Strategietreffen Deutsche Bank spielt Szenarien für die Zukunft durch

Fusionen und schwächelnde Bilanzen: Die Führung der Deutschen Bank hat Optionen für die Zukunft durchgespielt. Aber vorerst bleibt es bei der aktuellen Strategie.
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Über die Strategie wurde zwei Tage beraten. Quelle: dpa
Deutsche Bank in Frankfurt

Über die Strategie wurde zwei Tage beraten.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs gab viel zu besprechen auf der Strategiesitzung der Deutschen Bank am Wochenende in Hamburg. Schließlich machen seit Wochen Spekulationen über eine mögliche Fusion mit der Commerzbank die Runde, auch wenn Christian Sewing, der neue Vorstandschef des größten heimischen Geldhauses, unmissverständlich klargemacht hat, dass die Deutsche Bank frühestens in 18 Monaten reif für ein solches Projekt sei.

Trotzdem spielten die Topmanager und der Aufsichtsrat der Bank bei ihrem jährlichen Strategietreffen auch ein Fusionsszenario durch, bei dem es nach Informationen des Handelsblatts nicht nur um eine innerdeutsche, sondern auch um einen möglichen europäischen Zusammenschluss ging. Außerdem besprachen die Banker, was passieren würde, sollten sich die wirtschaftlichen Perspektiven des Frankfurter Instituts schlechter als erwartet entwickeln.

In diesem zweiten Szenario gehe es auch um einen radikaleren Rückbau des Investmentbankings, hieß es in Finanzkreisen. Aber derzeit gebe es keinen Anlass, vom Basisszenario, der von Sewing und seinen Kollegen entwickelten Strategie, abzuweichen. Diese Strategie sieht vor, die Bank aus eigener Kraft mit moderaten Einschnitten im Investmentbanking wieder auf Kurs zu bringen. Darüber hätte trotz der massiven Kursverluste seit Jahresbeginn bei den Teilnehmern des Strategietreffens weitgehend Einigkeit bestanden.

Sewing hat den Investoren bis 2021 eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von rund zehn Prozent versprochen – unter der Voraussetzung, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik normalisiert. Dafür hat er das Geschäftsmodell angepasst mit Einschnitten in den Vereinigten Staaten und in Asien sowie im Aktiengeschäft.

Analysten bleiben allerdings skeptisch. Andrew Coombs von der Citigroup hält zwar die Sparpläne der Deutschen Bank für realistisch, zweifelt allerdings an den Ertragszielen. Bislang seien die Einnahmen deutlich schneller gefallen als die Kosten. Sewings Renditeziel sei nur realistisch, wenn die Zinsen in der Euro-Zone um mehr als drei Prozentpunkte stiegen. Die Citi prophezeit der Bank für 2021 lediglich eine Rendite von 5,6 Prozent.

Coombs hat drei ähnliche Szenarien durchgerechnet wie die Bank selbst. Als Alternative zur aktuellen Strategie sieht er deutlich aggressivere Schnitte im Investmentbanking mit dem kompletten Abschied aus den USA und einem Rückzug aus dem Aktiengeschäft. Dann könne sich die Bank auf das Geschäft mit deutschen Privat- und Unternehmenskunden konzentrieren.

Der Ausstieg würde nach Schätzungen des Analysten aber zusätzliche Kosten zwischen 1,5 und drei Milliarden Euro verursachen, dazu kämen Umbaukosten von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Eine Belastung, die ohne zusätzliches Kapital kaum zu stemmen wäre.

Als drittes Szenario untersuchen die Citi-Analysten eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank. Einen Zusammenschluss mit einem ausländischen Institut halten die Experten aus wirtschaftlichen und politischen Gründen für unwahrscheinlich. Eine Übernahme der Commerzbank würde sich dagegen zumindest finanzmathematisch rechnen. Coombs geht davon aus, dass die Deutsche Bank den Commerzbank-Aktionären 0,8 eigene Aktien plus vier Euro in bar bieten müsste.

Übernahme hätte Risiken

Die Analysten unterstellen ein Einsparpotenzial von 30 Prozent der Kosten der Commerzbank und gehen davon aus, dass die Erträge der fusionierten Bank um fünf Prozent unter der Summe der Einnahmen der beiden Einzelinstitute liegen werden. Nach der Übernahme könnte der Gewinn je Aktie der Deutschen Bank bis 2020 um 60 Prozent steigen und die Rendite auf das materielle Eigenkapital von vier auf sechs Prozent.

Allerdings warnt Coombs vor einem „hohen Ausführungsrisiko“ bei einer Übernahme. Eigentlich habe Sewing mit der Integration der Postbank und dem Rückschneiden der Investmentbank mehr als genug zu tun. Das Ergebnis einer Übernahme könne deshalb sehr viel negativer aussehen, als die Zahlen suggerieren.

Einen idealen Weg in die Zukunft gibt es für die Deutsche Bank also nicht. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass in Hamburg keine konkreten Entscheidungen zur Strategie fielen. Bei den Personalien sieht das allerdings anders aus.

Gleich am ersten Tag der zweitägigen Sitzung verlängerten die Aufsichtsräte einstimmig den zum Jahreswechsel auslaufenden Vertrag des Investmentbanking-Vorstands Garth Ritchie für weitere fünf Jahre, wie eine Sprecherin der Bank bestätigte. Die Entscheidung kam damit früher als gedacht.

Vor vier Wochen hatte die Bank noch mitgeteilt, dass die 2019 auslaufenden Vorstandsverträge „auf der Tagesordnung für das nächste ordentliche Treffen des Aufsichtsrats im Oktober“ stünden. Neben dem Vertrag von Ritchie laufen im August und im Oktober 2019 die Verträge von Asienvorstand Werner Steinmüller sowie Vermögensverwaltungsvorstand Nicolas Moreau aus.

Mit der vorgezogenen Entscheidung beendete die Deutsche Bank die wochenlangen Spekulationen über die Zukunft des obersten Investmentbankers und Vizechefs des Instituts. Noch im Frühjahr war durchgesickert, dass Ritchie mit einem Abschied von der Deutschen Bank geliebäugelt hatte, das war allerdings, bevor Ritchie zum Vizevorstandschef befördert worden war.

Bei zwei anderen Personalien lässt sich die Bank nun dafür mehr Zeit als gedacht: Über die Verträge von Moreau sowie Steinmüller will der Aufsichtsrat jetzt doch nicht im Oktober entscheiden, sondern „zeitgemäß im nächsten Jahr“, wie es in Finanzkreisen heißt. Die Bank wollte dazu ebenso wie zu den übrigen Details der Strategiesitzung keinen Kommentar abgeben.

Gerade Moreau steht unter hohem Erfolgsdruck. Zwar brachte er die Fondstochter DWS zügig an die Börse, doch seit der Erstnotiz fällt der Kurs. Dazu kommen hohe Nettoabflüsse von Kundengeldern in den ersten beiden Quartalen.

Steinmüller, Jahrgang 1954, wird für seine Leistungen im Asiengeschäft geschätzt, nähert sich allmählich aber dem Rentenalter. Wenn sein Vertrag überhaupt noch einmal verlängert wird, dürfte er kaum auf die übliche Laufzeit von fünf Jahren kommen. Alternativ ist auch denkbar, dass er der Bank als Berater verbunden bleibt.

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