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Studie des Chefvolkswirtes Deutsche-Bank-Analyse zu Fusionen liest sich wie ein Hilferuf

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank fürchtet, dass Europas Geldhäuser hoffnungslos hinter die US-Konkurrenz zurückfallen. Übernahmen könnten dagegen helfen, glaubt Folkerts-Landau.
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Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat eine brisante Analyse vorgelegt. Quelle: Reuters
David Folkerts-Landau

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat eine brisante Analyse vorgelegt.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDavid Folkerts-Landau ist stolz auf seine Unabhängigkeit. Aber die Analyse zur Dauermisere der europäischen Banken, die der Chefvolkswirt der Deutschen Bank gerade vorgelegt hat, ist in dieser Hinsicht pikant: Schließlich führt sein Arbeitgeber gerade inoffizielle Übernahegespräche mit dem Frankfurter Nachbarn Commerzbank.

Die 30 Seiten, zu denen Folkerts-Landau das Vorwort beigesteuert hat, lesen sich beinahe wie ein Hilferuf. Der Chefvolkswirt warnt, dass die schwächelnden europäischen Banken immer weiter hinter die großen US-Häuser zurückfallen. „Wenn der aktuelle Trend anhält, könnte Europa tatsächlich eine weitere strategisch wichtige Branche an die US-Wettbewerber verlieren“, warnt der Ökonom.

Folkerts-Landau glaubt, dass sich Europa die chronische Schwäche der Banken nicht leisten kann, weil drei Viertel der Finanzierung der Unternehmen und neun Zehntel der Finanzierung der Privathaushalte von den Kreditinstituten abhängen. In den USA liegen die Vergleichswerte nur bei der Hälfte beziehungsweise einem Drittel.

Schuld an der Misere sind nach Meinung des Deutsch-Bankers nicht die Geldhäuser selbst, sondern vor allem die Regulierer und die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Minuszinspolitik. Im Moment koste der Strafzins von 0,4 Prozent, den die EZB auf Einlagen der Banken erhebt, die Institute Jahr für Jahr acht Milliarden Euro. Die US-Banken kassieren dank der positiven Leitzinsen von 2,4 Prozent dagegen rund 40 Milliarden Dollar für ihre Einlagen.

Dazu kommt: Während die USA flexibel genug seien, um die strengere Regulierung nach der Finanzkrise pragmatisch anzupassen, ziehe Europa das einmal festgelegte Programm ohne Rücksicht auf Verluste durch. Theoretisch sei das Regulierungsprojekt zwar durchaus positiv, in der Praxis bürde der strikte Zeitplan den Banken aber enorme Lasten auf, und das in einer Zeit, in der „die großen Banken und die Wirtschaft in der Eurozone ohnehin unter großem Stress stehen“.

Die Deutsche Bank ist selbst das beste Beispiel für die Sorgen, die Folkerts-Landau umtreiben. Nach drei Verlustjahren in Folge hat das größte heimische Geldhaus 2018 zwar wieder schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings reicht der Minigewinn nur für eine magere Eigenkapitalrendite von 0,4 Prozent.

Auch hausgemachte Probleme schuld an der Misere

Allerdings machen Analysten durchaus auch hausgemachte Probleme für die Dauerkrise der Deutschen Bank verantwortlich. Anders als viele Konkurrenten haben die Frankfurter nach der Finanzkrise viel zu lange an ihrer Strategie festgehalten und stecken auch ein Jahrzehnt nach der Pleite von Lehman Brothers noch immer mitten in der Sanierung.

Wie lässt sich die schwächelnden europäischen Bankenbranche wieder beleben? Übernahmen und Fusionen würden helfen, argumentieren die Analysten der Deutschen Bank.

In den USA würde auf die fünf größten Geldhäuser die Hälfte aller Vermögenswerte der Bankenbranche entfallen, in Europa liege der Vergleichswert bei einem Viertel, rechnen die Experten vor. Deshalb sollte die Konsolidierung in der Eurozone gefördert werden.

Vielleicht fängt die Deutsche Bank ja selbst damit an? Schließlich hat sich Vorstandschef Christian Sewing vor ein paar Wochen ein Mandat seiner Vorstandskollegen gesichert, um inoffizielle Übernahmegespräche mit der Commerzbank zu führen. Die Banken sprechen auch auf mehr oder minder sanften Druck der Politik miteinander, weil sich die Bundesregierung um die Aussichten für die beiden Geldhäuser sorgt, und weil sich Finanzminister Olaf Scholz mindestens eine robuste global handlungsfähige Großbank in Deutschland wünscht.

Aber Übernahmen alleine würden nicht ausreichen, um Europas Banken wieder wettbewerbsfähig zu machen, warnt die Deutsche Bank. Deshalb fordern die Analysten das Aufbrechen der traditionellen Säulen in der Bankenlandschaft, in Deutschland würde das Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreffen.

Auch diese Forderung ist nicht ganz uneigennützig, schließlich beklagen die privaten Banken schon seit Jahrzehnten, dass die harte Konkurrenz durch öffentlich-rechtliche Institute und durch die Volks- und Raiffeisenbanken auf dem Heimatmarkt die Margen kaputtmacht.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken scheinen mit der Situation dagegen ganz gut zurechtzukommen. Beide Bankenlager verdienten im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro, Commerzbank und Deutsche Bank scheiterten dagegen beim Gewinn jeweils an der Milliardenschwelle.

Deutsch-Banker haben Wunschliste mit drei Maßnahmen

Drei weitere Maßnahmen haben die Deutsch-Banker auf ihrer Wunschliste: Die Vollendung der Bankenunion in der Euro-Zone und eine ehrgeizigere Kapitalmarktunion. Außerdem wollen sie, dass der Teufelskreis zwischen Staatsfinanzierung und Banken endlich durchbrochen wird. Europas Banken hätten Staatsanleihen im Wert von 170 Prozent ihres Kernkapitals in den Bilanzen, heißt es in der Analyse, drei Mal so viel wie die US-Banken.

Wenn wie zuletzt in Italien das Misstrauen in die Wirtschaft wächst und die Investoren deshalb Staatsanleihen auf den Markt werfen, drohen den Banken wegen der Kursverluste Abschreibungen auf ihre Anleihebestände. Das schürt wiederum das Misstrauen der Anleger gegen die Banken. Am Ende könnten die Institute gezwungen sein, ihre Kreditvergabe einzuschränken, was die Wirtschaft weiter schwächen würde. Der Teufelskreis schließt sich.

Deshalb fordern die Deutsche-Bank-Analysten, dass die Geldhäuser auch für vermeintlich sichere Staatsanleihen Kapital zurücklegen müssen, außerdem sollte es Regeln für eine Diversifizierung der Banken-Investments geben. Und die Aufseher sollten die Abhängigkeit von Staaten und Banken in ihren Stresstests stärker berücksichtigen. Geschieht nichts, drohe Europa das gleiche Schicksal wie Japan, wo die Wirtschaft seit Jahren von Stagnation, Deflation und hohen Staatsschulden geprägt wird. Keine schönen Aussichten.

Die Mitarbeiter von Deutscher Bank und Commerzbank plagen allerdings erst einmal kurzfristigere Sorgen. Sie haben Angst, dass durch eine mögliche Fusion zehntausende Arbeitsplätze verschwinden.

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