Streit um Abhebegebühr Banken rudern zurück – Verbraucherschützer klagen

Die Diskussion um Gebühren fürs Geldabheben bei immer mehr Sparkassen und Volksbanken hat Folgen: Die ersten Institute schaffen die Entgelte wieder ab. Und Verbraucherschützer klagen gegen die neuen Kontomodelle.
Update: 20.04.2017 - 10:24 Uhr 12 Kommentare
Viele Bankkunden müssen Gebühren fürs Geldabheben bezahlen. Verbraucherschützer warnen, dass Kunden dafür nicht ausreichend und zu spät informiert wurden. Quelle: dpa
Geldautomat

Viele Bankkunden müssen Gebühren fürs Geldabheben bezahlen. Verbraucherschützer warnen, dass Kunden dafür nicht ausreichend und zu spät informiert wurden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtSparkassen und Volksbanken geraten aufgrund neuer Kontomodelle, die Gebühren fürs Geldabheben am Automaten vorsehen, zunehmend unter Druck. Verbraucherschützer ziehen gegen einzelne Kreditinstitute vor Gericht. „Wir haben klare Belege, dass drei Institute ihre Kunden vorher nicht ausreichend über die Preisänderung informiert haben“, sagte Finanzmarktwächter Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Verfahren gegen eine Berliner Genossenschaftsbank läuft bereits vor dem Landgericht Halle.“

Görner zufolge müssen Banken und Sparkassen ihre Kunden zwei Monate vor geplanten Preisänderungen informieren und sie auf ihr Kündigungsrecht aufmerksam machen. „Bei den drei Instituten fehlte der korrekte Verweis auf das fristlose und kostenfreie Kündigungsrecht.“ Bei einem weiteren Geldhaus gebe es entsprechende Hinweise. Besonders ärgerlich ist aus Sicht Görners, wenn Kunden am Automaten nicht auf die Gebühr hingewiesen werden. Zwar seien die Finanzhäuser dazu nicht grundsätzlich verpflichtet. „Im Einzelfall kann aber Irreführung des Verbrauchers vorliegen. Dann können wir dagegen vorgehen.“

Der Verbraucherschützer mahnte: „Wir sehen die Institute in der Pflicht, ihre Kunden transparent zu informieren.“ Zwar müssen Banken und Sparkassen ein Preisverzeichnis veröffentlichen. Das helfe Verbrauchern allerdings wenig, wenn die Informationen nicht im Internet zu finden seien. „Die Kunden müssen in diesem Fall in der Filiale nachfragen. Doch wer macht das schon“, argumentierte Görner.

So stark bestrafen Banken „Fremdgehen“
Deutsche Bank
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Deutschlands größte Bank betreibt landesweit mehr als 2.000 Geldautomaten. Deutsche-Bank-Kunden kostet das Geldabheben nichts. Wer sein Konto bei einem anderen Geldhaus führt, zahlt an Automaten der Deutschen Bank 3,95 Euro Kundenentgelt.

Postbank
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An den 2.370 Automaten der Postbank zahlen fremde Kunden ebenfalls eine Gebühr von 3,95 Euro.

Stadtsparkasse München
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Wer sich als Commerzbank-, Deutsche-Bank-, Volksbank- oder Kunde einer anderen fremden Bank an einem der 230 Geldautomaten der Stadtsparkasse München Geld ziehen will, wird mit einer Gebühr von 3,95 Euro bestraft.

Sparkasse Hannover
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Teurer wird es in Hannover: An Geldautomaten der Sparkasse Hannover müssen Fremdkunden vier Euro Gebühren hinblättern. Die Bank unterhält in der Stadt und Umgebung 222 Automaten

Frankfurter Sparkasse
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Kunden der Frankfurter Sparkasse können an 209 Geldautomaten in der Stadt und der Umgebung Bares abheben. Alle anderen Kunden zahlen eine Gebühr von 4,50 Euro.

BW Bank
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Zu den zehn Banken, die Fremdkunden mit den höchsten Gebühren fürs Geldabheben belasten, gehört auch die Baden-Württembergische Bank. Wer sein Konto nicht bei den Stuttgartern führt und dennoch einen ihrer 229 Geldautomaten nutzt, zahlt 4,55 Euro.

Hamburger Sparkasse
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Eine weitere Sparkasse langt bei fremden Kunden kräftig zu: Wer einen von 360 Bankautomaten der Hamburger Sparkasse nutzt, zahlt als Kunde einer anderen Bank 4,75 Euro.

Die Zinsflaute setzt Banken und Sparkassen zunehmend unter Druck. Viele Geldhäuser drehen daher an der Gebührenschraube. Sind die Gebühren aber zu gering, lohnt sich ihre Erhebung oft nicht. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat beispielsweise die Sparkasse Hanau mit ihrer Automatengebühr nur rund 400 Euro im Jahr eingenommen. Betroffen waren etwa 1.000 von 93.000 Giro-Kunden – nun wurde die Gebühr gestrichen. Laut FAZ haben auch die Raiffeisenbank Offenbach-Bieber, die Sparkasse Leer-Wittmund, die Volksbank Lette-Darup-Roerup und die Sparkasse Ansbach Abhebegebühren an eigenen Geldautomaten wieder abgeschafft.

Zuletzt hatte auch eine Schätzung des Wirtschaftsmagazins Capital und der Unternehmensberatung Barkow-Consulting gezeigt, dass die erhobenen Entgelte für die Sparkassen oft wenig einträglich sein dürften. Nach der Schätzung kommen jährlich insgesamt höchstens 20 Millionen Euro an Abhebegebühren zusammen. Wahrscheinlich liegt die Summe sogar noch deutlich darunter. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr verdienten die rund 400 deutschen Sparkassen zusammen nach Steuern rund zwei Milliarden Euro.

Die Diskussion um die Gebühren wird zunehmend auch politisch geführt. In Hanau kritisierte die CDU-Mittelstandsvereinigung Main-Kinzig das Vorgehen des Geldinstituts. Sparkassen präsentierten sich gerne als „bodenständig“ und verwiesen auf ihre sozialen Verpflichtungen und Bindungen. „Ich bin sicher, dass Landrat Erich Pipa mit seinem sehr starken sozialen Anspruch den Sparkassen ihr Verhalten so nicht durchgehen lässt“, sagte der Chef der Mittelstandsvereinigung, Volker Rode, laut dem Portal Osthessen-News. Und Verbraucherschützer Kay Görner warnt: „Es gibt keine Grenze, wie oft Institute die Gebühren erhöhen können. Es darf aber kein Endlosmodell werden“. Er sieht die Politik am Zug: „Das kann jedoch nur der Gesetzgeber ändern.“

Die Debatte um die Wiederwahl des obersten Sparkassen-Vertreters, des Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, dreht sich in Teilen bereits um die Gebühren. Fahrenschon hatte Anfang September ein vollmundiges Versprechen ausgegeben: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben“. Weniger als ein halbes Jahr später ist diese Aussage von der Realität überholt worden. Fahrenschon habe erst nach und nach verinnerlicht, dass die Gruppe kein Konzern sei und die einzelnen Institute selbstständig seien, moniert ein Insider. Er solle sich am besten gar nicht zur Preispolitik der Sparkassen äußern, finden Sparkassen-Vertreter.

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12 Kommentare zu "Streit um Abhebegebühr: Banken rudern zurück – Verbraucherschützer klagen"

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  • @Dissi Dent: Ihr Schwachsinn in Textform verursacht beim ökonomisch gebildeten Menschen Augenschmerzen und grauen Star. Zudem wird klar, warum Deutsche beim Pisa-Test immer schlechter abschneiden. Note 5, durchgefallen!!!

  • Ich wiederhole mich indem ich sage, dass die Diskussion um so einen Bullshit von der Dummheit der deutschen Bevölkerung, der Medien sowie der Verbraucherschützer zeugt, dass es besser nicht geht und man vergisst offenbar, wofür wir Dank Katastrophen-Merkel palettenweise unser aller Geld wirklich raushauen.

    Denn erstens verdienen die Banken an den läppischen Gebühren NICHTS, sondern legen lediglich endlich ihre Kosten für die Bargeldver- und Entsorgung auf ihre stets dümmlich-meckernde Kundschaft um. Und darüber regt man sich kurz vor der Wahl sinnlos auf, in einem Land, wo Kunden im internationalen Vergleich fast eh schon keine nennenwerten Kosten für ihre Konten und sonstige Bankgebühren haben und im Retailgeschäft seit Jahren dicke Verluste fahren, während Häuser in Frankreich, Spanien, UK und vor allem den USA fette Gewinne produzieren.

    Gleichzeitig sind die gleichen Leute aber ganz still, wenn es um die Preise von Lebensmitteln und Autos geht (ein Golf kostet heute soviel wie vor 15 Jahren ein BMW 5er) oder die Überführungskosten für letztere geht. Denn Freude am Fahren und am Fressen ist den verbrämten Deutschen immens wichtig.

    Mein Tipp: Die Schreihälse inklusive derer hier - mit Ausnahme von Heinz Keizer - sollen am besten ihre eh nicht gewünschten Privatkonten bei ihrer Bank kündigen und die Kohle unter´m Kopfkissen verwahren. Banken werden sowieso noch Tausende an Filialen schließen müssen.

    Und wenn diese Kohle dann Dank Merkel von den Millionen an importierten Fachkräften für Wohnungseinbruch & Pyrotechnik geklaut wird, dann meckern sie noch lauter, die Schwachköpfe.

  • @ Herr Dissi Dent20.04.2017, 15:35 Uhr

    Ich bin Rentner, habe aber in einer Bank gearbeitet und verstehe das Bankgeschäft. Wo es berechtigt ist, unterstütze ich den Verbraucherschutz und berate auch Verbraucher. Ich habe nur was gegen dieses ständige Banken-bashing. Es gibt tausende von Mitarbeiter, die täglich ihre Arbeit zur Zufriedenheit ihrer Kunden machen. Es gibt überall schwarze Schafe, das gehört auch im Bankenbereich unterbunden. Eine verschwindent kleine Minderheit klagt dann über Verbraucherverbände gegen angebliche Missstände. Bei Bafin gehen nur wenige berechtigte Beschwerden ein, im Verhältnis zu der Anzahl der Beratungen. Und wenn ein Richter entscheidet, bedeutet das nur, dass er Recht gesprochen hat, ob das auch richtig ist, ist eine andere Sache.

  • @ Heinz Keizer

    Und Sie scheinen ein (Lobby)Vertreter oder Mitarbeiter in der Bankenbranche zu sein.

  • @ Herr Dissi Dent20.04.2017, 14:48 Uhr

    Es war ein Reisenfehler die Banken zu retten. Es darf nicht sein, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Die Politikr hätten aber ganz schön dumm aus der Wäsche geschaut, wenn plötzlich keine Banken mehr Staatsanleihen gekauft hätten. Draghi hatte da sein "Geschäftsmodell" noch nicht entwickelt. Wenn Banken wie andere Unternehmen behandelt würden, würde dieses Moral Hazard sehr bald aufhören.

  • @ Herr Dissi Dent20.04.2017, 14:52 Uhr

    Sie scheinen ja einige Jahre Bankbetriebslehre studiert zu haben.

  • Im Gegensatz zu den sog. Verbraucherschützern sind Banken Wirtschaftsunternehmen, die ihr Geld verdienen müssen.

    Deren Geschäftsmodell bisher darin bestand, durch Sollzinsnahme bei Kreditgeldschöpfung Geld zu verdienen.
    Da wird nichts produktives geleistet, außer eines Buchungssatzes auf einem Kontoauszug!
    Leisten müssen die Kreditnehmer, die den zu zahlenden Sollzins irgendjemand anderem im Wirtschaftskreislauf abjagen müssen, der dann um diesen Betrag ärmer wird.
    Was ist das für ein widerwertiges Geschäftsmodell?

  • Es ist schon paradox!
    Man leiht den Banken eigenes Geld und soll dafür auch noch Gebühren und Negativzins bezahlen.
    Jahrzehntelang haben die Banken andersrum denj Leuten massivge Sollzinsen berechnet, wenn man sich von den Banken Geld ausgeliehen hat.
    Jetzt wo sich niemand mehr verschulden will, kommen die Banken mit dieser Idee um die Ecke.
    Man muß Abzocker auch so nennen dürfen!
    Ich will aber nicht verallgemeinern, sicherlich gibt es auch unter den Banken gute seriöse Institute, die wie immer, jetzt unter den schwarzen Schafen der Branche, mit zu leiden haben.
    Zuem haben die Steuerzahler genau diese Abzocker politisch gewollt vor dem Untergang gerettet, besser gesagt, der Untergang wurde in die Zukunft verschoben.
    Es wird zu Aufständen gegen die Banken kommen, weil viele nicht mehr bereit sind, als ewige Zins- und Gebührenknechte abgemolken zu werden.

  • "Eine Reaktion der Banken ist, stärker auf andere Abhebesysteme zu setzen. Immer mehr Supermärkte bieten inzwischen die Möglichkeit an, per EC-Karte beim Zahlen an der Kasse Geld abzuheben, wenn Kunden Waren im Wert von 20 Euro oder mehr einkaufen"

    Wenn ich Bargeld abheben will, möchet ich nicht für 20€ etwas Nutzloses kaufen MÜSSEN.

    Für mich stellt sich die ganze Diskussion um Gebühren folgendermaßen dar:

    Bedingt durch die EZB-Geldpolitik steht den Banken das Wasser bis zum Hals, da das klassische Kreditgeschäft dank Nullzinsen nicht mehr funktioniert.

    Es wird Zeit, sich Gedanken zu machen, wo und wie man sein Erspartes aufbewahrt.

  • Im Gegensatz zu den sog. Verbraucherschützern sind Banken Wirtschaftsunternehmen, die ihr Geld verdienen müssen. Deutsche Banken stehen dabei im internationalen Vergleich ziemlich schlecht da.

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