Studie Etablierte Geldhäuser fürchten die neue Konkurrenz der Smartphone-Banken

Die steigende Zahl und wachsende Erfolg der Smartphone-Banken schreckt traditionelle Institute auf. Die suchen nun nach neuen Geschäftsmodellen.
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Smartphone-Banken werden zunehmend zur Gefahr für etablierte Geldhäuser. Quelle: mauritius images
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Smartphone-Banken werden zunehmend zur Gefahr für etablierte Geldhäuser.

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FrankfurtSeit gerade einmal dreieinhalb Jahren ist die Smartphone-Bank N26 am Markt. Mehr als eine Million Kunden, den Großteil davon aus Deutschland, hat das Berliner Finanz-Start-up bereits gewonnen. Das beunruhigt die etablierten Geldhäuser zusehends: Sie halten Smartphone-Banken, auch Digitalbanken oder Neobanken genannt, für eine ernst zu nehmende Gefahr für ihr Geschäft, zeigt eine Studie der Beratungsfirma Sopra Steria Consulting. Dieser Meinung sind 44 Prozent der befragten Führungskräfte. Unter Managern von Sparkassen und Volksbanken sind es sogar 53 Prozent.

Die große Furcht vor den neuen Banken dürfte daran liegen, dass die Konkurrenz auf dem deutschen Bankenmarkt bereits knallhart ist – und durch die Smartphone-Institute noch schärfer wird. Wachsen können die Geldhäuser im Grunde nur, wenn sie Wettbewerbern Kunden abluchsen. Sopra Steria hat knapp 110 Führungskräfte aus deutschen Kreditinstituten mit einer Bilanzsumme von mindestens 500 Millionen Euro befragt.

Stefan Lamprecht, der bei dem Spezialisten für digitale Transformation die Bankenberatung leitet, verweist darauf, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Geschäft mit Privatkunden Marktführer sind.

„Das ist ihr Geschäftsmodell – und das wird durch die Smartphone-Banken angegriffen“, die sich auf das Basis-Privatkundengeschäft konzentrieren würden. Die Onlinebanken ING-Diba und DKB hätten „die Neukundengewinnung zulasten etablierter Marktteilnehmer eindrucksvoll demonstriert“, sagt er. Sie führen mittlerweile zusammen rund fünf Millionen Girokonten.

Zudem streben in Deutschland weitere Smartphone-Banken auf den Markt. Die Digitalbank Moneyou, bei der man bisher unter anderem Tagesgeld anlegen kann, kündigt den Start eines Girokontos, „Moneyou Go“, für Anfang September an – etwas später als kürzlich noch avisiert. Tomorrow will nun voraussichtlich Ende September folgen als nachhaltige Bank für das Smartphone. Und auch Bunq, wie Moneyou aus den Niederlanden, will in Deutschland Fuß fassen.

Schon länger aktiv ist die Fidor Bank aus München. Sie zählt inzwischen 300.000 Kunden in Deutschland und in Großbritannien. Und der britische Konkurrent Revolut kommt auf 2,5 Millionen Kunden, darunter mehr als 100.000 deutsche.

Banken ohne Filialen

Diese neuen Smartphone- und auch die Direktbanken greifen die traditionellen Geldhäuser an, indem sie das Geschäft anders aufziehen. Sie machen es moderner, schneller und sind näher am Kunden. Und sie zielen auf die Generation ab, die mit der Digitalisierung aufgewachsen ist – und für Bankgeschäfte bloß nicht eine Filiale aufsuchen will.

Genau diese Kunden sind aber für die Zukunft entscheidend. „Für die Sparkassen sind Jugendkonten sehr wichtig, sie haben einen Marktanteil von etwa 70 Prozent“, erklärt Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing. „Bisher ist es so, dass junge Kunden auch später bei der Sparkasse bleiben. Durch N26 wird der Kampf um die künftigen erwachsenen Kunden härter.“

Wie sehr die traditionellen Häuser durch neue Konkurrenten aufgeschreckt sind, zeigen die Sparkassen. Sie wollen nächstes Jahr selbst ein Smartphone-Konto anbieten. Mehrere große Sparkassen testen derzeit „Yomo“ – das steht für „Your Money“. Zum Jahreswechsel soll Yomo allen Sparkassen zur Verfügung stehen.

Zugleich stellt sich die Frage, wie die neuen Banken Geld verdienen wollen, wenn sie ihre Konten gratis anbieten. „Ich blicke skeptisch auf reine Smartphone-Banken. Ihre Zielgruppe ist begrenzt und der Vertriebsweg schnell kopierbar“, sagt Lamprecht. „Und ich bin sicher, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken entschlossen reagieren werden.“

Dabei haben die neuen Banken einen großen Vorteil gegenüber den etablierten: Sie können ihre IT neu aufsetzen und auf die heutigen Anforderungen zuschneiden. Traditionelle Kreditinstitute sind oft erst noch dabei, ihre IT zu modernisieren. In der Umfrage von Sopra Steria gaben 35 Prozent an, die IT-Kapazitäten bei Produktneuerungen und Prozessveränderungen seien nur in Teilen ausreichend. Elf Prozent halten sie für gering.

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