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Stefan Keitel Chef der Deka Investment: „Dividendenpapiere stehen vor einer Renaissance“

Wertpapierstratege Stefan Keitel rechnet mit einem starken zweiten Halbjahr an den Börsen. Anleger sollten trotzdem bescheidenere Erwartungen hegen.
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Stefan Keitel: „Dividendenpapiere stehen vor einer Renaissance“ Quelle: Hindustan Times/Getty Images
Stefan Keitel

Der Deka-Investment-Chef rechnet damit, dass der Dax im Jahresverlauf weiter steigt.

(Foto: Hindustan Times/Getty Images)

FrankfurtFür Stefan Keitel, den Chef der Anlagegesellschaft Deka Investment, wird die zweite Hälfte dieses Jahres bei Aktien vermutlich mehr bringen als die ersten sechs Monate. Der 49-jährige Wertpapierstratege geht davon aus, dass der Dax Ende Dezember dieses Jahres fünf bis zehn Prozent höher notieren wird als aktuell.

Dabei sagt Keitel eine Renaissance der Dividendenpapiere voraus, die Schere zwischen den hohen Bewertungen für Technologieaktien und den niedrigen Bewertungen für Substanzwerte werde sich im Konjunkturabschwung schließen. Generell müssten sich die Anleger auf etwas niedrigere Renditen einstellen, wenn sie nicht in risikoreichere Papiere gehen wollten.

Von der Zinsseite rechnet Keitel nicht mit Störfeuer der Notenbanken, große Zinsschritte nach oben seien in den kommenden Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks nicht zu erwarten.

Lesen Sie hier das komplette Interview

Herr Keitel, der Dezember verlief an den Aktienmärkten grottenschlecht. Januar und Februar bringen jetzt teilweise ordentliche Kurssteigerungen. Hält diese Achterbahnfahrt an?
Es stimmt, der Dezember war sogar der schlechteste seit rund 100 Jahren. Gleichzeitig brachte der Januar die höchsten Kursgewinne seit Ende der 80er-Jahre. Ich denke, mit solchen Kursausschlägen werden wir auch in den nächsten Jahren leben müssen.

Die Anleger suchen auch in unruhigen Zeiten nach Orientierung. Wie passen Sie sich den Herausforderungen an?
Im ersten Halbjahr werden die Aktienkurse nach dem starken Januar nicht mehr spürbar steigen. Dafür gibt es zu viele Unsicherheiten im Markt: etwa der Zustand der Konjunktur, die anhaltend negativen Gewinnrevisionen, die künftige Notenbankpolitik, der Brexit und die Europawahl Ende Mai. Aber im zweiten Halbjahr sollte das Potenzial für Kurssteigerungen wieder größer sein.

Und was heißt das für den deutschen Leitindex, den Dax?
Ich denke, der Dax steht Ende Dezember rund fünf bis zehn Prozent höher als heute. Wir rechnen nur mit einer Konjunkturdelle, nicht mit einer Rezession. Ich sage eine Renaissance der Dividendenpapiere voraus.

Was spricht dafür?
Die Aktien haben im Grunde seit drei Jahren unterdurchschnittlich abgeschnitten, sie haben „underperformed“. Die Schere zwischen den hohen Bewertungen für Technologieaktien und den niedrigeren Bewertungen für Substanz-Titel wird sich in einer konjunkturellen Abkühlung tendenziell schließen. Außerdem sind die Zinsängste weitgehend verschwunden. Wir rechnen mit weiter anhaltenden Niedrigzinsen, da sind drei Prozent Dividendenrendite im Vergleich dazu schon viel.

Es geht ja nicht nur um Aktien. Wie sieht ein Musterdepot bei Ihnen heute aus?
Das Gewicht der Aktien steht in unserem Strategie-Portfolio zurzeit bei 40 Prozent, bei einer Bandbreite von 20 bis 60 Prozent. Rund 25 Prozent entfallen auf Staatsanleihen aus entwickelten Ländern, ein knappes Viertel auf andere Zinspapiere, auch aus Schwellenländern, ein kleiner Anteil ist in Rohstoffen investiert, und zehn Prozent gehen als Manövriermasse für antizyklische Kaufgelegenheiten in die Liquidität. Wichtig ist, dass man global investiert.

Wo genau investieren Sie denn?
Schwellenländer, vor allem aus Asien, halten wir für attraktiv, ebenso Japan. Danach folgen Europa und die US-Märkte etwa gleich gewichtet.

Welche Rendite kann man aus so einem diversifizierten Portfolio erwarten?
Da sollte ich vorausschicken, dass die Investoren ihre Renditeerwartung in den kommenden Jahren nach unten anpassen müssen. Oder aber sie heben ihr Risikobudget an, sprich, sie wagen mehr. Die Renditeerwartungen über alle Anlageklassen sind niedriger als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Wenn ich das Risikobudget unverändert lassen will, kann ich nur sehr begrenzt in Aktien oder andere Risiko-Assets investieren – mit der Folge sehr niedriger Erträge.

Das beantwortet nicht die Frage nach der Renditeerwartung.
Da weiche ich auch nicht aus. Bei einem konservativ ausgerichteten Multi-Asset-Portfolio kann der Anleger nicht mehr wie früher drei bis vier Prozent, sondern netto nur noch ein bis zwei Prozent erwarten. Und selbst um das zu erreichen, muss es neben der strategischen Grundausrichtung auch taktische Entscheidungen geben. Aktives Management ist im aktuellen Umfeld sehr wichtig geworden.

Erwarten Sie denn kein Störfeuer mehr durch anziehende Zinsen?
Nein, denn die Notenbanken werden zukünftig in Schwächephasen noch mehr Zurückhaltung zeigen als heute. Ich rechne in den kommenden Jahren nicht mit großen Zinsschritten dies- und jenseits des Atlantiks. Ich sage sogar voraus, dass im Jahr 2021 die Zinsen in den USA nicht höher, sondern niedriger stehen als heute. Und die Europäische Zentralbank wird die Zinsen niedrig lassen.

Der bekannte Hauptversammlungsredner Ingo Speich kommt von der Union Investment zu Ihnen und übernimmt die Leitung der Bereiche Nachhaltigkeit und Corporate Governance. Was versprechen Sie sich davon?
Die Kunden kaufen heute schon mehr Produkte, die das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigen. Das werden wir ausbauen. Schon bisher haben wir die Nachhaltigkeitssicht im gesamten Investmentprozess verankert. Renditenachteile sind im Übrigen nicht nachzuweisen.

Der Bereich ist mit knapp elf Milliarden Euro aber sehr klein.
Ja, bei einem gesamten verwalteten Vermögen von knapp 300 Milliarden Euro in der Deka-Gruppe klingt das wenig. Aber es wird deutlich mehr werden.

Und was dürfen wir von den Hauptversammlungen erwarten? Wird die Deka da lauter werden?
Wir geben unseren Anlegern eine deutlich vernehmbare Stimme. Wir wollen den Wandel begleiten. Mit dieser Haltung sind wir zuletzt etwa bei den Aktionärstreffen von Siemens und Thyssen-Krupp aufgetreten. Natürlich werden wir auch Druck entwickeln, wenn wir glauben, dass das bei der Transformation der Geschäftsmodelle nötig ist. Und das geht am besten, wenn man auch investiert ist.

Herr Keitel, vielen Dank für das Interview.

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