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Strategiewechsel Technologie-Investor Softbank muss nach WeWork-Desaster umsteuern

Für den japanischen Konzern sollten Start-up-Gründer möglichst verrückt sein. Doch die Flops von WeWork und Uber stimmen Firmenchef Son nachdenklich.
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Wework: US-Start-up könnte komplett von Softbank übernommen werden Quelle: AFP
Masayoshi Son

Der Softbank-Chef steht unter Druck.

(Foto: AFP)

New York, Tokio Masayoshi Son sieht sich gern als Dirigent eines großen Orchesters, in dem er die besten Musiker um sich schart und das Tempo vorgibt. Nur dass die Musiker in Wahrheit Start-up-Gründer sind und Son, Chef des japanischen Technologieunternehmens Softbank, ihr spendabler Investor.

In den vergangenen Jahren spielte der 61-jährige Milliardär am liebsten fortissimo – besonders laut. Schließlich hatte er 100 Milliarden Dollar zur Hand, um in zukunftsträchtige Start-ups zu investieren.

In kürzester Zeit machte sich Son einen Namen in Amerikas Start-up-Szene als Geldgeber mit den tiefsten Taschen. Softbanks Vision Fund „war immer der Investor mit den größten Schecks, der oft auch andere Kapitalgeber vergraulte“, berichtet ein New Yorker Investor, der seinen Namen lieber nicht in den Medien lesen will.

Son war nicht zu bremsen. „Wir leben nur ein Mal, also will ich in großen Zügen denken. Es ist nicht meine Absicht, kleine Wetten einzugehen“, sagte er vor zwei Jahren vor Investoren. Damals ermutigte er WeWork-Gründer Adam Neumann, „verrückter“ zu sein, wie Neumann damals in einem Interview mit dem US-Magazin „Forbes“ erzählte.

Nun jedoch macht der Softbank-Chef einen Sinneswandel durch: Andante statt fortissimo lautet der neue Stil des Dirigenten, lieber etwas gemäßigter als zu schnell. „In letzter Zeit habe ich den Gründern gesagt, dass sie ihre Grenzen kennen müssen“, sagte Son in einem Interview mit der japanischen Zeitung „Nikkei“.

Bei einem Treffen seiner Portfoliounternehmen im September in Kalifornien soll er Medienberichten zufolge die Gründer auch dazu gedrängt haben, mehr auf die Profitabilität und Compliance zu achten.

Wework fehlen neun Milliarden Dollar

Softbank ist unter Zugzwang. Die zwei größten Investments des Vision Funds, WeWork und Uber, sind gefloppt. Nach dem geplatzten Börsengang im September muss WeWork gar ums Überleben kämpfen.

Dabei war der Bürovermittler noch Anfang des Jahres – dank einer Finanzspritze von Softbank – noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet worden. Doch mit dieser Bewertung fand das schnell wachsende aber auch hochdefizitäre Unternehmen keine Abnehmer an der Wall Street.

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Nun fehlen rund neun Milliarden Dollar, die WeWork durch den Börsengang und zusätzliche Kredite einnehmen wollte. Derzeit verhandelt das New Yorker Start-up mit Softbank und Geldhäusern über neue Finanzmittel.

Im Gespräch ist ein fünf Milliarden Dollar schweres Finanzierungspaket von JP Morgan Chase. Dabei werden hochriskante Anleihen ausgegeben, wofür potenzielle Abnehmer aber einen hohen Preis verlangen. Der Zinscoupon soll bei 15 Prozent liegen, den das Start-up jedoch nur zu einem Drittel in bar zurückzahlen muss. Der Rest kann mit der Ausgabe weiterer Anleihen beglichen werden.

Alternativ könnte Softbank erneut einspringen und den Anteil von derzeit rund 30 Prozent deutlich aufstocken, allerdings zu einer Bewertung von weniger als acht Milliarden Dollar, berichtet der Finanzdienstleister Bloomberg.

Softbank könnte WeWork komplett übernehmen

Das würde die Anteile der bestehenden Aktionäre, inklusive Neumann, deutlich verwässern und könnte den WeWork-Gründer auch privat in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Er hat Kredite von mehreren Hundert Millionen Dollar aufgenommen und diese zum Teil mit seinen Anteilen besichert.

Sollten diese nun deutlich weniger wert sein, könnte er neue Sicherheiten hinterlegen oder die Kredite zurückzahlen müssen. Im Gespräch ist auch, dass Softbank die Mehrheit oder gar 100 Prozent an WeWork übernehmen könnte.

Das wäre höchst ungewöhnlich. Normalerweise begnügt sich Son mit 20 bis 40 Prozent der Unternehmensanteile.

In einem Krisenfall wie diesem könnte das jedoch durchaus sinnvoll sein, glaubt Sven Weber, der den Risikokapitalfonds Knightsbridge Advisers berät. „Kredite müssen immer zuerst bedient werden. Und da WeWork schon hochverschuldet ist, kann es von Vorteil sein, auf weitere Schulden zu verzichten.“ Bei so einem hoch riskanten Unternehmen sind Kredite zudem teuer.

Son, der über den Vision Fund und über den Konzern insgesamt knapp elf Milliarden Dollar in WeWork investierte, bleibe nun nur noch die Flucht nach vorn, glaubt Weber. „Sie müssen zeigen, dass sie die Verluste minimieren können und das Beste aus dem Unternehmen rausholen.“

Der Bürovermieter machte im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden Dollar Verluste, der Umsatz lag sogar etwas darunter bei 1,8 Milliarden Dollar.

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