Strategiesitzung Deutsche Bank spielt Fusionsszenario mit Schweizer UBS durch

Deutschlands größtes Geldhaus denkt neben der Commerzbank über alternative Zusammenschlüsse nach. Dabei sticht ein Partner heraus: die UBS. Eine Fusion wäre jedoch kompliziert.
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In Frankfurt sind die Banken bereits Nachbarn. Quelle: Bloomberg
Deutsche Bank und UBS

In Frankfurt sind die Banken bereits Nachbarn.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtWenn der Vorstandschef der Deutschen Bank in diesen Tagen in der Öffentlichkeit auftritt, dann achtet sein Publikum auf jedes Wort. Vielleicht sagt Christian Sewing ja zwischen den Zeilen etwas Neues zum Thema Fusionen.

Am vergangenen Montag bei der Eröffnung des Tages der Deutschen Industrie in Berlin versprach Sewing, dass die Deutsche Bank an ihrem globalen Anspruch festhalten wolle. Jetzt gelte es allerdings erst einmal, wieder attraktive Renditen zu erzielen, dann könne man auch wieder über andere Dinge sprechen.

Wie diese anderen Dinge aussehen könnten, darüber spekuliert die Finanzszene seit Wochen. Kern der Gerüchte ist die Frage, ob die Deutsche Bank und die Commerzbank nicht gemeinsame Sache machen sollten, um einen nationalen Champion zu schaffen.

Angeheizt wurde die Fusionsfantasie durch Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der beklagt, dass es Deutschland und Europa an international wettbewerbsfähigen Banken fehle. Für viele ist ein Zusammenschluss zwischen den Frankfurter Nachbarn deshalb keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann.

Was aber, wenn eine andere Kombination attraktiver wäre, zumindest finanzmathematisch und aus Sicht der Aktionäre? Auf ihrer jährlichen Strategiesitzung Mitte September spielten Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank eine ganze Reihe von Szenarien durch, darunter auch Fusionen mit unterschiedlichen Partnern.

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Aber nur zwei dieser Optionen waren der Bank einen sogenannten Deep Dive wert, bei dem die hauseigenen Strategen Kennzahlen und Logik eines Zusammenschlusses bis in die Details hinein ausleuchten. Zum einen tauchten die Banker tief in eine mögliche Fusion mit der Commerzbank ein, aber auch ein Zusammengehen mit der Schweizer Großbank UBS sei den Strategen des Frankfurter Geldhauses einen sehr genauen Blick wert gewesen, heißt es in Finanzkreisen. Die Bank sagt dazu nichts

Frankfurt als Juniorpartner

Die Schweizer Variante habe dabei zumindest aus dem Blickwinkel der Aktionäre und auf dem Papier besser abgeschnitten, erfuhr das Handelsblatt von mehreren Insidern. Der Grund: Deutsche Bank und UBS würden sich mit ihren unterschiedlichen Stärken im Investmentbanking beziehungsweise in der Vermögensverwaltung gut ergänzen. Von allen vorgestellten Optionen sei unter wirtschaftlichen Aspekten die UBS hervorgestochen, heißt es.

Tatsächlich gebe es bei einem Zusammenschluss mit den Schweizern weniger Überlappungen als bei einer Übernahme der Commerzbank. Die UBS hat sich nach den Verwerfungen der Finanzkrise auf ihre klassische Stärke, die Vermögensverwaltung, konzentriert. Dort erwirtschafteten die Schweizer im ersten Halbjahr 2018 mit rund 8,3 Milliarden Franken über die Hälfte aller Erträge und mit einem operativen Gewinn von knapp 2,2 Milliarden Franken beinahe zwei Drittel des Ergebnisses.

Bei der Deutschen Bank steht dagegen die Unternehmens- und Investmentbank mit Einnahmen von 7,4 Milliarden Euro für deutlich mehr als die Hälfte der Erträge. Die einstige Vorzeigesparte erwirtschaftete in den ersten sechs Monaten mit 680 Millionen Euro auch deutlich über 50 Prozent des Gewinns vor Steuern. Allerdings fiel der mit 1,1 Milliarden Euro im Vergleich zu dem der Schweizer bescheiden aus.

Die UBS verdiente in den ersten sechs Monaten 3,7 Milliarden Franken. Unter dem Strich reichte das für eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 12,6 Prozent. Der Vergleichswert für die Deutsche Bank lag im ersten Halbjahr bei mageren 3,4 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass die UBS den Umbau nach der Finanzkrise längst hinter sich hat, während die Deutsche Bank auch zehn Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers noch mitten in der Sanierung steckt. Die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse spiegeln sich auch an der Börse wider. Während der Marktwert der Deutschen Bank nach den deutlichen Kursverlusten in diesem Jahr auf 22 Milliarden Euro gefallen ist, kommt die UBS auf 54 Milliarden Euro.

Bei einem Zusammenschluss wäre das größte deutsche Geldhaus also eindeutig der Juniorpartner. Diese Rolle müsste die deutsche Politik erst einmal akzeptieren. Zwar sitzen die meisten Aktionäre der Deutschen Bank im Ausland. Allerdings können nationale Regierungen ihnen nicht genehme Übernahmen im stark regulierten Bankensektor noch immer wirksam torpedieren – und das, obwohl die Europäische Zentralbank mittlerweile die Oberaufsicht über große europäische Institute übernommen hat.

„Die deutsche Regierung dürfte eher daran interessiert sein, eine Lösung für die Commerzbank zu finden“, heißt es in Finanzkreisen. Auch die Schweizer Regierung dürfte wenig Freude über eine internationale Großfusion zeigen, schließlich will die Alpennation vermeiden, dass die eigenen Bankriesen noch größer werden.

Die Schweiz macht ihren Geldhäusern weit strengere Kapitalvorgaben, als es in der EU der Fall ist. „Außerdem wäre es für den Vorstand der UBS nach der Dauerkrise der Deutschen Bank sehr schwierig, den Aktionären zu erklären, warum man ausgerechnet das Frankfurter Institut kaufen soll“, meint ein Insider. Die UBS kommentierte das nicht.

Fusion wäre teuer

Eine deutsch-schweizerische Bankenehe ist in der Realität also zumindest aktuell unwahrscheinlich. Aber der Appetit der Deutschen Bank scheint sich auch mit Blick auf die Commerzbank in Grenzen zu halten, denn diese Fusion wäre ziemlich teuer – und aus Sicht von Vorstandschef Sewing auch riskant. Seiner Meinung nach hat die Commerzbank – die dazu nichts sagen will – zu viele Risiken in den Büchern.

Dabei gehe es vor allem um stille Lasten in Milliardenhöhe durch italienische Staatsanleihen, heißt es in Finanzkreisen. Zudem würden die Restrukturierungskosten der Variante enorm hoch ausfallen, da es zwischen den Frankfurter Nachbarn sehr viele Überschneidungen gibt. Dazu kommt: Ein Aktientausch beider Institute würde zu den aktuellen Kursen zu einer starken Verwässerung der Deutsche-Bank-Aktien führen.

Zumindest auf kurze Sicht gehören ohnehin alle Fusionsspekulationen rund um die Deutsche Bank ins Reich der Theorie. Der Vorstand habe auf der Tagung deutlich gemacht, dass derzeit jede Form des Zusammengehens mit einem anderen Institut „komplett unrealistisch“ sei und auch nicht vorbereitet werde, betont ein Insider.

Ziel der Bank sei es, selbstständig zu bleiben und sich aus eigener Kraft aus der Rentabilitätsfalle zu befreien. Zumindest was das Top-Management angeht, hätte ein Zusammenschluss mit der UBS aber seinen Reiz. An der Spitze des Verwaltungsrats der Schweizer steht Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber, und der war auch schon als Chef der Deutschen Bank im Gespräch.

Das sind die Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion

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  • Ein weiterer Vergleich:
    Die Zahl der Beschäftigten, das Eigenkapital und die Bilanzsumme liegen bei der Deutschen Bank um gut 50% höher als bei der UBS.
    Was spricht dagegen, dass dann auch die Einnahmen, das Ergebnis und der Börsenwert 50% oberhalb der UBS liegen?
    .. und der Aktienkurs der Deutschen Bank läge dann bei Euro 35.

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