Strafe für Wells Fargo Hart, aber nicht hart genug

US-Aufseher setzen mit massiven Auflagen ein wichtiges Zeichen. Andere Behörden sollten sich ein Beispiel nehmen. Ein Kommentar.
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Millionen von Fake-Kontos eröffneten Berater der Wells Fargo Bank, schädigten damit ihre Kunden und besserten ihre eigenen Bonuszahlungen auf. Jetzt muss die Bank eine Milliarde Dollar Strafe zahlen. Quelle: AFP
Wells Fargo-Kunde

Millionen von Fake-Kontos eröffneten Berater der Wells Fargo Bank, schädigten damit ihre Kunden und besserten ihre eigenen Bonuszahlungen auf. Jetzt muss die Bank eine Milliarde Dollar Strafe zahlen.

(Foto: AFP)

New YorkDiese außergerichtliche Einigung sollte Banken aufhorchen lassen. Wells Fargo zahlt nicht nur eine Milliarde Dollar Strafe an zwei verschiedene US-Aufseher, um systematisches Fehlverhalten bei Kontoeröffnungen und der Vergabe von Autokrediten und Hypotheken wiedergutzumachen. Die Bank gewährt einem von ihnen auch das Recht, Top-Manager und Verwaltungsräte zu entlassen, wenn die Bank sich nicht bessert.

Das ist ein wichtiges Signal. Strafen alleine – das hat die Finanzkrise gezeigt – reichen nicht zur Abschreckung. Doch wenn die Verantwortlichen wissen, dass sie ihren Job, ihren Ruf und ihre Karriere riskieren, bekommen Vergehen die richtige Fallhöhe.

Sicher, Wells Fargo musste im Zuge verschiedener Skandale zwar bereits den Chef austauschen. Doch der langjährige CEO John Stumpf trat erst nach einer desaströsen Anhörung im Senat zurück und nicht, weil er Verantwortung für die rund drei Millionen Kunden übernehmen wollte, die von den Skandalen betroffen sind.

Nun hat Amerikas drittgrößte Bank gleich zwei ungewöhnlich harte Auflagen. Die US-Notenbank Federal Reserve, die gleichzeitig ein wichtiger Bankenaufseher ist, hat ihr bereits Februar eine Wachstumssperre verhängt. Die Bilanzsumme des Instituts aus San Francisco darf die Marke von zwei Billionen Dollar nicht überschreiten. Das ist das Niveau von Ende 2017. Der für das Kreditwesen zuständige Regulierer OCC kann künftig Manager und Verwaltungsräte entlassen und deren mögliche Nachfolger ablehnen.

Es grenzt an Ironie, dass ausgerechnet jene Bank nun so hart bestraft wird, die jahrelang vorgegeben hat, besonders integer zu sein. Doch es ist erfrischend zu sehen, dass US-Aufseher auch unter der bankenfreundlichen Trump-Regierung neue Möglichkeiten finden, um ihre Arbeit zu machen. Schade nur, dass die OCC von ihrer neuen Personal-Macht nicht jetzt schon gebrauch gemacht hat.

Das Modell jedoch sollte auch andere Aufseher inspirieren. Nicht nur in den USA und nicht nur im Finanzsektor.

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