Strategiesitzung HNA-Ausstieg und Fusionsspekulationen – Deutsche Bank berät über ihre Zukunft

Die Strategiesitzung des Topmanagements und Aufsichtsrats der Deutschen Bank steht bevor. Es geht um die Zukunft von Deutschlands größtem Geldhaus.
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„HNAs Ausstieg bei der Deutschen Bank ist nicht negativ“

FrankfurtAlle Jahre wieder trifft sich das Topmanagement der Deutschen Bank und der Aufsichtsrat des größten heimischen Geldhauses zu einer Strategiesitzung. Dieses Mal werden die Banker am Freitag und Samstag in Hamburg im Luxushotel „The Fontenay“ zusammenkommen. Auf der Tagesordnung stehen dann die ganz großen Fragen.

Unter Führung von Vorstandschef Christian Sewing werden die Banker nach Informationen des Handelsblatts anhand verschiedener Szenarien durchdeklinieren, wie es mit der Bank weitergehen könnte.

Wie muss sich die Bank entwickeln, um auf Dauer alleine eine Perspektive zu haben? Wie tief müsste man schneiden, wenn sich die wirtschaftlichen Perspektiven verschlechtern? Welche Vor- und Nachteile hätte eine Holdingstruktur, und wann lohnt sich eine Fusion mit der Commerzbank oder einem europäischen Partner?

Vor allem das letzte Thema hat in den vergangenen Wochen die Gerüchteküche angeheizt. Sewing hat zwar klargemacht, dass er eine Fusion, wenn überhaupt, frühestens in 18 Monaten für möglich hält, weil die Bank erst einmal ihre Sanierung vorantreiben müsse. Aber die Spekulationen reißen nicht ab.

Konkrete Entscheidungen zur Strategie stehen auf dem Hamburger Treffen nicht an, zunächst geht es darum, Szenarien zu diskutieren. Aber längst nicht alle Entscheidungen, die wichtig für die Zukunft des Frankfurter Geldhauses sind, werden in Deutschland getroffen.

Ende vergangener Woche sickerte durch, dass sich der chinesische Mischkonzern HNA als einer der größten Aktionäre der Deutschen Bank von seinem gesamten Anteil trennen will.

HNA muss auf Druck der Regierung und seiner Gläubiger seine Schuldenlast abbauen, außerdem will Peking, dass sich der durch milliardenschwere Übernahmen rasant gewachsene Konzern wieder auf das Kerngeschäft Flugverkehr und Tourismus konzentriert.

Viele Interessenten

Die über komplexe Derivatekonstruktionen bei der Schweizer Großbank UBS abgesicherte Beteiligung an der Deutschen Bank von zunächst knapp zehn Prozent hat HNA bereits in mehreren Schritten auf 7,64 Prozent reduziert, indem der Konzern fällig gewordene Verträge auslaufen ließ. Dadurch hat sich der Anteil der Aktien, den HNA direkt hält, schon von 5,5 auf 3,7 Prozent verringert.

HNA habe zwei Möglichkeiten, den Anteil an der Deutschen Bank abzubauen, heißt es in Kreisen des chinesischen Konzerns. Entweder das Unternehmen lasse die mit der UBS vereinbarte Finanzstruktur in den nächsten eineinhalb Jahren auslaufen. Oder es verkaufe den von der österreichischen Vermögensverwaltung C Quadrat aufgelegten Fonds, in dem die Anteile gebündelt sind, mitsamt der Finanzierung an einen anderen chinesischen Großaktionär. Ein solcher Schritt wäre einfach zu handhaben und bedürfe keiner aufsichtsrechtlichen Zustimmung.

Ein derartiger Verkauf würde vor allem dann angegangen, wenn die Staatsregierung in Peking – was vermutet wird – den Anteil an der Deutschen Bank in chinesischer Hand behalten will.

Bei HNA hätten sich bereits reichlich Interessenten gemeldet, heißt es in Konzernkreisen, die damit einen Bericht des „Wall Street Journal“ bestätigen. Zu den potenziellen Interessenten gehört die China Merchants Group und China Everbright, aber auch staatliche Fonds wie die China Investment Corp. sowie die Citic Gruppe, die dem Finanzministerium untersteht.

Einige private Investoren wie der Hopu Fonds, der von ehemaligen Goldmann-Sachs- und KPMG-Managern gegründet wurde, und die staatliche China Minmetals sollen auch vorgesprochen haben – es ist jedoch unklar, ob es dabei um die Deutsche Bank oder andere Anlagen von HNA ging.

Die Gespräche stünden noch ganz am Anfang, heißt es. In diese Entscheidungen sei weder die Bundesregierung eingebunden noch die Spitze der Deutschen Bank. Das werde allein in China ausgehandelt und entschieden.

C-Quadrat-Chef Alexander Schütz, der für HNA im Aufsichtsrat des Geldhauses sitzt und den Deutsche-Bank-Anteil verwaltet, wolle auch bei einem Verkauf noch für mindestens zwei bis drei Jahre im Kontrollgremium bleiben, ist in Finanzkreisen zu hören. Schütz war auf der jüngsten Hauptversammlung im Mai für fünf Jahre wiedergewählt worden.

Die Deutsche Bank könnte also schon bald einen neuen Großinvestor aus China bekommen. Sollte es wirklich so weit kommen, könnte das auf verschlungenen Pfaden auch Einfluss auf eine mögliche Fusion mit der Commerzbank haben, zumindest wenn man dem prominenten Analysten Stuart Graham von Autonomous Research glaubt.

Graham hat einen Zusammenschluss durchgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass das Projekt am meisten Sinn ergibt, wenn sich die Deutsche Bank von allen Teilen ihres Investmentbankings trennt, die nichts mit deutschen Firmenkunden zu tun haben.

Diese Teile könnte die Bank entweder herunterfahren oder an eine chinesische Bank wie ICBC verkaufen. Ein Schritt, der für Graham eine „starke strategische Logik“ hätte.

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