Studie Banken brauchen 474 Milliarden Euro

In aller Welt müssen Banken ihre Kernkapitalquoten erhöhen. Eine Studie hat den aktuellen Kapitalbedarf ermittelt und kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Bankenindustrie in einer zerbrechlichen Lage befinde.
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Alleine in Europa betrage der Kapitalbedarf zur Abdeckung der Kernkapitalquote nach Basel-III-Regeln 256 Mrd. Euro. Quelle: dpa

Alleine in Europa betrage der Kapitalbedarf zur Abdeckung der Kernkapitalquote nach Basel-III-Regeln 256 Mrd. Euro.

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Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group hat einen Kapitalbedarf der weltweiten Bankenbranche in dreistelliger Milliardenhöhe ergeben. Insbesondere Institute in Europa tun sich demnach schwer, den erhöhten Anforderungen der Regulierer nachzukommen. Wie der Unternehmensberater aus den USA am Mittwoch in Boston mitteilte, wurde ein Kapitalbedarf von Banken rund um den Globus von 474 Mrd. Euro ermittelt.

Banken in Europa erweisen sich den Ergebnissen zufolge als besonders empfindlich gegenüber konjunkturellen Schwächephasen. Insgesamt sei der Kreditanteil in europäischen Bankenbilanzen höher als bei den Banken in den USA, hieß es von der BCG zur Begründung. Es sei überdies mit einer vermehrten Konsolidierung in der Branche zu rechnen, wenn stärkere Banken ihre schwächeren Konkurrenten übernehmen.

Nach den jüngsten Vorgaben des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht müssen die Banken ihre Kernkapitalquoten mehr als verdreifachen, um mögliche Verluste im Zuge von Wirtschafts- oder Finanzkrisen besser abzufedern. Diese Vorgaben sind eine Reaktion auf die Finanzkrise des Jahres 2008, die unter anderem zur Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. führte und Schockwellen durch die Weltwirtschaft sandte. Die so genannten Basel-III-Regeln sollen schrittweise ab dem 1. Januar 2013 bis in das Jahr 2019 hinein wirksam werden. Gerade in der EU ist die Einführung der Regeln umstritten.

„Die Anleger verlangen eine Befolgung der neuen Kapitalregeln vor den vereinbarten Terminen“, hieß es in der Studie, „wer als Bank dahinter zurückbleibt, der gefährdet die eigene Marktposition“. Insgesamt bleibe die weltweite Bankenindustrie in einer zerbrechlichen Lage.

Alleine in Europa betrage der Kapitalbedarf zur Abdeckung der Kernkapitalquote nach Basel-III-Regeln 256 Mrd. Euro, wie es laut der Studie auf Basis der Daten zum Jahresende weiter hieß. In den USA beträgt der Bedarf mit 112 Mrd. Euro deutlich weniger als die Hälfte.

Die Deutsche Bank AG hatte im September eine Aufstockung der Kernkapitalquote Tier 1 bis Ende März auf mindestens acht Prozent angekündigt und plant die weitere Erhöhung auf mehr als zehn Prozent zwei Jahre später. Die Credit Suisse Group AG will das Eigenkapital laut Mitteilung vom Juli auf 15,3 Mrd. Franken erhöhen und kommt damit Forderungen der Schweizer Bankenaufsicht nach.

Auch die weiterhin niedrigen Aktienkurse von Großbanken, die laut BCG „um 50 bis 80 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus“ liegen, seien ein Zeichen für das anhaltend schwache Umfeld für die Banken.

 
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8 Kommentare zu "Studie : Banken brauchen 474 Milliarden Euro"

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  • Solange Banken kein "Vollgeld"-Kriterium erfüllen müssnn (=nicht mehr Geld ausleihen, als sie tatsächlich haben =100% Eigenkapital), ist das gesamte System auf Sand gebaut -und wird daher kollabieren.

    Vor dem Hintergrund sind die benannten 500 Milliarden Kapitalbedarf ein einziger Witz

    Momentan findet nur eine Verschiebung statt: Den Bankstern und sonstigen Zockern wird erlaubt, ihre gesamten Finanzrisiken in die Bilanz des Steuerzahlers zu verschieben, damit diese Pleite gehen statt erstere, die es eigentlich verdient hätten..

  • Für die Auffüllung der Kernkapitalquoten der Banken braucht es 'hartes' Geld (= Vermögen) wie für die Finanzierung von Gewerbe und Industrie (genannt Eigenkapital) das auch normal, d.h. risikogerecht verzinst werden muß. Fiat-money zu 0.5% p.a. von Signore Draghi genügt da nicht. Nur, wo soll das herkommen jetzt, da allmählich auch der Dümmste kapiert hat, daß die meisten Banken mit ihren aufgeblähten Bilanzen nur mehr Luftnummern sind? Die Aktienkurse zeigen das ja schon längst an.
    Die unangenehme Folge wird wohl sein, daß die betroffenen Banken ihre Bilanzen brutal verkürzen müssen mit allen Folgen für die Wirtschaft.

  • Die Sanierung eines notleidenden Unternehmens (und somit auch notleidender Banken) kann man auf zwei Arten machen: auf die intelligente Art und auf die dumme Art.

    Bei der intelligenten Art tragen die bisherigen Kapitalgeber (EK und min. nachrangiges FK) den Schaden und dem frischen EK des "Retters" steht ein Gegenwert (Kapitalanteile und entsprechende Gewinnchancen) gegenüber.

    Bei der dummen (von Brüssel bisher praktizierten) Art bleiben die bisherigen Kapitalgeber verschont und die "Retter" finanzieren die Alt-Verluste. Der "Retter" hat den Schaden, die Alteigentümer den Nutzen und die Gewinnchacen.

    Entscheidend für den Steuerzahler ist also nicht die Frage, OB man die Banken rekapitalisiert, sondern WIE.

  • "Zerbrechliche Lage" ist gut. Vor vier Jahren ist das weltweite Finanzsystem kollabiert - von wegen nur Lehman Brother! - und wird seitdem von den Zentralbanken und den Steuerzahlern künstlich am Leben gehalten. So sieht die wirkliche Wirklichkeit aus.

  • Alle Bankerboni sind aus dem Nichts erzeugt. Keine Bank "verdient"! Ein großes Lug- und Trugspiel. Das perfekte Kapitalverbrechen, da es durch die Politik ermöglicht wird.

  • Der hohe Bedarf an Eigenkapital, um die Regeln von Basel III zu erfüllen, ist das eine.

    Die wichtigere Frage allerdings ist, in welchem Umfang wird wieder der Steuerzahler (über ESM, EZB, Target2, Bankenunion u.ä.) zur Rekapitaliserung der Banken herangezogen.

    Nach dem, was die "Euro-Retter" bislang so geleistet haben, befürchte ich das Schlimmste.

  • Diese halbe Billion, und noch einiges mehr, wird allein von den spanischen Banken benötigt, wo jede 3.Hypothek notleidend werden wird.

  • "Banken brauchen 474 Milliarden Euro"

    Nur?

    Nicht kleckern sondern k(l)otzen ... am Ende fehlt eh eine Null hinten dran ... und selbst dann haben die den Hals noch nicht voll ...

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