Steinbrück-Debatte Was Sparkassen-Chefs verdienen

Fast jeder Sparkassenchef in NRW verdient mehr als die Kanzlerin, sagt SPD-Kandidat Peer Steinbrück. Auf Alexander Wüerst, Chef der Kreissparkasse Köln, trifft das zum Beispiel zu. Auf viele andere auch – eine Übersicht.
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Alexander Wüerst, Vorstandschef der Kreissparkasse Köln, ist Spitzenverdiener im nordrhein-westfälischen Sparkassenlager. Quelle: EUROFORUM Deutschland SE, Dietma

Alexander Wüerst, Vorstandschef der Kreissparkasse Köln, ist Spitzenverdiener im nordrhein-westfälischen Sparkassenlager.

(Foto: EUROFORUM Deutschland SE, Dietma)

DüsseldorfSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat zum Jahreswechsel viel Aufmerksamkeit geerntet. Seine Anmerkung, dass das Amt des Bundeskanzlers eine bessere Bezahlung verdiene, hat ihm Ärger eingebracht – auch bei den Grünen, dem angestrebten Koalitionspartner. „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin“, hatte Steinbrück zur Begründung gesagt. Eine Analyse von Handelsblatt Online zeigt: Steinbrück hat zumindest teilweise recht.

Seine Aussage trifft dann weitgehend zu, wenn man den Begriff Sparkassendirektor als „Vorstandschef“ interpretiert. Denn den Titel eines Sparkassendirektors tragen teilweise auch Mitarbeiter anderer Hierarchieebenen wie etwa Geschäftsstellenleiter.

Insgesamt 107 Sparkassen gab es im Jahr 2011 in Nordrhein-Westfalen (2012: 106). Von denen haben die meisten Details zur Vorstandsvergütung veröffentlicht. Insgesamt 83 der 107 Geldhäuser veröffentlichten für das vorvergangene Jahr zumindest Angaben zu der Vergütung des Gesamtvorstands, der sich aus zwei bis fünf Mitgliedern zusammensetzt. 76 Sparkassen berichteten auch über das Gehalt des Vorstandschefs – der Großteil nannte auch die Bezüge der einzelnen Vorstände.

Die Daten stammen aus den Jahresberichten der Sparkassen, die diese zumindest im Bundesanzeiger veröffentlichen. Die Institute sind laut dem in NRW geltenden Transparenzgesetz eigentlich alle zur Veröffentlichung verpflichtet, zumindest müssen die Träger der Sparkassen daraufhin wirken. „Einige veröffentlichen noch nicht, aber das Land nimmt das ernst und drängt darauf, das alle die Daten publizieren“, so eine Sprecherin des Finanzministeriums zu Handelsblatt Online.

Nach Informationen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes gibt es in anderen Bundesländern keine vergleichbare Regelung. Einzig die Gesamtvergütung würden etliche Kassen auch jenseits von NRW veröffentlichen, zentral erfasst werden diese Daten aber nicht.

Aber auch die Gehälter der NRW-Vorstände, die bislang nicht veröffentlicht worden sind, lassen sich schätzen. Denn die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen orientieren sich bei den Gehaltsverhandlungen in der Regel an Empfehlungen der beiden Sparkassenverbände des Bundeslandes. Ein maßgeblicher Faktor ist dabei die Größe des Instituts gemessen anhand der Bilanzsumme. Branchenkenner gehen man davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis alle Sparkassen die Daten freiwillig offenlegen.

Durchschnittseinkommen: 318.799 Euro
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83 Kommentare zu "Steinbrück-Debatte: Was Sparkassen-Chefs tatsächlich verdienen"

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  • Es ist schon erschreckend, was diese Typen verdienen, nein ich meine, bekommen. Und das alles für regelmäßige Fehlentscheidungen, für die sie natürlich nicht haften müssen (WestLB lässt grüßen), dafür, dass sie ihre Mitarbeiter immer mehr unter enormen Druck setzen und ihre Institute oft nicht im Griff haben. Es ist letztendlich wie überall; hat man einmal eine solche Position, kann man nahezu alles machen, was man will, wen juckt's schon. Und die Taschen werden sich natürlich ganz zuerst richtig voll gemacht!!!

  • Politiker sollten soviel das sie garnicht erst in Versuchung kommen die Möglichkeiten ihres Amts allzu sehr für zweifelhafte Zwecke auszunutzen. Jeder Mensch hat seinen Preis, auch Sie haben ihren Preis, wo sie Fünfe gerade sein lassen.

    Nach Ihrer Logik kann man auch Soldaten mit allerlei Fähigkeiten und Waffen ausstatten, und denen dann vor den Kopf klatschen: Bezahlen tue ich nicht, nee ich entlasse euch sogar. Was denken Sie was dann passiert?
    (Hinweis: Dafür gibt es sogar ein konkretes Beispiel: Executive Outcomes)

    Sie argumentieren wie ein vermeindlicher Gutmensch. Sie empören sich über andere. Sie glauben, dass so genannte zivilisierte Gesellschafte den Materialismus überwunden hätten. Sie glauben wirklich daran, dass alle Menschen sooo integer sein müssten wie die Jungfrau Maria. Öffne Sie ihre Augen. Die Welt funktioniert so nicht. Jeder hat seinen Preis. JEDER.

    Herr Steinbrück hat Recht. Wenn das "Volk" wirklich sicherstellen will, dass die gewährte Macht nicht für Interessen Dritter missbraucht wird, dann muss das "Volk" dafür bezahlen. Klar kann man quasi "umsonst" gegen vorgehen via Gesetze, Kontrolle, Vorbote, Offenlegungspflichten, usw. Aber das ist ziemlich wirklos, weil man sowas immer "legal" umgehen kann.

    Eigentlich sind Sie ja schon auf den richtigen Weg, wenn sie grundsätzölich annehmen, dass Politiker korrupt sind. Und das beste Mittel gegen Korruption ist, es einfach mehr zu zahlen als die Korrumpierenden (Und nicht weniger).

  • Wunderschön diese Deutsch-typische Neiddebatte, die das HB hier losgetreten hat. Da kann sich mal wieder jeder, der keine Ahnung hat, ausko...en. Wie wäre es denn, wenn auch die Gehälter der Chefredakteure, Herausgeber etc des HB zum Vergleich mit veröffentlich werden.
    Oder gleich Modell Schweden: alle Steuererklärungen können im Internet angesehen werden.

  • @eee
    "Vorstand einer Privatbank verdient."
    Verdient?! Sie meinten wohl "in die eigene Tasche legt"?

    Ich kann es kaum glauben, dass ein Vorstandsmitglied irgendeiner Bank wirklich so viel nützliches für die Gesellschaft tut, als 10 (und mehr) Ingenieure, die von gleichem Geld bezahlt werden könnten.

  • @Wahrheitsfinder
    sehr anstrengend, dass Sie die Fakten nicht anerkennen wollen.
    Der Gewinn einer Sparkasse bemisst sich nach Erträgen und Kosten gemäß Einkommensteuergesetz in der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Steuersatz, mit der Gewinne in der Sparkasse versteuert werden, liegt wie bei allen Kapitalgesellschaften bei ca. 30% inkl. Soli, Gewerbesteuer usw.), bei einem Vorstandsgehalt von 320.000 € also bei ca. 95.000 € weniger an Steuern

    Bei gleichem steuerlichen Ergebnis würde der Staat ca. 45.000 Euro mehr an Steuereinnahmen (=141.000 €) aus dem Vorstandsgehalt erhalten, wie ein Besuch der diversen Online-Steuerrechner belegt. Die Gesamtsteuerbelastung liegt hier bei ca. 44%.

    Dass alle Sparkassenvorstände und auch sonstige Spitzenverdiener mit Verlustzuweisungen, Abschreibungen und so weiter nur so um sich werfen, ist einfach eine Unterstellung. Man sollte sachlich bleiben und gleiches mit gleichem vergleichen!

    hier mal zum nachrechnen:

    http://körperschaftsteuer.org/Koerperschaftsteuerrechner.html
    http://www.n-heydorn.de/steuer.html

  • Der Grund, warum Herr Steinbrück diese Aussage trifft, wird wohl kaum sein, dass er Frau Merkel bemitleidet. Eher möchte er einen Hinweis darauf geben, das Kanzlergehalt zu erhöhen, damit er, wenn er die Chance auf die Kanzlerposition hat, mit mehr Geld nach Hause gehen kann. (Das wäre meine Ansicht dazu...) Das ist in meinen Augen mehr als eigennützig. Ich denke doch, dass Frau Merkel es mit ihrem Gehalt schafft, einen gewissen Lebensstandard zu finanzieren. Sie nagt gewiss nicht am Hungertuch.
    Natürlich wird in diesem Artikel auch darüber gesprochen, dass Sparkassenvorstände laut Medien zu viel verdienen. Ob die Bezahlung in Einzelfällen angemessen ist, kann ich nicht beurteilen. Jedoch sollte man meiner Meinung nach keine „kleine Sparkasse“ mit der Bundeskanzlerin vergleichen. Außerdem: wenn es um zu hohe Gehälter geht, dann sollte man als Beispiel doch eher eine Deutsche Bank oder andere Privatbanken vorziehen. Diese werden immer (und immer öfter) wegen genau solchen Themen kritisiert. Warum dann auf eine Sparkasse losgehen? Die Banken, die SOZIAL sind, die für etwas stehen, die nicht in irgendwelche Insider-Handel oder Derivat-Geschäfte (mit welchen man natürlich zusätzlich Kohle verdienen kann) verstrickt sind! Ich denke, dass ein Sparkassenvorstand im Vergleich nur einen Teil dessen verdient, was der Vorstand einer Privatbank verdient.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Stimmt, und dabei fällt mir mein neues Lieblingsthema ein. Sparkassengesetz.
    Bürgermeister sind lt. Gesetz verpflichtet, alle Ihre Einkünfte zu veröffentlichen. Sehr viele tun das tatsächlich. Bis ich in der Veröffentlichung der Bürgermeisterin meiner Heimatstadt Hattingen lesen mußte, daß die Veröffentlichung Ihrer Einnahmen von der Städt. Stadtsparkasse gemäß SPARKASSENGESETZ untersagt sei! Der Gesetzgeber bezweckte somit die Verfilzung von Politik und städtischen Pfründen und profitiert letztendlich selbst davon. Der Nutznießerkreis ist riesengroß! Alles Krähen, zum Nachteil der produktiv arbeitenden Bevölkerung und der Verantwortung tragenden Unternehmer. Da darf man sich nicht über Schwätzer mit Teilhabegelüsten wie Onkel Peer wundern.

  • Angenommen ihnen steht der Gewinn einer GmbH zu. Zahlen Sie dann darauf nochmal Einkommensteuer in Höhe von 46% oder nicht sie dämlicher Idiot?

    Aber den Verlust eienr GmbH der ist Privatsache . Gewerkschafts Schutzgederrpresse aus dem Arbeotsplatzkartell erwarten doch allen ernstes daß diue unternehmer ihre privaten Häuser dafür hyüoterkarisch ebalsten damit so ein Schamrotzer der den ganzen tag nase borht und seinen chef verleumdet sein gehalt aus einer Defizitären Unternehmung bekomtm.
    Da muß das Finazmat eigentlich die Unternehemr schützen!

    Lediglich wenn der Unternehmer zugleich Angestellter ist darf eine Ausnahme gemacht werden nach der Gehälter aus Shculden fianziert werde können (Handwerskbetrieb als kapitagesellschaft in denen der Meister sich ein Geschäftsführergehalt bezahlt)

  • Als ich bei Handelsblatt- online die Einkünfte der Vorstände und Geschäftsführer sah, wurde mir klar, warum die Sparkassen so hohe Zinsen nehmen. Die gehälter sind exorbitant hoch und schöpfen, bei den Kunden, nur unnötig Kaufkraft ab. Zur Aussage von Peer Steinbrück, man muss mit Geld auch umgehen können. Wenn man das kann, benötigt man keine halbe Million Einkünfte.

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