Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stellenabbau Zielke verteidigt Commerzbank-Umbau in Brief an Mitarbeiter

Vorstandschef Martin Zielke erklärt in einem Schreiben an die Mitarbeiter die Kürzungen – aber auch, wie er die Bank wetterfest und digitaler machen will.
1 Kommentar
Zielke plant, die polnische M-Bank zu verkaufen und die Onlinetochter Comdirect in den Konzern zu integrieren. Quelle: Reuters
Martin Zielke

Zielke plant, die polnische M-Bank zu verkaufen und die Onlinetochter Comdirect in den Konzern zu integrieren.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Commerzbank-Chef Martin Zielke mutet seinen Mitarbeitern viel zu. Vor drei Jahren verkündete er im Rahmen der Strategie „Commerzbank 4.0“ die Zusammenlegung von Mittelstandsbank und Investmentbank sowie den Abbau von 9600 Vollzeitstellen. Im Rahmen von „Commerzbank 5.0“ sollen nun weitere 4300 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Zudem plant Zielke, die polnische M-Bank zu verkaufen und die Onlinetochter Comdirect in den Konzern zu integrieren.

Der Umbau in den vergangenen drei Jahren habe viel Kraft gekostet, schrieb Zielke in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem Handelsblatt vorliegt. „Und ich bin mir bewusst, dass wir in vielen Bereichen noch im Umbau stecken.“

Es sei jedoch offensichtlich, dass die Bank auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren müsse – „und zwar umgehend. Denn die Welt dreht sich immer schneller, und Innovationszyklen werden immer kürzer.“ Die Wünsche der Kunden hinsichtlich digitaler und mobiler Angebote sowie persönlicher Beratung änderten sich rasant.

„Gleichzeitig sind wir – trotz aller Fortschritte – bei der Digitalisierung noch nicht schnell genug vorangekommen“, räumte Zielke ein. Außerdem habe das Geldhaus in einem schwieriger werdenden Umfeld seine Ertragsziele nicht erreicht.

Die jüngste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank und die Konjunkturabkühlung verschärften die Lage nun weiter – und zwar für die gesamte Bankenbranche. „Wir gehen davon aus, dass weitere Marktbereinigungen in der europäischen Bankenlandschaft bevorstehen“, prognostiziert der Vorstandschef. „Es sind stürmische Zeiten.“

Grafik

Die Commerzbank wolle ihr Geschäftsmodell deshalb wetterfest machen. Die Erlöse durch den geplanten Verkauf der M-Bank versetzten die Commerzbank in die Lage, „unsere Handlungsfreiheit für die Zukunft aus eigener Kraft zu sichern“, schrieb Zielke. „Gleichzeitig müssen wir mit unseren Ressourcen weiter haushalten, Doppelinvestitionen vermeiden und Know-how bündeln.“

Die Onlinetochter Comdirect, an der die Frankfurter aktuell nur 82 Prozent halten, soll deshalb komplett geschluckt und integriert werden. „So können wir die hohe Kompetenz der Comdirect als Vorreiter der Digitalisierung in der Branche für alle unsere Kunden und für die Transformation der Bank optimal nutzen.“

Das Netz aus 1000 Filialen hatten Zielke und sein Privatkundenchef Michael Mandel bisher stets verteidigt. Im Rahmen der neuen Strategie legen sie nun eine Kehrtwende hin und schließen rund 200 Geschäftsstellen.

„Die Digitalisierung verändert das Kundenverhalten“, erklärte Zielke. „Das hat zur Folge, dass wir unsere Leistungen mit weniger Mitarbeitern und an weniger Filialstandorten erbringen werden. Deswegen ist ein Stellenabbau leider unvermeidbar.“

Zielke verspricht fairen und sozialverträglichen Abbau

Parallel zum Abbau von 4300 Stellen will die Bank in anderen Bereichen 2000 neue Arbeitsplätze schaffen. Unter dem Strich fallen somit rund 2300 Stellen weg. „Ich kann Ihnen versichern, dass meine Vorstandskollegen und ich uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht haben“, schrieb Zielke.

Das Institut werde alles dafür tun, um den „Personalabbau so fair und sozialverträglich wie möglich zu gestalten“. Die Details sollen in den nächsten Wochen ausgearbeitet und mit den Arbeitnehmern diskutiert werden.

Ratingagentur Moody's sieht Umbaupläne kritisch

Die Ratingagentur Moody's lässt kein gutes Haar an den Umbauplänen der Commerzbank. Durch den geplanten Verkauf der polnischen Tochter mBank verliere die Bank einen wichtigen Ertragsbringer und erhöhe gleichzeitig ihre Abhängigkeit vom chronisch margenschwachen deutschen Heimatmarkt, kritisierte Moody's.

Die Bank werde sich schwer tun, ihre Erträge zu stabilisieren. Selbst bei einem Erreichen der selbstgesteckten Ziele werde die Commerzbank nur eine Rendite von vier Prozent schaffen, eine im internationalen Vergleich "sehr niedrige Zahl". Aus diesen Gründen bewerte Moody's die Umbaupläne als negativ für die Kreditwürdigkeit des Frankfurter Instituts.


Mehr: Commerzbank-Chef Martin Zielke tut, was er kann, um die Zukunft des Frankfurter Geldinstituts zu sichern. Aber es ist fraglich, ob das noch ausreicht.

Startseite

Mehr zu: Stellenabbau - Zielke verteidigt Commerzbank-Umbau in Brief an Mitarbeiter

1 Kommentar zu "Stellenabbau: Zielke verteidigt Commerzbank-Umbau in Brief an Mitarbeiter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Qualität der Strategie beider deutschen großen Privatbanken zeigt sich an den Aktienkursen. Sie sind ein Maßstab des Vertrauens, gemessen an Ergebnissen der Vergangenheit und von den Aktionären in die Zukunft projiziert. Das Vertrauen ist zerstört. Ein langjähriges Werk der Ausichtsräte.

Serviceangebote