Überweisungen vor Ort eine lokale IBAN-Nummer erforderlich sei. Ein großes Problem ist aus Sicht des Fintech-Rats zudem das Fehlen einheitlicher europäischer Identifizierungs- und Authentifizierungsstandards.

Prozesse beschleunigen

Nicht überraschend nehmen die Fintechs die Regulierung eher als bremsend wahr. Um Europa wettbewerbsfähig zu positionieren, bedürfe es einer Beschleunigung des Innovationsvermögens. „Der Umgang von Regulatoren mit Innovationen ist entscheidend für die Entwicklung eines Technologiestandortes“, heißt es in der Roadmap. Wünschenswert sei zudem der Ausbau der Tech-Expertise bei den nationalen Aufsehern.

Als einen Wettbewerbsvorteil sieht der Fintech-Rat die Fähigkeit Europas, gemeinsam globale Standards zu setzen, wie beispielsweise bei der Datenschutzgrundverordnung. Das sei eine EU-einheitliche Grundlage und wurde auch von US-Softwareunternehmen wie Microsoft adaptiert. „Das ist ein Beweis dafür, dass Europa Standards setzen kann, die globale Gültigkeit erlangen können“, meint Bartz.

Der Vorsitzende der Fintech-Rates sieht die Finanztechnologie vor einer ähnlichen Aufgabe wie früher die Industrie. Es entwickelt sich ein Ökosystem, das neue Standards braucht. Deutschland hat mit Beispielen wie den DIN-Normen bereits gezeigt, welches Potenzial für eine Industrie in skalierbaren Standards liegt.

„Aber wenn wir keine Standards für Finanztechnologie-Ökosystem setzen, werden sie außerhalb Europas geschaffen“, ist sich Bartz sicher. Dann muss man wohl weiter auf ein Unternehmen wie Facebook made in Europe warten.

Mehr: Facebook startet einen neuen Bezahldienst, Google bietet Bankkonten mit der Citigroup an. Das Geschäft mit den Finanzen bietet Zugang zu lukrativen Daten.

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